Meldungen am 22. Oktober 2009

Es gibt Dinge, die verdoppeln sich durch Stirnrunzeln, verdreifachen sich durch Verbote – und sterben bei einem Lachen. Joachim Fernau (1909-88) „… und sie schämeten sich nicht“ 1958 ______________________________________________________________________ „Joachim Fernau. Leben und Werk in Texten und Bildern“ herausgegeben von Götz Kubitschek und Erich Lehnert. „Halleluja – Geschichte der USA“ ist sein weitschauendes Werk und gewinnt heute gerade wieder an Aktualität. Es sollte gerade in englischer Übersetzung angepriesen werden, weil es zeigt, daß die deutsche Malaise des letzten Jahrhunderts auf das Eingreifen der US-Amerikaner gegen Deutschland zurückzuführen ist. „Halleluja“ wird das Buch Joachim Fernaus sein, das von ihm weltweit bleibenden Wert für unser Deutschland behalten wird. Georg K. Schmelzle Norden/Ostfriesland __________________________________________________________________________ www.metapedia.org _____________________________________________________ GENEVA, October 16, 2009 The former commander of British forces in Afghanistan upset the Arab sponsors of today’s U.N. special session when his expert testimony contradicted the thesis of the Goldstone Report. “Mr. President, based on my knowledge and experience, I can say this: During Operation Cast Lead, the Israeli Defence Forces did more to safeguard the rights of civilians in a combat zone than any other army in the history of warfare,” said. Col. Richard Kemp. See full text and video below. http://mideasttruth.com/forum/viewtopic.php?t=9472 _____________________________________________________ Linksextremisten verurteilt Wegen eines versuchten Brandanschlags auf Bundeswehrfahrzeuge in Brandenburg hat das Berliner Kammergericht drei Linksextremisten zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Richter sahen es am Freitag als erwiesen an, dass die Männer im Alter von 37 bis 48 Jahren im Sommer 2007 unter Armeefahrzeugen Brandsätze legten. Die Täter gehörten zur „militanten gruppe“. Das Kammergericht folgte in vollem Umfang den Strafanträgen der Bundesanwaltschaft. (dpa) F.A.Z., 17.10.2009, Nr. 241 / Seite 4 Gysi klagt über grüne Schnüffelei Der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei Gysi hat ein Ausforschen der Landtagsfraktionen seiner Partei durch die Grünen kritisiert. „Die Grünen wenden hier Methoden an, die sie regelmäßig anderen schärfstens vorwerfen“, sagte Gysi der „Tageszeitung“. Die Zeitung hatte zuvor berichtet, dass ein Mitarbeiter der grünen Bundestagsfraktion per E-Mail einen Fragebogen an alle Landtagsfraktionen der Grünen verschickt hatte. Darin sollten diese dem Bericht zufolge angeben, was sie von den Fraktionen der Linkspartei in den Landesparlamenten wissen, unter anderem sollten sie Angaben zu „Internen Streitigkeiten“ sowie „Personellen Zwistigkeiten“ machen. (AFP) F.A.Z., 17.10.2009, Nr. 241 / Seite 4 Stasi-Überprüfung im Landtag SPD und Linkspartei haben sich eine Forderung der Brandenburger Oppositionsfraktionen CDU, FDP und Grünen zueigen gemacht und werden ihre Abgeordneten auf Zusammenarbeit mit dem DDR-Ministerium für Staatssicherheit (MfS) überprüfen lassen. „Wer überzeugend für Transparenz in der Gesellschaft streiten will, muss sie in den eigenen Reihen praktizieren“, sagte die Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Kerstin Kaiser, die selbst auf den Anspruch, Ministerin in einer rot-roten Koalition zu werden, verzichtet hatte, weil sie als Studentin für das MfS tätig war. Während die SPD nach Angaben ihres Fraktionsvorsitzenden Baaske noch nicht entschieden hat, ob die Überprüfung mit einem Landtagsbeschluss oder mit einem Gesetz beschlossen wird, lassen sich die Abgeordneten der Linkspartei freiwillig überprüfen. (F.A.Z.) F.A.Z., 21.10.2009, Nr. 244 / Seite 4 Eine Identitätsvernichtung schlechtesten Stils Zu „Hoffnung der Enteigneten“ in Bezug auf das 1945 von Kommunisten im politischen Verfolgungswege eingesammelte Privateigentum (F.A.Z. vom 10. Oktober): Alles in allem und im großen Ganzen ist dieses Kind in den Brunnen gefallen, anders, vulgär und politisch unkorrekt offen gesagt, hat der Rechtsstaat da einen großen Berg Leichen im Keller. Dass der noch einmal lebendig wird, ist in diesem Land des ewig schaudernden Rückblicks ganz ausgeschlossen und sollte die Parteien zur Vorsicht mahnen. Allen Lehren aus Nazideutschland zum Trotz wurde eine Minderheit politisch in die Ecke gestellt. So gut wie restlos: Im alten Kreis Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern mit dereinst 175 Gutsbesitzern kann man Rückkehrer an einer Hand abzählen. Das war Identitätsvernichtung schlechtesten Stils, hat dem Land nichts gegeben, sondern viel genommen und das Rotwesen kräftig gefördert. Herausgekommen ist auch finanziell nichts. Die Verwerterin der Enteignungssubstanz, die BVVG, sieht nach einer weiteren Dekade der Vermarktung (knapp die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche steht noch zur „Privatisierung“ aus, das kann zurückgegeben werden) nach eigenen Aussagen eine schwarze Null auf sich zukommen. Das frühere Ziel der damaligen Kohl-Administration, (auch) damit die Wiedervereinigung zu finanzieren, war ein Fehlschlag; summa summarum die ganze Enteignerei war ein politisches Fiasko ohnegleichen. Die nun machthabenden Parteien sollten sich und die Bauern in den jeweiligen Landstrichen jetzt fragen, ob der Bund oder der frühere Eigentümer der bessere Verpächter ist und warum wohl. DR. GUNTER BRONSART VON SCHELLENDORF, REIMERSHAGEN F.A.Z., 19.10.2009, Nr. 242 / Seite 9 Rassismus, Militarismus, Autoritarismus Für Richard J. Evans zeigt das „Dritte Reich“ in extremster Form, wohin Hass und Destruktivität führen können Wer will das alles lesen? Die Frage stellt sich beim ersten Blick auf das monumentale Werk von Richard J. Evans über den Nationalsozialismus. Nach „Aufstieg“ (2004) und „Diktatur“ (2006) legt der in Cambridge lehrende 62 Jahre alte Fachmann für deutsche Sozialgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert jetzt den letzten Teil vor: „Krieg“. Allein dieser dritte Band umfasst ohne Fußnoten fast tausend Seiten. Die militärischen Entscheidungen und Abläufe bilden für Evans die Folie, auf der er den Alltag der Deutschen im Zweiten Weltkrieg sowie die brutale „Verwaltung“ in den eroberten Gebieten Europas schildert. Dabei zieht er immer wieder Tagebücher und Briefe heran – lässt Soldaten und Zivilisten, Hochrangige und Tiefstehende, Täter und vor allem Opfer zu Wort kommen. Wen dieser riesige Lesestoff nicht abschreckt, den erwartet eine über weite Strecken fesselnde, oft erschreckende Lektüre. Sach-, Personen-, Orts- und Kartenregister bieten dem Eiligen gezielte Orientierung. Im ersten Kapitel, „Tiere in Menschengestalt“, geht es unter anderem um den Blitzkrieg gegen Polen, um Misshandlung, Ausbeutung und Ermordung Tausender Polen und Juden, um Massendeportationen junger Menschen als Zwangsarbeiter in das Deutsche Reich und um die Plünderungskampagnen der Besatzer. Generalgouverneur Hans Frank, der in Krakau residierte, ließ sich – dem „Führer“ nacheifernd – bei Zakopane einen eigenen Berghof errichten. Und der gelernte Jurist fraß sich – ganz von Hitler abweichend – so voll, dass sein großer Dienstanzug fast aus allen Nähten platzte. Das zweite Kapitel „Kriegsglück“ widmet sich den militärischen Ereignissen bis Ende 1941. Den Sieg über Frankreich bezeichnet Evans als „die größte militärische Einschließung der Geschichte“. Deutschland „hatte seinen Erzfeind gedemütigt, die Schmach von Versailles war getilgt. Hitler war außer sich vor Begeisterung.“ Dies war nur von kurzer Dauer – bis zur Luftschlacht gegen England im Herbst 1940, als er zum ersten Mal „eine größere Schlacht“ verlor. Während des Russland-Feldzugs habe die Wehrmacht „eine Politik der Vergeltung von äußer- ster Brutalität“ betrieben. Beim geringfügigsten Sabotageakt sei mit dem Anzünden von Häusern und der Erschießung von Bewohnern reagiert worden. Evans sieht im Ostfeldzug eine „Art negativen Tourismus“ und belegt dies mit Briefen einfacher Soldaten und hoher Offiziere, die über den Schmutz und das Elend der Bevölkerung schockiert waren. Aus solcher Sicht habe es keine Rolle gespielt, „wie hart man diese elenden, untermenschlichen Wesen behandelte“. Im dritten Kapitel, „Endlösung“, stellt der Autor heraus, dass Massenmorde und Pogrome in aller Öffentlichkeit stattfanden; Täter und Gaffer berichteten nicht nur darüber, sondern schickten Schnappschüsse von Exekutionen in die Heimat oder zeigten sie Angehörigen und Freunden beim Fronturlaub. Die Ausrottungspolitik begleitete bis in öffentliche Verlautbarungen hinein eine Sprache, „die an Klarheit nichts zu wünschen übrigließ“. Als Beispiel führt Evans die Sportpalast-Rede von Joseph Goebbels vom 18. Februar 1943 an: „Deutschland jedenfalls hat nicht die Absicht, sich dieser jüdischen Bedrohung zu beugen, sondern vielmehr ihr rechtzeitig, wenn nötig unter vollkommener und radikalster Ausrott-, -schaltung des Judentums, entgegenzutreten.“ Mit dem absichtlichen Versprecher – so Evans – „forderte Goebbels seine Zuhörer überall in Deutschland zu einem stillschweigenden Einverständnis nicht nur mit dem Massenmord an den Juden auf, sondern auch mit dem damit verbundenen Umstand, dass hierfür eine beschönigende Sprache gebraucht werden musste“. Die „Neuordnung Europas“ behandelt das vierte Kapitel, hier vor allem Kriegswirtschaft und Einsatz von Fremdarbeitern und KZ-Häftlingen. Das fünfte Kapitel, „Der Anfang vom Ende“, thematisiert die militärischen Rückschlägen und den „Einzug“ des Kriegs in Deutschland durch alliierte Luftangriffe. Die Bomberbekämpfung habe große Ressourcen verschlungen, sowohl bei der Luftabwehr als auch durch Reparatur- und Räumarbeiten. 400 000 bis 500 000 Tote – ganz überwiegend Zivilisten – habe der alliierte Bombenkrieg in Deutschland gefordert, etwas zehn Prozent davon waren ausländische Arbeiter und Kriegsgefangene. Man könne sich auf den Standpunkt stellen, dass der Bombenfeldzug „länger als unbedingt nötig fortgeführt wurde und dass er besonders im letzten Kriegsjahr in einer Weise geführt wurde, die zu wahllos war, als dass sie sich rechtfertigen ließe“. Eine „gewaltige“ Wirkung auf die allgemeine Stimmung an der Heimatfront müsse allerdings zugebilligt werden, zumal die Autorität der Führung des „Dritten Reichs“ mehr und mehr untergraben wurde. Das sechste Kapitel nennt Evans „Deutsche Ethik“. Hier werden unter anderem „Kulturen der Zerstörung“ abgehandelt: Zeitungen, Theater, Film, “ musikalisches Leben“ – darunter der Komponist Richard Strauss, der mit der ständigen Bedrohung des Lebens seiner jüdischen Schwiegertochter Alice und seiner Enkel zu kämpfen hatte, und der Komponist Hans Pfitzner, der für einen Besuch bei Generalgouverneur Hans Frank eigens die sechsminütige „Krakauer Begrüßung“ komponierte und sogar dirigierte -, schließlich grausamste medizinische Versuche. Ungewöhnlich scharf setzt sich Evans mit dem 20. Juli 1944, auch mit den staats- und gesellschaftspolitischen Vorstellungen der Hitler-Gegner, auseinander: „Den Verschwörern war es nicht gelungen, Hitler umzubringen, und sie hatten es auch nicht verhindern können, dass die Nachricht von seinem Überleben aus seinem Hauptquartier der Außenwelt übermittelt wurde. Ihre Vorbereitungen waren achtlos gewesen und hatten den Details allzu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.“ Für den Fall eines gelungenen Attentates schließt Evans die Möglichkeit eines Bürgerkriegs zwischen Wehrmacht und SS nicht aus. Außerdem hätten die Westalliierten gar nicht die Absicht gehabt, mit Deutschland zu verhandeln; einen Separatfrieden hätte es mit Rücksicht auf die Sowjetunion nie gegeben. Immerhin räumt der Brite ein, dass durch eine Beseitigung Hitlers der Krieg um einige Monate verkürzt worden wäre, „was auf allen Seiten Millionen Menschen das Leben gerettet hätte. Schon allein dies war eine mehr als hinreichende Rechtfertigung für das Unternehmen.“ Das siebte Kapitel befasst sich mit dem „Untergang“. Hier erinnert Evans auch daran, dass in den letzten Kriegsmonaten in Deutschland auf den Todesmärschen und in Lagern insgesamt wohl zwischen 200 000 und 350 000 Gefangene aus Konzentrationslagern starben. Und er beschreibt und erklärt eindringlich die Greuel der Roten Armee bei der Eroberung Ostdeutschlands. Evans’ Resümee lautet: „Für die überwältigende Mehrheit der Deutschen brachte der 8. Mai 1945 keine Befreiung, sosehr es auch in der Rückschau diesen Anschein haben mag. Die Niederlage Deutschlands war eindeutig. Die Menschen rangen jetzt darum, sich geistig an die neue Situation anzupassen und sich von der moralischen und seelischen Last des Nationalsozialismus zu befreien.“ In den fünfziger Jahren, als Wiederaufbau und Wohlstand in der Bundesrepublik im Vordergrund standen, habe es eine „selektive Amnesie im Hinblick auf die NS-Vergangenheit“ gegeben. Deutsche Historiker legten später „die lange geleugnete Beteiligung zahlreicher Sektoren der deutschen Bevölkerung an den Verbrechen des Dritten Reiches“ offen, „von den Offizieren und Mannschaften der Wehrmacht bis zu den Ärzten und Naturwissenschaftlern, die in Deutschlands Krankenhäusern und Forschungsinstituten tätig waren“. Den Erträgen deutscher Zeithistoriker weiß sich Evans – wie auch die Fußnoten zeigen – sehr verpflichtet; ohne deren detaillierte Vorarbeiten hätte er seine glänzende Mammutsynthese, der keine eigenen Archivstudien zugrunde liegen, so nicht verfassen können. Das „Dritte Reich“ verliert laut Evans selbst mit großer zeitlicher Distanz nichts von der Kraft, „moralische Debatten anzustacheln“. Es zeigt in „zugespitztester Form die Potentiale und Konsequenzen des menschlichen Hasses und der Destruktivität auf, die, und sei es nur in geringem Umfang, in allen von uns vorhanden sind“. Es demonstriert die Konsequenzen von Rassismus, Militarismus und Autoritarismus: „Es zeigt, wohin es führen kann, wenn manche Menschen als weniger menschlich behandelt werden als andere.“ Und es macht jene Schwierigkeiten bewusst, denen Menschen gegenüberstehen, die „zwischen Mitmachen und Widerstand, zwischen Handeln und Untätigkeit entscheiden“ müssen. Daher werde das „Dritte Reich“ weiterhin „die Aufmerksamkeit denkender Menschen in aller Welt mit Beschlag“ belegen. Rainer Blasius Richard J. Evans: Das Dritte Reich. Band 3: Krieg. Deutsche Verlagsanstalt, München 2009. 1151 S., 49,95 [Euro]. F.A.Z., 19.10.2009, Nr. 242 / Seite 9 Gedämpfte Hoffnung der Alteigentümer-Familien Zum Artikel „Hoffnung der Enteigneten“: Zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer haben sich zahllose Alteigentümer trotz Nichtrestitution ihrer ehemaligen Besitztümer erfolgreich in den neuen Bundesländern engagiert beziehungsweise angesiedelt – die allermeisten durch erheblichen Kapitaleinsatz. Dies zeigt, welche gewaltige Chance auf mittelständisch geprägte Investitionen vertan wurde, als man die Konfiskationen 1945 bis 1949 in der vereinigten Bundesrepublik rechtswidrig aufrechterhielt. Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung behauptete Bundeskanzler Helmut Kohl, die Sowjetunion habe die Nichtrückgabe der 1945 bis 1949 durch die sowjetische Besatzungsmacht konfiszierten Vermögenswerte zur Vorbedingung für die Gewährung der Deutschen Einheit gemacht. Schon vor Jahren hat der frühere sowjetische Präsident Gorbatschow dieser Behauptung widersprochen. Die Regierung Kohl wollte sich Vermögenswerte der Betroffenen aneignen, um damit einen Finanzierungsbeitrag für die Deutsche Einheit zu leisten. Die Alteigentümer-Familien blicken jetzt mit einer Mischung aus Hoffnung und Skepsis auf die neue Bundesregierung. Wird sie nach zwanzig Jahren tatsächlich eine politische Initiative auf den Weg bringen, die an der Enteignungssituation nachhaltig etwas ändert? Es könnte ja noch etwas getan werden: Hunderttausende Hektar an Alteigentum in Staatsbesitz – vor allem Landwirtschaftsflächen – sind noch nicht privatisiert worden und könnten ohne Probleme restituiert werden, wohlgemerkt ohne Eingriff in das Eigentum derjenigen, die nach den Konfiskationen 1945 bis 1949 Flächen erhielten und diese bis heute ihr Eigentum nennen. Das würde gerade im ländlichen Raum zusätzlich dringend benötigte Impulse für nachhaltige Wirtschaft und Wachstum bringen. Unabhängig davon, ob eine politische Initiative zum Erfolg führt oder nicht, sollte sich hoheitliche Energie zukünftig eher auf eine zügige Bearbeitung der Anträge auf Entschädigungs- und Ausgleichsleistungsansprüche richten als auf die überflüssige Nachverfolgung der Einhaltung von teils grotesken Vertragsklauseln in den Verträgen zum Rückerwerb von Flächen. Dr. Jasper zu Putlitz, Berlin F.A.Z., 19.10.2009, Nr. 242 / Seite 9 Stolz und Freude am Gerät Das Bundeswehr-Magazin „Y“ wird moderner und ein bisschen heroisch Endlich mal ein Chefredakteur, der die üblichen größenwahnsinnigen Marketingfloskeln weglässt, denkt man sich, wenn man Jan Marberg, 42, gegenübertritt: „Wir stellen den Lesern alle notwendigen Informationen zur Verfügung, damit sie sich selbst ein Urteil bilden können“. Oder auch: „Wir sind angesiedelt an der Schnittstelle zwischen innerer Führung und politischer Bildung“. Ungewöhnlich für ein Männer- und Lifestylemagazin, die ja zumeist angesiedelt sind an der Schnittstelle zwischen Körbchengröße F und den 1001 PS eines Bugatti Veyron. Spätestens, wenn der kommissarische Chefredakteur des „Y“-Magazins der Bundeswehr so redet, dann weiß man aber, dass man es mit keiner normalen Zeitschrift zu tun hat. Sondern mit einer politischen. Marberg sitzt in der Julius-Leber-Kaserne in Berlin-Wedding. Es ist Mittag, draußen zieht die von „Y“ ins Auge gefasste Zielgruppe, die 18-35-jährigen Soldaten, bereits ins Wochenende. „Y“, benannt nach dem Nummernschild der Bundeswehrfahrzeuge, Auflage 67 000, ist sozusagen das Mitarbeitermagazin der Bundeswehr. 17 Redakteure, einige mit militärischem Rang und in Uniform, darunter drei Wehrpflichtige, stellen „Y“ monatlich her. Mitarbeitermagazine sind dazu da, zu motivieren. Identität zu verleihen. Sie beantworten in modernen Unternehmen die Frage: Wer sind wir? Warum machen wir das? Wo wollen wir hin? Und genau diese Fragen sind es, die in der Bundeswehr umstritten sind. Was unterscheidet so ein Mitarbeitermagazin im Tarnanzug von anderen? Darf man in „Y“ alles schreiben? Marberg: „Natürlich können wir nichts schreiben, was im krassen Gegensatz zur Informationspolitik des Bundesverteidigungsministeriums steht. Auf der anderen Seite: Wir bilden alles ab, was in der Bundeswehr geschieht und gedacht wird. Auch Zweifel am Einsatz. Auch Tod und Verwundung. Wahrhaftigkeit ist unser Kapital bei den Soldaten.“ Die Texte in „Y“ werden zur Prüfung dem Presse- und Informationsstab im Bundesministerium der Verteidigung vorgelegt. „Ich habe allerdings noch nie das Gefühl gehabt, zensiert zu werden“, sagt Marberg. In „Y“ wird tatsächlich auch harte Kritik an Einsätzen geübt. Allerdings nicht von den Autoren, sondern durch Originaltöne befragter Soldaten. „Als wir über den Kongo-Einsatz geschrieben haben, hat schon ein Soldat bei uns gesagt: ,Was woll’n wir hier eigentlich?’“. Aber was nun die Zweifel an Einsätzen und die journalistische Freiheit von „Y“ angeht, die muss man gar nicht direkt ausdrücken. In der September-Ausgabe schreibt zum Beispiel Rolf Tophoven über die undurchdringlichen Terrornetzwerke in Afghanistan („Vereint im Hass“). Der afghanische Stammeskrieger wird hier quasi als unbesiegbarer Superkrieger dargestellt. Wer das gelesen hat, packt jedenfalls nicht freudig seinen Flecktarn-Rucksack, lädt sein G-36-Sturmgewehr durch und zieht singend an den Hindukusch, um dort Deutschlands Sicherheit zu verteidigen. Plumpe Mitarbeitermotivation sähe anders aus. Im Sommer wurde „Y“ von der Medienagentur Kircher-Burkhardt gründlich überarbeitet. Seitdem sieht „Y“, das vorher die Anmutung eines Krankenkassenmagazins hatte und äußerst textlastig war, aus wie eine Mischung aus „GQ“ und „Wired“. Im Ressort „Politik“ wird den Soldaten, sprachlich sehr klar und einfach, Geostrategie erläutert. Mal geht es um die Weltmacht China, mal um den „Provokateur“ Hugo Chávez, im Septemberheft erklären externe Autoren wie die Indienkorrespondentin Britta Petersen und der „Welt“-Autor Ansgar Graw den Soldaten die pakistanische Staatskrise. „,Y’ ist ein Magazin für ein Unternehmen mit hoher Fluktuation“, erklärt Martin Gutheil, Projektleiter für „Y“ bei Kircher-Burkhardt. „Deshalb und weil sich das Leseverhalten der jungen Leute unserer Zielgruppe radikal verändert hat, haben wir das Heft optischer, einfacher und so gestaltet, dass man mit verschiedenem Wissenshintergrund sofort versteht, worum es geht.“ „Y“ hat deshalb viele Grafiken, Erklärkästen und mehr Bilder als Text. Doch eigentlich ist „Y“ ein Technikmagazin. In den Ressorts „Streitkräfte“ und „Technik“ findet „Y“ ganz zu sich. Man hat den Eindruck das etwas, was in der Bundeswehr nicht stattfinden soll, Wörter wie „Heldentum“, „Stolz“ und „Kampfesmut“ etwa, ausgelagert wird in den heroenhaften Umgang mit Technik. Hier kämpfen Männer mit Maschinen – und gewinnen. Hier begegnen einem Männer, die Zehn-Millionen-Euro-Gerätschaften bedienen und stolz darauf sind. Und Spaß daran haben. Hier gestattet „Y“ sich einen Sprachsound, den man sonst im Heft vergeblich sucht. Im Text „Hammer der Division“ zum Beispiel (September-Ausgabe) geht es um das „Mittlere Artilleriesystem“ (Mars). Hier darf der Oberfeldwebel und „Werferführer“ Uwe Leick (28) einfach nur begeistert sein: „Wenn wir eingesetzt werden, hat das die Bedeutung eines Elfmeters in der 90. Minute. Wir müssen treffen. Man feuert ab, und dann kommt der Knall. Die fünf Tonnen Schub beim Start übertragen sich schnell auf meinen Körper. Vergleichbar mit einem Frontalzusammenstoß zweier Pkw. Oder mit dem Lärm von Tausenden Fans, die sich über den Siegtreffer freuen.“ Spätestens hier würde sich bei Christian Ströbele der Magen umdrehen. „Ich weiß nicht, was dagegen spricht, Stolz und auch Freude daran zu empfinden, wenn man komplizierte Geräte kompetent bedienen kann und das auch so darzustellen“, sagt Martin Gutheil dazu. „Ich denke, der Stolz der Mitarbeiter auf ihr Können ist für jedes Unternehmen wichtig. Da unterscheidet sich die Bundeswehr nicht von Bayer oder der Bahn.“ Wahrscheinlich bildet „Y“ etwas sehr Interessantes ab: Die postheroische Republik (Herfried Münkler) ist gerade dabei auszuloten, ob Soldaten nicht vielleicht doch mehr sind als Verwaltungsbeamte in Uniform. Und wie viel Pathos und Heldenverehrung im Umgang mit Soldaten heute möglich ist. „Y“ kann das nicht entscheiden, das ist Aufgabe der Politik. Ach ja, einmal findet das Wort „Held“ doch noch seinen Weg ins Heft. „. . . denn Helden tragen Haix“, steht auf der Rückseite von „Y“. Haix ist die Firma, die das deutsche Afghanistan-Kontingent mit Kampfstiefeln versorgt. Und wenigstens bei Haix ist man der Meinung, dass man deutsche Soldaten durchaus als Helden bezeichnen darf. JOST KAISER Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 18.10.2009, Nr. 42 / Seite 31 Die ungetrösteten Großmütter Die koreanischen Opfer der japanischen Militärbordelle fordern eine Entschuldigung / Von Petra Kolonko SEOUL, im Oktober. Jeden Mittwoch, bei Wind und Wetter kommen die alten Damen vor der Botschaft Japans in Seoul zusammen. Sie sind schwach und gebrechlich, allein die Fahrt ins Zentrum von Seoul ist eine Mühsal für sie, aber sie wollen nicht aufgeben. „Japan muss sich entschuldigen“, rufen sie gegen die hohen Mauern, die das Botschaftsgelände sichern. Die acht alten Koreanerinnen gehören zu den letzten Überlebenden der japanischen Militärbordelle des Zweiten Weltkriegs. „Trost-Frauen“ nannten die japanischen Kolonialherrscher die jungen Frauen und Mädchen, die in die Bordelle des Militärs verschleppt oder mit falschen Versprechungen dorthin gelockt wurden. Die Bezeichnung ist für die Opfer ein Hohn, denn die jahrelange Gefangenschaft, sexuelle Gewalt und ein Leben unter unmenschlichen Bedingungen haben ihre Gesundheit zerstört und sie für das ganze Leben traumatisiert. In Südkorea nennt man die in die Bordelle gezwungenen Frauen heute respektvoll „Halmonis“ – „Großmütter“, obwohl viele von ihnen wegen der gesundheitlichen Schädigungen, die sie erlitten, nie Mutter werden konnten. Seit siebzehn Jahren kämpfen die Großmütter um Gerechtigkeit, jetzt haben sie Hoffnung geschöpft. Japan hat eine neue Regierung, die vielleicht – endlich – eine andere Haltung zu den dunklen Abschnitten der japanischen Geschichte einnimmt als die früheren Regierungen. Die Demokratische Partei des jetzigen japanischen Ministerpräsidenten Hatoyama hat sich in der Opposition zusammen mit anderen Gruppen im Jahr 2000 bemüht, die Frage der „Trost-Frauen“ in das japanische Parlament zu bringen, doch sie scheiterte damals an der Mehrheit der liberaldemokratischen Regierungspartei. „Wir hoffen, dass die neue japanische Regierung der Vergangenheit ins Auge sieht und etwas unternimmt, solange die alten Frauen noch leben“, sagt Yoon Mee-hyong vom „Rat koreanischer Frauen, die von Japan in sexuelle Sklaverei gezwungen wurden“. „Die Zeit läuft uns davon“, sagt die 82 Jahre alte Frau Gil, eine der „Großmütter“, bei der Demonstration vor der japanischen Botschaft in Seoul. „Was nützt eine Entschuldigung, wenn wir nicht mehr leben?“ 64 Jahre nach Kriegsende sind in Südkorea noch 90 der „Großmütter“ am Leben, möglicherweise mehr, doch viele der Frauen haben es aus Scham oder aus anderen Gründen nicht gewagt, sich als Opfer der japanischen Militärbordelle zu erkennen zu geben. Auch die „Großmütter“, die heute um ihre Rechte kämpfen, berichteten erst in den neunziger Jahren, im Zug der Öffnung und Demokratisierung Koreas, öffentlich über ihre Schicksale. Nach Schätzungen von koreanischen Historikern hat die japanische Armee während ihres Eroberungskriegs in Asien mehr als 200 000 Mädchen und Frauen, vor allem aus Korea und China, in die über ganz Asien verbreiteten Militärbordelle in China, Taiwan, den Philippinen, Indonesien, Thailand und Burma gezwungen. Viele der Frauen aus Korea fanden sich in Militärbordellen in China und Südostasien wieder. Insgesamt 2000 solcher „Trost-Stützpunkte“ hat es gegeben. Japan hat sich der Verantwortung dafür lange ganz entzogen. In der Nachkriegszeit bestritt die japanische Regierung, dass staatliche Behörden in den Betrieb der Militärbordelle überhaupt involviert waren. Es hieß, sie seien von privaten Unternehmen unterhalten worden. Erst 1993 gab erstmals ein japanischer Regierungssprecher zu, dass das Militär direkt oder indirekt an dem Betrieb der Bordelle beteiligt war. Zwei Jahre später drückte Ministerpräsident Murayama als erster japanischer Regierungschef ein „tiefes Bedauern“ über Japans Aggression und den Kolonialismus aus und entschuldigte sich besonders bei den „Trost-Frauen“. Murayama ließ einen halboffiziellen „Fonds für Frauen in Asien“ einrichten, der bis zum Jahr 2007 insgesamt 285 Opfern eine Zahlung von zwei Millionen Yen (etwa 15 000 Euro) und medizinische Versorgung zukommen ließ. Der Fonds wurde hauptsächlich aus privaten Spenden bestückt. Weil der Fonds aber nur eine moralische und keine rechtliche Verantwortung übernahm, lehnten nicht wenige der Betroffenen ihn kategorisch ab. Auch viele der koreanischen Großmütter weigerten sich, dieses Geld anzunehmen. „Das wäre ja, als wenn wir im Nachhinein Geld für Prostitution annehmen würden“, sagen sie. Ebenso ging ihnen der Entschuldigungsbrief, unterzeichnet vom japanischen Ministerpräsidenten, der zusammen mit der Entschädigung angeboten wurde, nicht weit genug: Sie wollten nicht die Entschuldigung eines Individuums, sondern die des japanischen Staates. In Japan dagegen ging selbst der halboffizielle Fonds vielen zu weit. Konservative Historiker leugnen noch immer eine Schuld der japanischen Armee; noch im Jahr 2007 bestritt der damalige japanische Ministerpräsident Shinzo Abe, dass die Frauen in die Bordelle gezwungen wurden. Nach lauter Kritik in Japan und im Ausland musste Abe seine Bemerkung zurücknehmen und sich entschuldigen. „Japan muss sich der Vergangenheit stellen“, sagt „Großmutter“ Gil. Die „Großmütter“ fordern eine offizielle Entschuldigung durch das japanische Parlament, Entschädigungszahlungen durch die japanische Regierung und eine Aufnahme der Beschreibung ihrer Leiden in japanische Geschichtsbücher. Die „Großmütter“ fordern auch, dass die südkoreanische Regierung sich stärker für sie einsetzt. Ginge Japan auf die „Trost-Frauen“ zu, könnte das die Beziehungen zwischen Südkorea und Japan verbessern, die noch immer von der Kriegsvergangenheit und der Erinnerung an die japanische Okkupation Koreas belastet sind. Der neue japanische Ministerpräsident Hatoyama ist um gute Beziehungen zu den asiatischen Nachbarn Japans und besonders zu Südkorea bemüht. Zur Genugtuung von Südkorea und China hat er versprochen, dass er den Yasukuni-Schrein nicht besuchen will, der in beiden Ländern als Symbol des japanischen Imperialismus gilt, weil dort auch Kriegsverbrechern aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs gedacht wird. Bei seinem Antrittsbesuch in Südkorea in diesem Monat zeigte sich Hatoyama betont freundlich. Hatoyama sagte in Seoul, dass seine Regierung den Mut habe, die Vergangenheit direkt und korrekt zu betrachten. Er sagte aber auch, dass es Zeit brauchen werde, um die japanische Bevölkerung von diesem Kurs zu überzeugen. Konkreter wurde er nicht. Die „Großmütter“ seien sehr ärgerlich, dass die beiden Ministerpräsidenten nichts über das Thema „Trost-Frauen“ gesagt hätten, sagt Frau Kim Yung-sook, die das „House of sharing“ leitet, ein ländliches Anwesen in der Nähe von Seoul, in dem acht der „Großmütter“ leben und betreut werden. Zu dem Anwesen, das den Frauen von einer buddhistischen Organisation gestiftet wurde, gehört ein Museum, in dem die Leiden der „Großmütter“ und die Geschichte der Militärbordelle dokumentiert werden. Viele japanische Besuchergruppen kommen hierher. Sie haben im Museum Eintragungen und Bilder hinterlassen, in denen sie ihre persönliche Betroffenheit und Scham über das Unrecht ausdrücken, das den Frauen von japanischer Seite geschehen ist. Die „Großmütter“ und ihre Unterstützer hoffen weiterhin auf die neue japanische Regierung. Wenn die japanische Regierung sich entschuldige, könnten die „Großmütter“ Japan verzeihen, sagt Frau Yoon. Die Versöhnung mit den „Trost-Frauen“ wäre eine Voraussetzung für wahren Frieden in Asien. In Korea hofft man, dass Japans neue Regierung bereit ist, sich der Vergangenheit zu stellen. F.A.Z., 20.10.2009, Nr. 243 / Seite 3 Mit Vollgas durch die großen Ideologien Der französische Schriftsteller Pierre Drieu La Rochelle in neuen Editionen „Wir haben gespielt“, notierte er auf einer der letzten Seiten seines Tagebuchs, „ich habe verloren, ich beantrage den Tod.“ Wenig später, am 16. März 1945, nahm sich der französische Schriftsteller Pierre Drieu La Rochelle das Leben. Gespielt hatte er nie, aber verzweifelt eine Alternative gesucht zur bürgerlichen Welt samt ihrer von ihm als faul erachteten Werte und ihrer parlamentarischen Demokratie. Während er in der Zwischenkriegszeit in Romanen wie „Das Irrlicht“, „Gilles“ oder „Verträumte Bourgeoisie“ das dekadente Leben der französischen Oberschicht kritisierte, suchte er sich politisch zu betätigen – und oszillierte dabei zwischen den ideologischen Polen: Mitte der zwanziger Jahre stand er linken Gruppierungen nahe, wenig später dem konservativen „Redressement Français“, zu Beginn der dreißiger dem sozialistischen „Parti radical“. Aber 1936 trat er dem faschistischen „Parti Populaire Français“ von Jacques Doriot bei, und während der deutschen Besetzung Frankreichs engagierte er sich für Vichy. Drieu, der auch in Kreisen des französischen Surrealismus verkehrte und zu dessen Freunden André Malraux, Louis Aragon oder Antoine de Saint-Exupéry gehörten, schrieb seit 1940 für die judenfeindliche Zeitung „Je suis partout“. Nach der Befreiung wurde er als Kollaborateur verfolgt. Diesen Lebensweg machen nun zwei Bücher deutlich (Pierre Drieu La Rochelle: Textes politiques 1919-1945, Présentation de Julien Hervier, Paris 2009, und: Pierre Drieu La Rochelle/Victoria Ocampo: Lettres d’un amour défunt – Correspondance 1929-1944, Paris 2009). Immer wieder erscheint darin Drieu als der bekannte Apologet eines „dritten Weges“: Der amerikanische Kapitalismus, schrieb er im Krisenjahr 1929, „wendet sich gegen den zurückgebliebenen Kapitalismus in Europa, mit all seiner Stärke, mit all seinen Forderungen, mit all seiner Arroganz“. Nicht allein, dass er sich exotischer Märkte bemächtigen wolle oder der kolonialen Besitzungen Europas, mehr noch: Europa wolle er selbst zu einer Kolonie machen und es zwingen, seine Produkte zu kaufen. Gegen diesen „Superkapitalismus“ aus New York stehe der „Supersozialismus“ aus Moskau, genauso materialistisch, genauso bedrohlich. Daher müsse der alte Kontinent seine „vitale, originäre Formel“ finden. Und die bedeute: weder New York noch Moskau, weder Kapitalismus noch Sozialismus. Indes erfährt der Leser auch von weniger geläufigen Momenten im Denken von Drieu. In seinen Schriften huldigte er oft dem bewaffneten Kampf, aber in den zwanziger Jahren sympathisierte er mit der pazifistischen Bewegung. Für ihn war der moderne Krieg nicht mehr „das noble Spiel junger Leute früherer Zeiten“, sondern „der heulende Suizid der menschlichen Rasse“, und er sah 1924 schon seine Entgrenzung kommen: „Schwärme von Flugzeugen drohen Städte zu pulverisieren“, und „man wird Frauen sehen, Kinder und Alte, ganze Familien, zerstückelt, erstickt oder verbrannt in derselben Hölle“. Aber zehn Jahre später, angesichts der innenpolitischen Krisen der Dritten Republik und des Triumphs von Hitler, ist er davon überzeugt, nur ein ebenbürtiges Regime könne Frankreich vor einem wiedererstarkten Deutschland bewahren. Entschieden wendet er sich dem Faschismus zu, da er glaubt, er sei „weniger grausam“ und eher in der Lage, „Freiheiten zu garantieren“, als Stalins Kommunismus. Doch hat der Faschismus von Drieu eine individuelle Note: Obgleich Antisemit, verwahrt er sich gegen die „verworrene Raserei der Rassisten“ und erkennt in Hitlers „Suche nach dem germanischen Blut“ den Widerspruch zu seinen imperialen Ambitionen: „Alle großen Reiche“, heißt es 1934 bei ihm, „tendierten dazu, die Völker zu assimilieren, und nicht, sie auszuschließen.“ Immer wieder fürchtet Drieu, die beiden Blöcke könnten die europäischen Nationen zermalmen. Daher appelliert er, den alten Kontinent mit seinen „nationalen Egoismen“ wirtschaftlich und politisch zu einen, in einer „europäischen Union“, in einem „Genf der Faschismen“. Die Korrespondenz zwischen Drieu und Victoria Ocampo illustriert ihrerseits, dass viele Intellektuelle der dreißiger Jahre die bürgerliche Demokratie an ihr Ende gekommen sahen. Victoria Ocampo, 1890 in Buenos Aires geboren und zeitweise in Paris lebend, war die „schöne Argentinierin“, befreundet mit Coco Chanel, dem Dichter Paul Valéry oder dem Philosophen Hermann von Keyserling. 1929 war sie für kurze Zeit Drieus Geliebte. Trotz tiefer gedanklicher Differenzen blieb sie ihm bis zu seinem Tod verbunden: Als ihr Drieu 1937 während des Spanischen Bürgerkrieges vorwirft, eine „kommunistische Krise“ zu haben und sich für die spanische Republik zu engagieren, antwortet sie: „Weder Faschist noch Kommunist zu sein heißt keineswegs, für nichts zu sein. Eine solche Haltung bedeutet weder fehlenden Mut noch mangelnden Enthusiasmus, sondern genau das Gegenteil: Wir müssen schnell etwas anderes finden, andernfalls stürzen wir alle.“ Die Briefe lassen erkennen, wie sehr Victoria Ocampo von dem erschüttert ist, was Drieu über den Krieg oder über die Frauen denkt. Doch beeindruckt sie dabei auch seine Konsequenz: Der Schriftsteller verachtete zeitlebens Intellektuelle, die dazu aufriefen, Gewalt anzuwenden, aber sie nicht verantworten wollten. Diese Briefe sind also mehr als nur die Zeugnisse einer „gestorbenen Liebe“, sie sind auch beredtes Dokument einer Geistesfreundschaft, die um die Gefährdungen der Epoche wusste und sich auch aus dem Respekt vor Entscheidungen nährte. Bezeichnenderweise riss der Dialog nicht ab, als Drieu in der Besatzungszeit seine antisemitischen Ausfälle verschärfte und Victoria Ocampo jüdischen Emigranten zur Flucht aus Europa verhalf. „Ich ignoriere, was Du wirklich denkst“, schreibt sie im Oktober 1942 an Drieu, „aber ich weiß, dass Du es bist. Allein das zählt.“ Zu diesem Zeitpunkt dauerte es noch ein Jahr, bis Drieu, der Antibourgeois, enttäuscht von Hitlers Politik und schon lebensmüde, den Sieg des Kommunismus wünschte. Michael Böhm F.A.Z., 21.10.2009, Nr. 244 / Seite N4 Eine deutsche Intifada Bilder von zerschnittenem Stacheldraht und disziplinierten Marschierern riefen gespaltene Assoziationen hervor: Wie die israelische Presse den Zerfall der DDR sah. Vorgeprägte Bilder und Erfahrungen spielen bei der Wahrnehmung des Neuen eine wichtige Rolle. Im Abstand von zwanzig Jahren verdienen die Berichte israelischer Journalisten von den Umwälzungen in der DDR, die schließlich zur Vereinigung Deutschlands führten, besonderes Interesse – auch deshalb, weil die im Herbst 1989 bemühten Vergleiche im Rückblick in einem eigentümlichen Licht erscheinen; einige der damals verwendeten Bilder können heute noch Beklemmung hervorrufen, andere erwecken den Eindruck vergilbter Fotos aus einem längst abgelegten Album. Ein Bericht aus Ost-Berlin („Ha-Aretz“, 17. November 1989) beginnt mit Eindrücken von im Stechschritt paradierenden NVA-Soldaten und einem Gespräch mit DDR-Wehrpflichtigen, bevor die bürokratische Bewältigung des Flüchtlingsproblems vom Sommer 1989 zur Sprache kommt: „Im Außenministerium wurde mir bestätigt, was ich gehört hatte: Die Wohnungen der Flüchtlinge wurden beschlagnahmt und an andere weitergegeben. Was sich in den Wohnungen befand, wurde beschlagnahmt . . . – ,Wie können Sie wissen, dass die Leute geflohen sind?’ – ,Das wissen wir’, sagte der Beamte. ,Auch die Nachbarn wissen das und sagen uns Bescheid.’ Die Möbel, die Kleider, die Bücher, die Fernseh- und Haushaltsgeräte kommen in eine große Halle, mindestens für ein Jahr, bis die rechtliche Lage geklärt ist. Alles wird genau aufgeschrieben.“ Fiel dem Deutschen, der auf die bohrenden Fragen eines Juden Auskunft gab, gar nichts auf? Ein ähnliches Bild von Recht und Ordnung zeichnete eine Reportage von Tom Segev („Ha-Aretz“, 24. November), der einen Begriff der nahöstlichen Szenerie auf die Ereignisse übertrug. Dass in Deutschland sogar „eine Intifada“ so diszipliniert über die Bühne gehe, erfüllte den als Historiker berühmten Reporter mit einem leichten Schaudern. Die spektakulären Massenumzüge in Leipzig und Ost-Berlin waren ihm eher suspekt. „Alle fragen sich . . ., wie sie sich so an der Nase herumführen und blenden ließen, wie sie schweigen konnten, als ob sie nicht gewusst hätten, was geschah . . . Bis auf den heutigen Tag haben sie sich nie tiefer mit der Frage befasst, wie es geschehen konnte, dass sie Nazis wurden. Vielleicht gibt es da dieselbe Antwort.“ Die Reibungslosigkeit des revolutionären Ablaufs kam Segev unheimlich vor. „Vielleicht 100 000 Menschen. Die Elbbrücken sind voll. Alle marschieren in einer bewundernswerten Ordnung. In der Mitte liegt ein großer Platz. ,Bitte nicht auf den Rasen treten!’ rufen die Wächter. Niemand trat auf den Rasen.“ So blieb für Segev fraglich, ob man überhaupt von einer Revolution sprechen konnte. War nicht alles mit rechten Dingen zugegangen? „Immer noch gehorchen sie dem Machthaber in ihrem Land, wie sie es immer getan haben. Sein heutiger Name: Michail Gorbatschow.“ Greogor Gysis Chanukka-Leuchter Die in Tel Aviv lehrende Historikerin Shulamit Volkov wurde in einem Interview („Ha-Aretz“, 8. Dezember) zunächst nach Bismarck gefragt. Dann nahm sich die Spezialistin für den deutschen Antisemitismus den metaphysischen Zug im Deutschland-Bild der Israelis vor. Es gebe bei den Deutschen, so ihre These, nichts „immanent Schlechtes“, das erklären könne, was während des „Dritten Reiches“ geschah. Das Volk, das an den Pranger zu stellen man sich angewöhnt habe, sei dasselbe Volk, das heute anfange, für seine Freiheit zu kämpfen. Den abwägenden Erklärungen standen Sensationsmeldungen gegenüber. „Ma’ariv“ brachte am 6. Dezember eine Schlagzeile aus Berlin, die einem die Gänsehaut über den Rücken jagen konnte: „Führender Jude flieht aus Ostdeutschland“. Tags darauf wurde die Meldung von der Abreise des DDR-Devisenbeschaffers Schalck-Golodkowski nach Israel aber dementiert. Entwarnung auch in anderer Hinsicht: In der jüdischen Gemeinde Ost-Berlins tauchte sein Name nicht auf. „Das hätte gerade noch gefehlt“, so die Gemeindeleitung auf Anfrage der Korrespondentin. Aufgeschreckt durch Nachrichten vom wiederentstehenden Antisemitismus im zerfallenden Sowjetreich, fürchtete das Publikum, in der DDR werde Ähnliches zum Vorschein kommen. Entsprechende Hinweise gab „Ma’ariv“ in der Ausgabe vom 12./13. Dezember: Wenn sich hier etwas zusammenbraue, werde möglicherweise die jüdische Abstammung einzelner kommunistischer Funktionäre ins Spiel gebracht werden, wie das schon aus anderen Ostblockländern berichtet worden war. Mit Unbehagen nahm die Öffentlichkeit in Israel zur Kenntnis, was sich an der Spitze der zerfallenden Staatspartei tat. „Ma’ariv“ widmete der Tatsache eine Schlagzeile, dass Gregor Gysi im Dezember seinem Vater, dem ehemaligen DDR-Staatssekretär für Kirchenfragen Klaus Gysi, einen Chanukka-Leuchter schenkte. Gregor Gysi, wurde zum Verständnis der Nachricht mitgeteilt, habe nach seinen Wurzeln gesucht und sich einem Studienkreis der jüdischen Gemeinde angeschlossen. Ob die dort erworbenen Hebräisch-Kenntnisse, so fragte die Zeitung, dem neuen Parteivorsitzenden einmal helfen würden, die zerrütteten Beziehungen Ostdeutschlands mit dem Staat Israel in Ordnung zu bringen? Oder würden den Israelis Nachteile daraus erwachsen, dass sie möglicherweise die falschen Freunde gehabt hatten? Keine Angst vor falschen Freunden hatte jedenfalls der ehemalige Mossadchef Rafi Eitan, der sich in „Ha-Aretz“ zu seinem „Kollegen“ Gysi, dem „Kundschafter“ (die israelischen Zeitungen lieben dieses biblische Wort aus der Kundschaftergeschichte im vierten Buch Mose), bekannte und ihn vor den Nachstellungen der westdeutschen Justiz in Schutz nahm. Der Umstand, dass die Grenzöffnung an einem 9. November erfolgte, erschien vor dem Hintergrund der Geschichte als schlechtes Omen. In einem Interview sprach die deutsch-israelische Publizistin Lea Fleischmann von der Absicht der Deutschen, ihre mit diesem Datum verbundene Schande vergessen zu machen und nachträglich noch den „Endsieg“ zu erringen. Es gab die Angst, dass „die Trompeten, die die Berliner Mauer zum Einsturz brachten, früher oder später auch die Vereinigung Deutschlands verkünden“ würden („Ma’ariv“, 17. November). Was Jerusalem noch bevorsteht Viele Überlebende des Holocaust fürchteten sich vor einem vereinten Deutschland. Einer ihrer Sprecher lenkte den Blick angesichts der enthusiastischen Aufnahme der DDR-Flüchtlinge im Westen auf die tödliche Gleichgültigkeit fünfzig Jahre zuvor. Damals habe sich niemand für die elektrischen Zäune um die Todeslager interessiert. Pessimistisch äußerten sich auch ehemalige deutsche Juden in der Zeitschrift „Ha-Zofe“ am 17. November: „Ein vereinigtes Deutschland als Wirtschafts- und Technologiemacht würde das Schicksal Europas, vielleicht das der Welt bestimmen“, prophezeite Mordechai Breuer, Historiker in Jerusalem mit Frankfurter Wurzeln. „Die Vereinigung Deutschlands kann ich nur mit einem Wort ausdrücken: ein Albtraum.“ Yossi Lapid, Kolumnist der Abendzeitung „Ma’ariv“, schrieb dort in der Ausgabe desselben Datums: „Im Herzen Europas würde ein viertes Reich entstehen, ein Staat von achtzig Millionen reichen, begabten, fleißigen und disziplinierten Deutschen.“ Den aus der europäischen Vergangenheit gespeisten Schreckensbildern standen Kontrastbilder aus der nahöstlichen Gegenwart gegenüber. In „Ha-Aretz“ war am 17. November mit Blick auf den Fall der Berliner Mauer von der „Jerusalemer Erfahrung des Juni 1967″ die Rede. Nach der Gründung des Staates Israel war eine ganze Generation mit dem Wissen aufgewachsen, dass hinter den Grenzanlagen eine verbotene, dafür aber umso ersehntere Wirklichkeit verborgen lag. Nach dem Sechs-Tage-Krieg war die Begegnung mit diesem Anderen auf einmal möglich geworden. Die Araber standen verblüfft vor den Verkehrsampeln des Westens, während die Juden erste Erfahrungen auf den Märkten des arabischen Ostens machten. Die Gewerkschaftszeitung „Davar“, die Mitte der neunziger Jahre eingestellt wurde, veröffentlichte unter der Überschrift „Die Ostmauer“ eine Glosse zu den Berliner Ereignissen vom 9. November und spielte auf den beklagenswerten Zustand an, in den die „ewige Hauptstadt Israels“ durch die Intifada, den Aufstand der Palästinenser in den besetzten Gebieten, geraten war. Zweiundzwanzig Jahre nach der Überwindung ihrer Teilung war die Einheit der Heiligen Stadt längst wieder fraglich geworden. Der Pilgerweg zur Westmauer, der „Klagemauer“ des ehemaligen jüdischen Tempels, war mit Steinen gepflastert, deren sich arabische Jugendliche als Waffe im Kampf gegen die israelischen Besatzer bedienten. In der ehemaligen Hauptstadt des Dritten Reiches wurden die Steine hingegen aus dem Weg geräumt, mitunter sogar gewinnbringend verkauft. Berlin war im Begriff, zu einer Stadt zu werden, in der man – mit den Worten des „Jerusalem-Psalms“ (Psalm 122) – „zusammenkommen soll“. Tom Segevs provokante Rede von der „deutschen Intifada“ lief darauf hinaus, dass die Deutschen gerade jetzt erlebten, was den Bürgern von Jerusalem noch bevorstand. Es war diese Kontrasterfahrung, welche die meisten israelischen Berichte vom deutschen Herbst 1989 in einen Schleier von Traurigkeit hüllte. matthias morgenstern Der Autor lehrt am Institutum Judaicum der Universität Tübingen. F.A.Z., 21.10.2009, Nr. 244 / Seite 33 Überprüfung auf Stasi-Mitarbeit geplant Neu konstituierter Potsdamer Landtag will entsprechendes Gesetz verabschieden mk. BERLIN, 21. Oktober. In Potsdam hat sich am Mittwoch der fünfte Brandenburger Landtag konstituiert. Er wählte den SPD-Abgeordneten Gunter Fritsch zum Präsidenten und die Linkspartei-Abgeordnete Gerlinde Stobrawa zur Vizepräsidentin; beide übten das Amt schon in der vorigen Wahlperiode aus. Den Antrag der Oppositionsfraktionen CDU, FDP und Grüne, die Geschäftsordnung des Landtags zu ändern, um einen zusätzlichen Vizepräsidentenposten für einen Vertreter der Opposition einzurichten, lehnten SPD und Linkspartei mit dem Hinweis ab, dazu müsse die Verfassung geändert werden. Die CDU, die zehn Jahre lang mit der SPD regiert hat, musste daraufhin Spott über ihren „Perspektivwechsel“ als neue Oppositionspartei hinnehmen. Ihre Fraktions- und Landesvorsitzende Johanna Wanka argumentierte, allein in Brandenburg sei für die Opposition kein Vizepräsidentenposten vorgesehen. Bis zum Jahresende will der Landtag ein Gesetz zur Überprüfung seiner Abgeordneten auf Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) vor 1989 verabschieden, entsprechende Anträge von SPD/Linkspartei und der Grünen-Fraktion wurden an den zuständigen Ausschuss überwiesen. Abgelehnt wurde in namentlicher Abstimmung der Antrag der CDU, alle Abgeordneten sollten sich freiwillig bei der Behörde für die Stasi-Unterlagen überprüfen lassen, der Landtagspräsident solle eine Liste der Überprüften veröffentlichen und einen schriftlichen Bericht über die Ergebnisse der Überprüfung vorlegen. Sanktionsmöglichkeiten sind nicht vorgesehen. Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Dieter Dombrowski sagte, er halte inoffizielle Stasi-Mitarbeit für eine „Charakterfrage“, und er glaube nicht, „dass Menschen ihren Charakter verändern“. Im Grünen-Antrag heißt es dagegen: „20 Jahre später kann es nicht darum gehen, ehemalige IM oder hauptamtliche Mitarbeiter des MfS von der Mitarbeit in der gesetzgebenden Körperschaft des Landes auszuschließen.“ Verlangen könne man jedoch, „dass die Tätigkeit für das MfS öffentlich gemacht wird, um eine öffentliche Auseinandersetzung über das Wirken der betreffenden Landtagsabgeordneten und deren eigenen Umgang mit ihrer persönlichen Biographie nach 1989 zu erwirken“. Die Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Kerstin Kaiser, sagte, für ihre Partei sei die Überprüfung „keine formale Frage“, sie bekenne sich zum Erbe der SED und verlange „Aufrichtigkeit und Offenheit des Einzelnen“ gegenüber politischer und historischer Verantwortung. „Wir wollen uns die Debatte selbst nicht ersparen“, sagte Frau Kaiser. Ihre Partei setze sich seit zwanzig Jahren mit den „Fragen der Vergangenheit“ auseinander, ohne damit einen „tagespolitischen Zweck“ zu verfolgen. Ihre Kandidaten seien von den Brandenburger Wählern „in voller Kenntnis“ der Aktenlage gewählt worden. Sie selbst hatte kürzlich ausdrücklich auf den Anspruch auf ein Regierungsamt verzichtet, weil sie als Studentin inoffizielle Stasi-Mitarbeiterin gewesen war, Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hatte gesagt, niemand werde in der neuen Regierung Minister oder Staatssekretär, der inoffiziell fürs MfS gearbeitet hatte. F.A.Z., 22.10.2009, Nr. 245 / Seite 4 Die Anrufung Gottes in der Schule Das Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts zur Klage eines muslimischen Jungen „Am 1. November 2007 betete der Kläger gemeinsam mit einigen Mitschülern, auf ihren Jacken kniend, in der Pause nach der sechsten Unterrichtsstunde etwa 10 Minuten lang in einem Flur des Schulgebäudes, nach seiner Darstellung in einem abgelegenen, nicht ohne weiteres einsehbaren Bereich.“ So fasst die 3. Kammer des Berliner Verwaltungsgerichts den Vorfall zusammen, der zu einem aufsehenerregenden Urteil führte. Jetzt wurde es veröffentlicht (Aktenzeichen 3 A 984.07). Ein Lehrer sah die Schüler beten und informierte die Schulleiterin. Diese sagte den Schülern, das Beten werde auf dem Schulgelände nicht geduldet. Dem Kläger soll sie gesagt haben: „Ihr könnt auch von der Schule fliegen.“ Tags drauf schrieb sie den Eltern und behauptete, „dass an der öffentlichen Schule in Deutschland politische und religiöse Bekundungen nicht erlaubt“ seien, weshalb sie dafür zu sorgen habe, „dass das Neutralitätsgebot des Staates in allen seinen Einrichtungen durchgesetzt wird“. „Religiöse Bekundungen“ gehörten „in den privaten Raum des Menschen oder in Gotteshäuser“. Diese Auffassung wies das Verwaltungsgericht zurück. Das Berliner Schulgesetz regele das Beten in der Schule nicht, daher seien „unmittelbar verfassungsrechtliche Grundsätze heranzuziehen“. Jeder könne sich „auf das Grundrecht der ungestörten Religionsausübung berufen“, denn es sei ein „umfassend zu verstehendes einheitliches Grundrecht“, das sich keineswegs nur auf „die innere Freiheit, zu glauben oder nicht zu glauben“, beziehe, sondern „auch auf die äußere Freiheit, den Glauben zu bekunden“. Ausführlich würdigt das Gericht das Auftreten des muslimischen Schülers als „überzeugend“, seine Erläuterungen als „plausibel“, seine Schilderungen als „glaubhaft“. Sein Wunsch, während der Pause in der Schule sein Mittagsgebet zu verrichten, berühre weder Grundrechte Dritter noch „Gemeinschaftswerte von Verfassungsrang“. Das Gebot weltanschaulicher Neutralität verlange „vom Staat in erster Linie Zurückhaltung bei eigenen Aktivitäten“, keineswegs aber von den Gläubigen. Entgegen der Auffassung der Behörde verpflichte es die Schule nicht, „religiöse Bekundungen von Schülern generell zu unterbinden“. Der Staat müsse alle Religionen gleich behandeln, doch die ihm gebotene Neutralität sei „nicht als eine distanzierende im Sinne einer strikten Trennung von Staat und Kirche, sondern als eine offene und übergreifende, die Glaubensfreiheit für alle Bekenntnisse gleichermaßen fördernde Haltung zu verstehen“. Neutral sei der Staat, um den Bürgern „nichtneutrale, bekenntnisgebundene Optionen zu eröffnen“. Daher seien Schulen „auch in Berlin gerade keine ,religionsfreien Räume’“, stellt das Gericht fest. Das Argument der Schulverwaltung, andere Schüler müssten vor „werbenden Formen der Religionsausübung“ geschützt werden, weist es mit einem Hinweis zurück, Gebet diene nicht der Werbung, sondern der Anrufung Gottes: „Zum friedlichen Zusammenleben in einer bekenntnisfreien Schule gehört es, dass die Schüler lernen, die religiösen Überzeugungen anderer zu tolerieren und zu respektieren.“ MECHTHILD KÜPPER F.A.Z., 22.10.2009, Nr. 245 / Seite 8 Die Lust am Randalieren Die Schanzenfeste in Hamburg enden in Gewalt, doch die „Autonomen“ verlieren an Einfluss / Von Frank Pergande HAMBURG, im Oktober Zweimal hat es in diesem Jahr in Hamburg das Schanzenfest gegeben, am 4. Juli und am 12. September. Beide Feste endeten nachts in massiver Gewalt mit brennenden Barrikaden und Autos, Stein- und Flaschenwürfen gegen Polizisten und einer Antwort der Polizei mit Schlagstöcken und Wasserwerfern. Eigentlich laufen die Schanzenfeste seit Jahren immer gleich ab. Die Organisatoren aus der „Roten Flora“ kündigen ein solches Fest an und betonen, dass es friedlich ablaufen werde. Die „Schanze“ ist ein lebensbejahendes Viertel nördlich des Hamburger Stadtzentrums mit vielen Kneipen und Bars. Die „Rote Flora“ gilt als eine Sehenswürdigkeit dort, ein ehemaliges Musicaltheater, das heute wie eine Ruine aussieht und von den Autonomen als „Kulturzentrum“ genutzt wird. Kaum ist der Termin für das nächste Fest bekannt, wird in Hamburg darüber spekuliert, wie gewalttätig es wohl diesmal ablaufen werde. Es gibt eine regelrechte Erwartung, ja Vorfreude auf Randale. In der Innenbehörde wird derweil über die Strategie des Polizeieinsatzes nachgedacht. Aus anderen Bundesländern wird Bereitschaftspolizei nach Hamburg beordert. Zugleich geht es um die Frage: Soll die Polizei sich abschreckend in ihrer ganzen Macht zeigen und auf jeden Wurf mit einer Plastikflasche sofort reagieren? Oder soll sie sich zurückhalten, damit das Fest ungestört verlaufen kann und niemand sich provoziert fühlt? Das Fest selbst verläuft dann auch regelmäßig friedlich. Eigentlich geht es an der Schanze auch sonst friedlich zu. Es wird nur einmal darüber gestritten, wie viel Platz die Straßencafés auf dem Bürgersteig beanspruchen dürfen, was mit gelben Linien gekennzeichnet wird. Niemand käme dabei auf die Idee, Gewalt anzuwenden. Mit Einbruch der Dunkelheit ändert sich die Szenerie. Das Fest ist eigentlich schon zu Ende, da beginnt die Gewalt. Die Polizei hat regelmäßig Mühe, bis in die Morgenstunden wieder Ruhe herzustellen. Nach jedem Fest erstaunt es, wie viele Polizisten bei den Einsätzen verletzt werden. In den Tagen darauf folgt ebenso regelmäßig eine öffentliche Diskussion bis in die Bürgerschaft hinein über Sinn oder Unsinn des Polizeieinsatzes. Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) muss sich rechtfertigen, egal welche Polizeitaktik angewendet wurde. Der Polizeieinsatz steht mehr im Mittelpunkt als die Motive der „Autonomen“. Wie verquer das Bild ist, zeigte in diesem Jahr der sogenannte Sprecher des Schanzenfestes, als er wie selbstverständlich sagte: „Gewalt als politisches Mittel schließe ich nicht aus.“ Und: „Ohne massive Polizeipräsenz bleibt das Fest friedlich.“ Einige der Randalierer werden nach jedem Schanzenfest vorläufig festgenommen. Einige werden auch vor Gericht gestellt und verurteilt, aber das nimmt die Öffentlichkeit kaum noch wahr. Am letzten Septembertag wurde ein Schweizer, der sich beim Straßenfest am 12. September hervorgetan hatte, zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, das Urteil aber sogleich als Bewährungsstrafe ausgesetzt. Im Sommer hatte die Polizei versucht, durch Präsenz jede Gewaltattacke sofort zu unterbinden. Es kam dann aber regelrecht zu Gewaltexzessen. Die Organisatoren sprachen aus ihrer Sicht von dem „heftigsten Übergriff der Polizei in der 21-jährigen Geschichte des Straßenfestes“. Prompt wurde in der „Roten Flora“ daraufhin beschlossen, noch ein zweites Schanzenfest zu feiern, das im September. Diesmal stand die Polizei sogar vor einer doppelten Herausforderung. Erst gab es eine NPD-Kundgebung im Stadtzentrum, auf die linke Kräfte mit einer Gegendemonstration antworten wollten. Die „Autonomen“ sind bei solchen Demonstrationen immer dabei. Einen Tag später folgte das Schanzenfest. Die Polizei versuchte es diesmal mit Zurückhaltung. Den gewaltbereiten Jugendlichen dauerte es schließlich zu lange. Mitten in der Nacht griffen sie zuerst einzelne Polizisten an, dann eine Polizeistation. Sie warfen mit Brandsätzen und Flaschen, setzten Autos in Brand, schlugen Fensterscheiben ein. Die Organisatoren des Schanzenfestes hatten auch dafür eine Erklärung: „Die Wache ist ein Symbol für das Konzept von Innensenator Ahlhaus, 2300 Polizisten zum Schanzenfest bereitzustellen.“ Jetzt blieb der Polizei gar nichts anderes übrig, als einzugreifen. Fünfzehn und sechzehn Jahre alte Jugendliche waren die Angreifer, die sich ins Schanzenviertel zurückzogen. Die Polizei folgte mit Wasserwerfern. Wieder wurde anschließend die Polizei kritisiert, etwa von der Linkspartei. Diesmal dafür, in das Schanzenviertel „eingedrungen“ zu sein. Der Hamburger Verfassungsschutz kommt bei der Auswertung beider Schanzenfeste nun zu einem interessanten Urteil über die „Autonomen“: „Ausbleibende ,Erfolgsmeldungen’ in einschlägigen Internetauftritten deuten darauf hin, dass die autonomen Antifas mit ihren Aktivitäten unzufrieden sind.“ Nur auf den ersten Blick ist die Einschätzung verwirrend. Es zeigt sich: Jahr für Jahr wächst die Zahl der schwarz vermummten Gewaltbereiten bei den Schanzenfesten, aber auch bei den NPD-Gegenkundgebungen oder seinerzeit im Zusammenhang mit dem G- 8-Treffen. Aber es sind eben nicht mehr nur „Autonome“. Christian Pfeiffer, der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts von Niedersachsen, meint, Hamburg würde inzwischen Gewaltbereite anziehen. „Es sind junge ,Machos’, die die Heldenrolle im Kampf gegen die ,blöden Bullen’ ausleben wollen.“ Solche Leute, sagt Pfeiffer, wollten Ferien machen von ihrer normalen, geordneten Existenz. Für die „Autonomen“ erwächst daraus tatsächlich ein Problem. Sie immerhin finden Gewalt gut aus ihrer linksextremistischen, also politischen Sicht. Politisch zu argumentieren, das kommt den „Spaßrandalierern“, wie der Verfassungsschutz sie nennt, freilich gar nicht erst in den Sinn. Dass es überhaupt nicht um Politik geht, macht indes die Aufgabe für die Polizei nicht leichter – und auch nicht für die Justiz. Es geht um Störer, welche die Auseinandersetzung mit der Polizei suchen und dabei aus einer Menschenmenge heraus handeln und immer bei Dunkelheit. Vom Schanzenfest etwa wurde berichtet, dass einige Besucher den Polizeieinsatz mit dem Handy fotografiert hätten. Einer wurde so zitiert: „Voll geil, ich warte schon die ganze Zeit.“ Der Verfassungsschutz registrierte auch den sogenannten Autonomenkongress in der „Roten Flora“ vom 9. bis 11. Oktober. Dort habe es unterschiedliche Auffassungen über den politischen Anspruch des Schanzenfestes gegeben. Der Verfassungsschutz schließt daraus: „Dass es im Zusammenhang mit der geplanten ,verantwortungsvollen Militanz’ auch zu einer Abkehr von Ausschreitungen nach Straßenfesten kommt, ist allerdings nicht zu erwarten.“ F.A.Z., 22.10.2009, Nr. 245 / Seite 10 Spitzel, Spitzel an der Wand Milan Kunderas Rolle trotz neuen Fundes weiter unklar PRAG, 21. Oktober In der Affäre um die mutmaßliche Denunziation eines Kuriers der tschechischen antikommunistischen Widerstandsbewegung durch Milan Kundera im März 1950 ist ein neues Dokument aufgetaucht. Wie die Prager Tageszeitung „Lidové noviny“ jetzt berichtete, handelt es sich um einen Vortrag des damaligen stellvertretenden Ministers für Nationale Sicherheit, Jaroslav Jerman, der 1952 unter dem Titel „Über die Verteidigung des Landes gegen innere und äußere Feinde“ als Broschüre herausgegeben und für drei Kronen verkauft wurde. Das Heftchen wurde in der tschechischen Nationalbibliothek entdeckt. Vor Studenten eines Lehrgangs für Marxismus-Leninismus in Prag hatte Jerman die Anzeige des „Studenten M. K.“, die zur Verhaftung des antikommunistischen Aktivisten Miroslav Dvorácek führte, als einen Beweis der „guten Zusammenarbeit“ zwischen der Polizei und den Bürgern bei der „Entlarvung unserer Feinde“ hervorgehoben. Während Kundera in dem am 14. März 1950 in einer Polizeiwache in Prag 6 angefertigten Protokoll der Anzeige (Aktenziffer 624/1950-II) mit vollem Namen angeführt wurde, beschränkte sich der daraus zitierende Jerman jedoch auf die Angabe der Initialen. Jermans Vortragstext trägt nichts grundsätzlich Neues zur Klärung der Affäre um den in Frankreich lebenden tschechischen Schriftsteller bei, die vor einem Jahr mit der Veröffentlichung der Anzeige in der Wochenzeitung „Respekt“ begonnen hatte. Er bestätigt aber die Authentizität des Polizeiprotokolls, das einige Freunde Kunderas bisher für eine Fälschung des tschechoslowakischen Staatssicherheitsdienstes StB hielten. Einen endgültigen Beweis der Schuld des damals einundzwanzig Jahre alten Studenten und Vorstehers des Studentenwohnheims, in dem Dvorácek übernachten wollte, stellt sie nicht da, denn es wird sich wohl nie völlig ausschließen lassen, dass sich ein anderer bei der Polizei als Milan Kundera ausgab und die Anzeige in dessen Namen erstattete. KARL-PETER SCHWARZ F.A.Z., 22.10.2009, Nr. 245 / Seite 34 Angriff und Entlastung Die SPD-Medienholding soll auf den Prüfstand Die SPD ist angeschlagen – jetzt will ihr die Konkurrenz den nächsten Hieb versetzen. CDU und FDP planen nach Informationen der „Financial Times Deutschland“, die Medienbeteiligungen der SPD anzugreifen. Über die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft (DDVG) sind die Sozialdemokraten an regionalen Verlagen – etwa der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“, der „Sächsischen Zeitung“ und der „Neuen Westfälischen“ – beteiligt, sowie an Rundfunksendern, Druckereien und Vertriebsgesellschaften. An der „Frankfurter Rundschau“ hält die DDVG einen Minderheitsanteil von 40 Prozent. Obwohl die SPD auf die Redaktionen nach eigenen Angaben keinen Einfluss ausübt, waren die Beteiligungen, die keine andere deutsche Partei in solch nennenswertem Umfang hat, in der Vergangenheit immer wieder der Kritik von CDU und FDP ausgesetzt. Nun wollen die designierten Koalitionsparteien Ernst machen. Im abschließenden Entwurf der Fachpolitiker zum Koalitionsvertrag soll es heißen: „Wir stellen gemeinsam mit den Ländern die wirtschaftlichen Beteiligungen von Parteien an Rundfunksendern, Zeitungsverlagen und anderen meinungsbildenden Medienunternehmen auf den Prüfstand.“ 2007 wurden seitens der Holding 11,4 Millionen Euro an die SPD ausgeschüttet, 2008 musste die DDVG zwar einen Gewinnrückgang von gut zehn Prozent verzeichnen, das Ergebnis nach Steuern lag jedoch bei 15,5 Millionen Euro. Ein wichtiger Geldbringer also, auf den SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks wohl kaum verzichten mag. „In Wirklichkeit verbirgt sich doch hinter diesem Vorhaben der Versuch eines Entlastungsangriffs, die Koalitionäre wollen ablenken von den Großspenden aus Industrie und Finanzwirtschaft, die sie im Gegensatz zu anderen Parteien erhalten“, kontert Barbara Hendricks im Gespräch ,it dieser Zeitung den Vorstoß von CDU und FDP. Das Prinzip der Medienbeteiligungen ihrer Partei hält sie ohnehin für unangreifbar. „Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Urteil vom März 2008 eindeutig festgestellt, dass Parteien Grundrechtsträger sind, somit auch die SPD Pressefreiheit genießt. Klar ist, dass sich Parteien an Rundfunksendern beteiligen dürfen, sofern sie keinen bestimmenden Einfluss ausüben. Ebenso klar ist, dass Parteien Anteile an Printmedien besitzen dürfen. Damit sollte auch die höchstrichterliche Rechtsprechung für die Koalitionsparteien gelten.“ ARNE LEYENBERG F.A.Z., 22.10.2009, Nr. 245 / Seite 37 ______________________________________________________________________ Sudetendeutscher Pressedienst (SdP) Sudetendeutsche Landsmannschaft in Österreich (SLÖ) Wien, am 21. Oktober 2009 Die Flüchtlingstransporte im Mai 1946 aus Österreich Grenzankunft Herkunftsort Zielort rsonen 03.05.1946 Wien-Hütteldorf Schwäbisch Gmünd 1.283 04.05.1946 Kleinmünchen Neckarzimmern 900 04.05.1946 Melk Göppingen 1.228 05.05.1946 Bregenz Backnang 425 05.05.1946 Kleinmünchen Gerlachsheim 944 07.05.1946 Melk Marburg 1.239 07.05.1946 Salzburg Sinsheim 480 09.05.1946 Melk Hanau 654 10.05.1946 Melk Schwäbisch Gmünd 1.342 11.05.1946 Kroisbach Gießen 1.156 11.05.1946 Innsbruck Ulm 466 11.05.1946 Salzburg München-Allach 300 14.05.1946 Salzburg Hanau 260 15.05.1946 Wien Warburg 700 15.05.1946 Melk Heidenheim 1.386 17.05.1946 Wien-Hütteldorf Warburg 655 18.05.1946 Kleinmünchen Marburg 1.174 18.05.1946 Villach Marburg 1.190 19.05.1946 Klagenfurt Warburg 566 21.05.1946 Melk Hockenheim 1.395 22.05.1946 Klagenfurt München-Allach 459 22.05.1946 Klagenfurt Hanau 626 23.05.1946 Villach Warburg 734 24.05.1946 Wien-Hütteldorf Schlüchtern 751 24.05.1946 Wien-Hütteldorf München-Allach 402 25.05.1946 Klagenfurt Warburg 458 25.05.1946 Salzburg Friedberg 273 26.05.1946 Kleinmünchen Bamberg 707 30.05.1946 Kleinmünchen Schwabach 788 31.05.1946 Graz Warburg 589 31.05.1946 Salzburg München-Allach 176 Gesamt-Anzahl 23.706 Quelle: Wilhelm Jun Augsburg/Pohrlitz 2006 w.jun@t-online.de ___________________________________ Anlage: ——- 8seitiger Rundbrief der „Aktion gegen das Vergessen“ Mutige junge Deutsche, die Ihr Herz für Schlesien und das Vaterland täglich neu entdecken!



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