Marceli Reich – eine fragwürdige “MORALISCHE INSTANZ” der BRD?

Nachfolgend eine zusammenstellende Weiterleitung des verstorbenen 
Ritterkreuzträgers Oberleutnant d.R. a.D. Hennecke Kardel (1922-2007),  verbreitet durch die sehr verdienstvollen jungen Deutschen (Kontakt: 
VergesseneV@aol.com) um den ehemaligen Görlitzer Stadtrat Jürgen Hösl  (DSU) zu den Hintergründen einer doch eher fragwürdigen sogenannten  “MORALISCHEN INSTANZ” der bundesrepublikanischen Gesellschaft, die  sich mittlerweile immer weiter von einer Volksgemeinschaft entfernt.  Dies zur freundlichen Kenntnis in einer Gesellschaft der  gleichgeschalteten Medien, der Feigheit und Opportunität, des  Kriechertums, der Zensur, Tatsachen- und Meinungs-Unterdrückung.
H. Kartel
Der Eichmann von Kattowitz
Hauptmann (a. D.?) – Prof.  Dr. Marceli Reich-Ranicki

In den Gebieten, aus denen die deutsche Bevölkerung nach 1945 vertrieben wurde, kam es unter polnischer Verwaltung zur Errichtung von 1255 Konzentrationslagern, in die verbliebene Deutsche eingeliefert wurden.  Dieses ist belegt und gesichert. Einziger Verhaftungsgrund: 
Nationalität oder Sprache deutsch. In den Folterlagern wankten zum 
Skelett abgemagerte deutsche Kinder barfuß und nur mit dünnen Fetzen 
bekleidet im Schnee und bettelten vergeblich um Brot bis sie 
zusammenbrachen, Menschen wurden in Wasserzellen gesteckt oder zu Brei  geschlagen, Greise zu Tode gequält. Warum? Weil sie Deutsche waren. 
Schon nach dem ersten Weltkrieg 1918 gab es solche Lager für Deutsche 
und  Pogrome an Deutschen in den polnisch besetzten deutschen 
Gebieten. Über  all das wird in der Öffentlichkeit geschwiegen. Warum? 
Über das Leid anderer Völker wird doch auch berichtet, siehe die 
Armenier. Gibt es denn 2 Klassen von Opfern?
Polnisches Leid oder jüdisches Leid wird nicht weniger gelten dadurch, 
daß es auch deutsches Leid unschuldiger Menschen gab und dieses auch 
laut gesagt werden darf. Eine wahrhafte Aussöhnung mit Polen und eine 
aufrichtige und endlich auf Dauer friedliche Partnerschaft zwischen 
Polen und Deutschen sind bitter notwendig. Eine echte und stabile 
Partnerschaft ist jedoch nur durch Ehrlichkeit zu erreichen. Wenn 
Polen einmal ein Bedauern über die Verbrechen AN Deutschen ausdrücken  würde, nur annähernd so wie Deutschland unablässig über die Verbrechen  VON Deutschen, wäre ein großer Schritt zur deutsch-polnischen  Freundschaft getan. Ein wesentlicher und eigentlich 
selbstverständlicher Schritt dazu muß die Verurteilung noch lebender 
Folterer und Vergewaltiger sein. Die Verantwortlichen für Verbrechen 
gegen die Menschlichkeit leben noch unter uns und die Archive zur 
Aufarbeitung sind geöffnet.

“Hitler und das deutsche Volk haben den Krieg nicht gewollt. Wir haben auf die verschiedenen Beschwörungen Hitlers um Frieden nicht geantwortet. Nun müssen wir feststellen, daß er recht hatte. An Stelle einer Kooperation Deutschlands, die er uns angeboten hatte, steht die riesige  imperialistische Macht der Sowjets. Ich fühle mich beschämt, jetzt  sehen zu müssen, wie dieselben Ziele, die wir Hitler unterstellt 
haben, unter einem anderen Namen verfolgt werden.”

Sir Hartley Shawcross, der britische Generalankläger in Nürnberg
(vgl. Shawcross “Stalins Schachzüge gegen Deutschland”, Graz, 1963)

Am 1. September 1939 kam es nach vielen heute verschwiegenen 
Provokationen zu einer deutschen begrenzten Polizeiaktion in Polen, 
die sich schnell zum Zweiten Weltkriege verunstaltete. Sowjets 
kämpften mit Deutschen gegen die Polen gemeinsam. Später brachten sie  es auf 30 Millionen Tote gegeneinander.
Italiener fochten auf Seiten der Deutschen und danach gegen diese ? 
wie Rumänen und Finnen auch. Dieser Krieg war ein Krieg der Ideologen,  noch nicht einmal ein Religionskrieg wie einige Hundert Jahre zuvor  der eine oder wie vor Jahrzehnten der Wirtschaftskrieg 1914?18 ein anderer. Wie in letzten  Kriegen üblich, sperrte jeder Kriegführende seine inneren Feinde ein:  in Lager oder in Ghettos. Die Sowjets schafften die Wolga-Deutschen (die “deutsch” als Volkszugehörigkeit in Stalins Pässen hatten) in Arbeits- Vernichtungslager nach Sibirien. Die US-Amerikaner verbrachten die Japaner (deren Abkunft aus  Pässen und Gesichtern erkenntlich war) und auch Deutsche in ihre  berüchtigten Wüsten-Todes-Lager. Und auch die Deutschen sperrten die Juden (die in  Deutschland auf Schweizer Anregung längst vor diesem Zweiten  Weltkriege ein rotes “J” in den Paß gestempelt bekommen hatten) in  Ghettos und Lager.

“Wir sind das trojanische Pferd in der Festung des Feindes”, hatte
Zionisten-Führer Chaim Weizmann Mitte dieses Großen Krieges in New 
York weltweit verlauten lassen: “Tausende in Europa lebende Juden sind 
der Hauptfaktor bei der Vernichtung des Feindes.” Allen diesen 
ergriffenen deutschen, japanischen, jüdischen Feinden des 
kriegführenden Landes erging es in der Internierung schlecht. Die 
Todeszahl war überall so hoch wie die bei kämpfenden Infanteristen an 
den Fronten. Marceli Reich – im folgenden als MARCEL REICH-RANICKI, abgekürzt MRR – ging es nicht gut, aber besser als den nach Sibirien  verschleppten Wolga-, heutigen Kasachstan-Deutschen, besser als den in  abgelegene US-Wüsten-Camps verschleppten Japanern und besser als den  hinter Stacheldraht gesperrten Juden Europas. MRR war nie in einem  Lager. Aus dem Warschauer Ghetto hatte er stets freien Ausgang, dabei  meist das NS-Blatt “Völkischer Beobachter” unter dem Arm. Einen  Judenstern trug er dabei nicht. Es ging ihm also besser, und zwar viel  besser, als deutschen oder sowjetischen Soldaten an der Newa, an der  Wolga oder am Terek. Warum MRR beim Einmarsch der Deutschen von Westen  in Polen 1939 auswich zu den von Osten anrückenden Sowjets und sich  dann von dort in das deutsch-besetzte Gebiet verfügte, das wird sein  Geheimnis bleiben. Er gibt darauf keine Antwort. Die Anfrage des  Berichters an ihn selbst blieb ohne Bescheidung. Kurz nach Hitlers  Abgang 1945 im Bunker der Reichskanzlei entstand nach zweitausend Jahren  der Diaspora ein Judenstaat auf inzwischen palästinensischem Boden ? eine  Folge der Hitlerschen Juden-Politik ganz ohne Zweifel. 
Die Palästinenser  die wirklichen Opfer Hitlers? Aber ja doch! Seit 
1948 haben wir – wie es  Deutsche und Auslandsdeutsche auf der Welt 
gibt – Juden und Auslandsjuden  allüberall. Ein Jude, der sich nach 
seinem Polen die Bundesrepublik Deutschland als Heimat suchte ? und 
nicht den Judenstaat ? ist ein Auslandsjude. Und hier ist er 
begünstigt wie kein anderer Bürger oder Asylsuchender dank eben der 
Hitlerschen Judenpolitik und seinem damaligen Chef-Judenverfolger Hans  Maria Globke, nach dem Krieg Generalsekretär bei Kanzler Adenauer. MRR  ist Auslandsjude. In seinen polnischen Papieren steht ?Nationalität:  Jude?.

Juden in der Bundesrepublik sind “persona grata”, unantastbar – auch wenn sie zwölf Jahre Zuchthaus rechtskräftig auf dem Buckel hatten wie Bubis oder ob sie wie MRR mit der Frage befaßt sind, womit deutsche Bücherregale gefüllt werden sollen. Man stelle sich einen deutschen “Literaturpapst” mit  Gestapo-Vergangenheit in Israel vor – dann weiß man, welches Volk die  größere Selbstachtung hat. Die “Vierte Gewalt” der Medien, die Hofpresse, der  Rundfunk, das Fernsehen, weiß genau: MRR war ein Rad im System der  Völkermörder, eben  ein Schreibtischmörder – mit eigener Hand mordete  er sowenig wie Adolf  Eichmann es tat. Das sind die wahren Halunken - wie Hochhuth es ausdrückt: »und der Schusterjunge, der abdrückte, ist 
dran. «  In dieser Schrift wird berichtet über den “Leiter der 
Operativen Abteilung der polnischen Geheimpolizei UB” in Kattowitz, 
Marceli Reich, wo laut Angaben des Juden John Sack damals 80.000 
deutsche Jugendliche, Frauen, Greise in den  ehemaligen 
Auschwitz-Nebenlagern (noch voll eingerichtet) vernichtet  wurden 
(”Auge um Auge” im Hamburger Kabel-Verlag, 1995).

Einrückende Vergewaltiger, Kollegen des MMR aus dem Osten hatten
zwanzigtausend Frauen im Raume Kattowitz mit Syphilis angesteckt:
?Die Behandlungsmethode war einfach: Kopfschuß?.

?Aus einem Totenland?
Der jüdische  Emigrant und gebürtige Berliner Robert Jungk veröffentlichte im
November 1945, noch bevor die sogenannte ?geregelte? Vertreibung begonnen
hatte, in der Zürcher ?Weltwoche? einen Erlebnisbericht über die Zustände in
den polnisch besetzten deutschen Ostgebieten. Der Bericht trug den Titel ?Aus
einem Totenland?. Wir zitieren auszugsweise:

?Wer die polnische  Zone verlassen hat und in russisch okkupiertes Gebiet
gelang, atmet geradezu auf. Hinter ihm liegen leer geplünderte Städte,
Pestdörfer, Konzentrationslager, öde unbestellte Felder, 
leichenübersäte Straßen, an denen Wegelagerer lauern und Flüchtlingen 
die letzte Habe rauben … Es ist wahr, dass in dem Ort G. auf 
öffentlichem Platze Mädchen, Frauen, Greisinnen von Angehörigen der 
polnischen Miliz vergewaltigt wurden. Es  ist wahr, dass auf dem 
Bahnhof von S. sämtliche Flüchtlingszüge regelmäßig  derart ausgeraubt 
werden, dass die Insassen nackt weiter gegen Westen reisen müssen. Es 
ist wahr, dass in weiten Gebieten Schlesiens kein einziges Kind unter 
einem Jahr mehr am Leben ist, weil sie alle verhungern mußten oder 
erschlagen wurden. Es ist wahr, dass in Oberschlesien die von Syphilis 
angesteckten (vorher vergewaltigten, Anm. Red.) Frauen als 
“Behandlung” einfach einen Kopfschuß erhalten.
Und es ist wahr, dass eine Selbstmordwelle durch das Land geht. In einigen
Orten hat sich ein Zwölftel, in anderen bereits ein Zehntel oder sogar ein
Fünftel der Bevölkerung ums Leben gebracht. Es ist wahr, dass in den 
sogenannten Arbeitslagern C. und S. Insassen nächtelang bis zum Hals 
im eiskalten Wasser stehen müssen und dass man sie bis zur 
Bewußtlosigkeit schlägt.?

MRR meint zu dem Geschehen: ?Was geht denn das die Deutschen an, was 
ich in fremden Diensten getan habe?? Einspruch, Euer Unehren! Aber die 
vereinigten Gewalten in der Bundesrepublik Deutschland verhalten sich 
wie die drei ostasiatischen Affen. Die vierte Gewalt, die Medien sind 
angepaßt wie zu Zeiten des Goebbels. Gelernt ist gelernt. Nach dem 
Bericht von John Sack über die Beteiligung des MRR am 45er Völkermord 
im oberschlesischen Kattowitz ermittelte kein deutscher Staatsanwalt 
von Amts wegen. So läuft das ?an Weisungen gebunden? in Wahrheit. 
Angestoßen mit einer Strafanzeige und gestoßen wurde schließlich der 
Frankfurter Staatsanwalt Galm, der zunächst einmal im August 1995 
zweifelte, ob  Marceli Reich und Marcel Reich-Ranicki überhaupt 
identisch seien.
Diese Identität hatte MRR längst zugegeben. Nach zwei Jahren stufte am 6.3.97
dieser Staatsanwalt Galm das Verfahren gegen MRR wegen Völkermord auf
einfachen ?Mord? herunter. Beugte er damit das Recht, begünstigte und
strafvereitelte er auf diese Art im Amt? ?Der Tatzeitraum konnte auf 
den  05.02. ? 25.03.1945 eingegrenzt werden … die Mordtaten sind 
nach deutschem Recht nach Ablauf des 24.03.1965 verjährt.? Heilige 
Schwarze Madonna von Tschenstochau ? in meinem Strafgesetzbuch ist auf 
Seite 73 als  einziges in rot gedruckt: ?Die Verbrechen Völkermord und 
Mord verjähren  nicht.? Zu diesem Staatsanwalt Galm verspricht der 
damalige Hessische Justizminister, er werde das Verfahren an sich 
ziehen. Auch ein sehr abhängiger Landesminister weiß: In manchen 
Fällen ist bei Gleichbehandlung der Hammer ?Antisemitismus? schnell 
zur Hand. Und den fürchtet er wie der Teufel das Weihwasser. Wo es um 
Völkermord an Serben und Kroaten, an Bosniern geht im abgeflauten 
Balkan-Krieg, da schlägt die bundesdeutsche Justiz zu, wenn sie denn 
einen der Völkermörder in Deutschland einfängt. Recht so! Wenn es sich 
um 80.000 zu Tode gequälte Deutsche in Oberschlesien handelt, dann 
jedoch macht die Justiz die beschriebene Pause. ? Wäre MRR Serbe oder 
Kroate, dann verbrächte er seine letzten zehn Jahre hinter deutschen 
Gittern.

Der ehemalige Berliner  Wiedergutmachungsrichter Dietrich Schmiedel ? Enkel
eines kaiserlichen, Sohn eines ?Führer ?-Richters ? bekennt im Buche 
?Rechts-Staat? (Marva/Genf 1977): ?Auf unseren Betriebsausflügen 
sangen wir
Wiedergutmacher in die Landschaft: »Wir machen alles wieder gut, nur 
immer  Mut, nur immer Mut. «? Der Bundespräsident a.D. Herzog ? noch 
ein Jurist ?  tönt zur Heine-Feier Ende 1997: ?Schriftsteller dienen 
ihrem Land mit  ätzender Kritik. Wir brauchen Widerspruch. Nie ist der 
sperrige Individualist wichtiger
gewesen als heute.? ? Trauen wir diesem Frieden nicht. Da wird 
geheuchelt. Denn gleichzeitig haben die an Weisungen gebundenen 
Staatsanwälte den Paragraphen 90a von der ?Verunglimpfung des Staates? 
und den besonders gern verwandten Paragraphen 130 ?Volksverhetzung.? 
Und diese beiden Paragraphen werden genutzt, daß die Schwarte kracht, 
daß die Knäste überquellen. Der Berichter kann ein Lied davon singen, 
brach er bisher doch einige Tabus. Er war NKWD-Häftling und floh. Er 
war Häftling der polnischen UB-Geheimpolizei des MRR und floh.

MRR in Diensten der Nationalsozialisten und der Sowjets

?Eine zusammenhängende Darstellung dieses so erstaunlichen wie
faszinierenden Lebenslaufs fehlt bisher?, meinen Volker Hage und 
Mathias  Schreiber in ihrem Buche ?Marcel Reich-Ranicki? (Kiepenheuer 
& Witsch  1995) über den Aussteiger, der da am 21. Juli 1958 auf dem 
Hauptbahnhof Frankfurt am Main den aus Polen eingetroffenen Zug 
verläßt. Der an den beiden Grenzen vorgezeigte Paß wies aus ?geboren 
am 2. Juni 1920 in Slocawik? (einer polnischen Kleinstadt an der 
Weichsel) als Sohn des David Reich. Um ihm seine berufliche Zukunft 
nach dem geschäftlichen Ruin seines Vaters offen halten zu können, 
schickten ihn die Eltern zu den wohlhabenden Verwandten nach Berlin, 
darunter ein Patentanwalt und ein Zahnarzt. Ab 1929 lebte 
Reich-Ranicki in Berlin und besuchte in Berlin-Wilmersdorf das 
Fichte-Gymnasium.

Trotz vieler nationalsozialistisch orientierter Lehrer galt am 
Fichte-Gymnasium noch einige Zeit das Gebot der Gleichbehandlung der 
jüdischen Schüler, so konnte er 1937 sein Abitur machen. Doch schon 
seinen Antrag auf Einschreibung an der Berliner 
Friedrich-Wilhelms-Universität lehnte man am 23. April 1938 angeblich 
wegen seiner jüdischen Herkunft ab. Ende 1938 wurde er nach Polen 
ausgewiesen. Am 29. Oktober und am 7. November 1938 erfolgte nach 
kurzer Abschiebehaft die Polenaktion. Unter Polenaktion versteht man 
die Ausweisung von etwa 17.000 jüdischen polnischen Staatsbürgern aus 
Deutschland Ende Oktober 1938. Im September 1938 verabschiedete die 
polnische Regierung ein Dekret, in dem alle Polen im Ausland 
aufgefordert worden waren, in kurzer Zeit ihre polnische 
Staatsangehörigkeit zu bestätigen. Viele der polnischen Juden im 
Deutschen Reich taten dies nicht und Ihnen sollte damit zum 1. 
November die Staatsbürgerschaft entzogen werden. Reinhard Heydrich, 
damals Chef des Reichssicherheitshauptamtes nutzte diese Situation 
aus. Er ließ 17.000  polnische Juden verhaften und in Eisenbahnwaggons 
an die deutschpolnische  Grenze schaffen.
Dort wurden sie von den polnischen Grenzern mit  Waffengewalt 
ferngehalten, da sich die polnische Regierung mit der Integration 
weiterer Juden in das
Staatsgebilde überfordert sah. Zusätzlich befürchtete sie, dass sich unter den
Vertriebenen auch politisch gefährliche oder zumindest unerwünschte Personen
befänden. So wurden diese Menschen unter unhygienischen Bedingungen 
zunächst an der Grenze in Baracken untergebracht, in der Hoffnung, 
dass die deutsche Regierung ihre Entscheidung revidieren würde. Es kam 
zu Krankheiten und Todesfällen, woraufhin die Öffentlichkeit im 
Ausland gegen das Vorgehen der polnischen und deutschen Regierungen 
protestierte. Marcel Reich-Ranicki wurde von dieser Maßnahme 
betroffen. Eine weitere Schlüsselfigur für die deutsche Judenpolitik 
befand sich ebenfalls bei den Deportierten. Der hannoversche 
Schneidermeister Grünspan. In Paris hörte der 17jährige Herschel 
Grynszpan vom Martyrium seines Vaters. Er streckte daraufhin den 3. 
Sekretär der deutschen Botschaft Ernst Eduard vom Rath nieder. Joseph 
Goebbels nutzte diese Situation. Obwohl von Rath eigentlich einen 
nicht allzu wichtigen Posten in der Botschaft bekleidete, hetzte der 
Propagandaminister am 9. November 1938 während der Rede im 
Bürgerbräu-Keller auf und löste damit die Novemberpogrome 1938 aus.

MRR fuhr nach Überwindung einiger Probleme mit der Bahn nach Warschau, 
wo er niemanden kannte, die polnische Sprache mußte er wieder erlernen 
und blieb
dort ein Jahr arbeitslos. Am 1. September 1939 begann die deutsche 
Polizeiaktion in Polen nachdem die Polnische Armee bereits am 30. 
August die
Generalmobilisierung ausrief und anfing Volksdeutsche in Lager zu 
sperren. Im November 1940 wurde auch Reich-Ranicki zur Umsiedlung in 
das Warschauer Ghetto gezwungen. Sein sofortiger Job im Warschauer 
Judenrat des Ghettos war wohl einer der wichtigsten dort: 
Chefdolmetscher im Verkehr mit den deutschen Besatzern. ?Das Ghetto zu 
verlassen, war für mich nicht schwer”, berichtete MRR vierzig Jahre 
danach in der ZDF-Fernsehreihe ?Zeugen des Jahrhunderts.? Mit dem 
NS-Parteiblatt ?Völkischer Beobachter? unterm Arm wandelt er auf 
Warschaus Pracht-Alleen, von keinem behindert. Einen gelben Stern 
brauchte er nicht zu tragen.
Im  Ghetto heiratete er Teofila Langnas, vom gleichen Jahrgang 1920, die
Hochzeitsfeier war mittelprächtig gewesen. Außer ?Chef-Dolmetscher? war MRR
Musikkritiker der Ghetto-Zeitungen. Gespielt wurden dort im Kriege Haydn,
Mozart, Beethoven, Schubert, Dvorak und Tschaikowski. Alles war 
hervorragend und entsprechend waren seine Lobeshymnen: Wie waren die  
Besatzer doch nur um Kultur bemüht. Die anderen im Ghetto Darbenden  
bereiteten ihren Aufstand von 1943 vor, den dann herangekarrte  
Hilfswillige Letten und Ukrainer im reichlich fließenden Judenblute 
erstickten. Marceli und Teofila verdufteten rechtzeitig, ihre Riecher 
waren gut gewesen. Beide wurden Untermieter bei einem Buchdrucker 
ostwärts der 1944 beim späteren Aufstand der Polen flach gebombten und 
zerschossenen Hauptstadt des Volkes mit der Hymne ?noch ist Polen 
nicht  verloren.?
?Meine Frau?, bekennt MRR im bei Kiepenheuer & Witsch erschienenen Buche, ?
hat mit falschen, sogenannten arischen Papieren gearbeitet.? Zu den in den
Wäldern lagernden jüdischen Partisanen oder zu der ringsherum kämpfenden
polnischen Heimat- Armee schlugen sie sich nicht. Die Zimmer waren 
warm beim Drucker, die Verpflegung war ausreichend auf dem Lande. 
Teofila setzte sich abends ans Klavier, ?um ein Stück von Beethoven 
oder Chopin zu spielen.? Marceli übersetzte die Goebbels-Zeitung ?Das 
Reich? ins polnische. ?Darin ließ sich,? entschuldigte er sich später, 
?noch am ehesten verfolgen, wie der Krieg
verläuft.? Goebbels ? der war demnach ein Wahrheitssucher. Auch auf diese Art
läßt sich Widerstand leisten. Vor dem Wechsel in dieses traute Heim war vom
Ehepaar in die Kasse des Warschauer Judenrats gegriffen worden. Es gab
Komplizen und MRR bekennt: ?Meine Frau und ich haben für die Mithilfe 
einen Betrag bekommen.? ?Das genügt?, sagt da gemeinhin ein 
Staatsanwalt. Jedenfalls reichte das bis zum Herankommen der Roten 
Armee aus den Weiten des Ostens. Das Gestohlene stammte von den 
500.000 einsitzenden armen Juden ? aus deren Spenden und Steuern. Was 
war nun die Aufgabe des ?Judenrates? gewesen, aus dessen Spitze sich 
MRR nebst Ehefrau abgesetzt hatte?

Der Berichter kann nur erzählen von einer Begegnung mit dem Wilnaer Judenrat
kurz nach Kriegsende. Die heutige litauische Hauptstadt, durch die
Geschichte von Polen und Juden beherrscht, kann vieles  mitteilen. 
Nach Ausheilung dreier ziemlich gleichzeitiger Verwundungen in einem 
Lazarett der Roten Armee nahm mich Gefangenen das NKWD-Zuchthaus  
Wilna 195/I am Fuße des Kalvarienbergs unfreundlich auf. Hinter den 
fünf Meter hohen Mauern floß die breite Wilja. Bei den Verhören gingen 
die beiden vorderen Schneidezähne flöten. Solschenizyn behauptet in 
seinem ?Gulag?, er habe in seinen sibirischen Jahren keinen 
menschlichen NKWDisten getroffen. Mich fragte damals ein Oberleutnant 
dieser Spezialtruppe, den wir wegen seiner Mütze stets im Genick 
?Sturm? nannten, nach meinem Befinden als Gefangener. Als Akademiker 
war er deutsch- und französischsprachig. ?Plocho?, sagte ich 
wahrheitsgemäß auf russisch, ?beschissen wäre geprahlt. Nicht mal mehr 
einen Schluck Wodka kann man zur Brust nehmen.? ?Sturm? zeigte mir ein 
durch einen losen Stein verdecktes Loch in der Mauer des Riesenbaus 
aus Zarenzeiten ? ?le trou dans le mur?. Immer wenn er seine 
kreisrunde Mütze lüftete, wußte ich, daß da eine »butelka« auf mich 
wartete. ?Spasibo, towarisch.?

Wir wurden eingeteilt, verhört, verhört am Tage und verhört nachts bei
Scheinwerferlicht. Wer war am Partisanenkrieg beteiligt gewesen, wer hatte
sowjetische Kühe getötet, wer hatte Russen als Spitzel angeworben und 
wie  hießen diese? Französische Freiwillige, die auf deutscher Seite 
gekämpft  hatten, kamen hinter unsere Mauern. Dann tauchten als 
?Verräter? die Tschechen auf, die in Wahrheit als Sudetendeutsche in 
der Wehrmacht Dienst getan hatten. Und plötzlich hatten wir an die 
zweihundert Juden im schwarzen Kaftan mit wallenden Bärten, mit 
Ringellocken und allem Drum und Dran unter uns. Im Gegensatz zu uns 
anderen wurden sie nicht kahl geschoren. ?Was wirft man denn euch 
vor?? frug ich den Ältesten, einen Gewaltigen mit schlohweißen Haaren. 
?Sunnele (Söhnchen),? antwortete der, ?weil wir sain am Leben 
geblieben.? ?Töten lassen, um nicht getötet zu werden? ? diese 
Selektionsregel hatten sie also befolgt, wie auch MRR im Warschauer 
Ghetto sie hatte ertragen müssen. Mein towarisch “Sturm?, zuvor 
Frontoffizier der Roten Armee, der nach einer Verwundung immer noch 
lahmte, kam des öfteren nach Einschluß des Abends in meine 
Ein-Mann-Zelle (ich galt als fluchtverdächtig). Mein Ritterkreuz hatte 
ihn beeindruckt. In den Sümpfen südlich des Ladoga- Sees hatten wir 
uns 1942 gegenüber gelegen. So klärte er die Besonderheit dieser 
Kaftan-Juden eines Nachts: ?Das ist der Judenrat von Wilna mit seiner 
Judenpolizei. Die bestimmten, wer in die Lager geschafft wurde. Sie 
stellten die Listen zusammen, sie prügelten in die Waggons. Sie selbst 
blieben im Ghetto, bis wir es im  Sommer 1944 befreiten. Und jetzt? 
Sibirien für diese Kollaborateure der  SS!? Diese jüdisch-deutsche 
Zusammenarbeit im Zweiten Weltkriege ? da ist noch ein Tabu zu 
brechen. Vom Wilnaer Judenrat hat später keiner mehr etwas gehört, sie 
blieben nur kurz, wurden schnell verurteilt und gingen ab Richtung 
Osten. Der Anfang 1943 aus dem Warschauer Judenrat davongekommene MRR 
tauchte 1944 beim Einmarsch der Roten Armee und bei Bildung der 
sowjetisch gesteuerten Roten Gegenregierung in Lublin aus seiner 
Halbversenkung auf, wurde mit Gespür Mitglied der neugebildeten 
polnischen Kommunistischen Partei. Das alte Landserwort geht umher: 
?Ich weiß nichts, ich kann nichts, gebt mir eine Uniform.? Den MRR, 
der nie gedient hatte, steckten sie ohne Umstände in die Uniform eines 
Offiziers der polnischen Geheimpolizei UB. Recht bald war er 
?Kapitan?, also  Hauptmann. ?Kleidung und Nahrung?, bekennt er bei 
Hage und Schreiber, ?waren gesichert.? Ein wenig in Widerspruch steht 
das zu späteren  Bekundungen: ?Ich trug damals keine Uniform.? Ab 
jetzt wird zensiert. Als  erstes wurde MRR Leiter der Militärischen 
Postzensur: Wer von den Soldaten  der sowjetisch kommandierten 
polnischen Armee Verbindung zur regulären polnischen Exil-Regierung in 
London hielt, der landete bei den  Kriegsgerichten ? bis hin zur 
Erschießung. Auch hier tötete MRR nicht selbst aber seine Hinweise aus 
den zensierten Briefen an die Vorgesetzten führten zum Tod.

Im Jahre 1997 erhob der amtierende Bundespräsident Roman Herzog den 27.
Januar zum Holocaust-Gedenktag. Ein Jahr darauf gedenken die Zeitungen
pflichtgemäß. An jenem fernen Tage wurden 1945 die Gefangenen aus 
Auschwitz befreit. Das oberschlesische  Kattowitz mit damaligen 
Außen-Arbeits-Lagern ist einen Morgenspaziergang entfernt. Das 
Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht vermerkt am gleichen 
27. Januar unter ?Heeresgruppe Mitte? dieses: ?Weitere Verschärfung 
der Lage in Oberschlesien. Panzer stießen nach Kattowitz vor.?
Sowjetische Einheiten rollten weiter, zügig ins Reich hinein. In  Kattowitz
setzte sich die polnische Etappe fest. In den noch rauchenden Trümmern der
Kohle-Hauptstadt taucht mit der dritten Welle MRR auf, nunmehr Leiter der ?
Operativen Abteilung? der berüchtigten UB (offiziell: Amt für 
Staatssicherheit in Polen). Diese Geheimpolizei räumt die Nebenlager 
und ? füllt sie wieder. Wer
von den Deutschen in diesem Gebiet etwas zu befürchten hatte, wer in 
der NSDAP oder nur in der SA gewesen war, der ist längst über alle 
Berge der ?Oberschlesischen Platte? ab in Richtung Westen. Die 
kriegstauglichen oberschlesischen Männer sind weit fort, verteidigen 
mit der Wehrmacht irgendwo an der Weichsel, am Rhein  oder in 
Oberitalien das Reich. Die Zahl der zurückgebliebenen ?Schuldigen? 
liegt laut John Sack bei 0,8 Prozent ? ?auf der Strecke blieben 
unschuldige 99,2 %.? Die ?Truppe? des MRR greift sich die Alten und 
die Jungen, die Frauen und die Mädchen, treibt sie in die 
freigeräumten Lager und ? tötet sie dort. Der oberschlesische 
Kohlenpott ? so wichtig für das heutige Polen wie der Ruhrpott für 
Deutschland ? soll ?deutschenfrei? werden. John Sack meint in seinem 
Buche ?Auge um Auge?, das Motiv dieses Völkermords sei ?Rache für 
Auschwitz durch Juden? gewesen. Da greift wohl das eine in das andere.
Polnische Chauvinisten und jüdische Rächer hatten gleiches im Sinne:
Staats-Terror, Vertreibung durch Mord. Die Täter, die John Sack nennt, 
waren Juden. Neben Marceli Reich erscheinen auf John Sacks Liste: 
David Feuerstein, Jadzia Sapirstein, Schlomo Morel. Autor Sack 
schreibt auf Seite 297: ?Barek
Eisenstein schätzte, daß 90 Prozent der jüdischen Mitarbeiter des
Staatssicherheitsdienstes sich polnische Namen zulegten.? Aus Marceli 
Reich wurde Marcel Reich-Ranicki. Namenswandlungen scheinen der 
Familie Reich gut zu tun, sein Sohn Andrzej Reich lebt heute unter dem 
Namen Andrew Ranicki, also unter dem Agentennamen seines Vaters in 
England und ist dort Professor der  Mathematik. Weiter wird aus dieser 
Seite 297 zitiert: ?Adam »Krawecki«  schätzte den Anteil der Juden auf 
70 bis 80 Prozent … Josef Musial, 1990  stellvertretender 
Justizminister in Polen, sagte: »Ich rede nicht gern  darüber«, aber 
in ganz Polen seien die meisten Offiziere des  
Staatssicherheitsdienstes Juden gewesen.? Der oberste polnische  
Geheimdienstler, der Chef vom Ganzen, saß in Warschau und war
der aus  Moskau eingeschleuste ?General? Jakob Berman, der nirgends einen
Militärdienst geleistet hatte. Die Angaben stammen vom Juden John Sack, der
sehr genau und durch sieben Jahre geforscht hat. Im übrigen sind die wichtigen
Geheimdienste auf diesem Erdball seit langem durchweg in der Spitze 
von Juden besetzt. Als bester ?Dienst? ist der israelische Mossad 
unumstritten.
Alexander Solschenizyn beschreibt in seinem ?Gulag? die Anfänge der 
GPU, späteren NKWD, er nennt die Chefs, sämtlich Juden: Matwej Berman 
(Vater des eben erwähnten zum Polen gewordenen Jakob Berman), Lasar 
Kogan, Genrich Jagoda und nicht zuletzt den Naftalij Frenkel, einen 
türkischen Juden aus Konstantinopel, der mit allem Geschäfte machte, 
auch mit Sklaven. Mit ihm schließt Solschenizyn ein Kapitel: ?Frenkel 
starb in Moskau im Range eines Generalleutnants, alt und geehrt. Mich 
dünkt, er hat unser Land gehaßt.?

Hitlers Geheimdienst-Chefs waren der Admiral Canaris, griechisch-jüdischer
Abstammung, und der SS-General Heydrich, dessen Vater noch als Süß 
geboren wurde, dessen Großmutter eine Sarah gewesen war (Reichsführer 
SS Heinrich Himmler dazu: ?Heydrich hat den Juden in sich überwunden? 
und Reichsmarschall Göring haute in die Kerbe: ?Wer Jude ist, bestimme 
ich.?). Vergessen wir an dieser Stelle nicht den aus Moskau gekommenen 
Geheimdienst-Chef der Ex-DDR, einen Markus Wolf. Das weithin 
ungeliebte, ja gehaßte Buch des John Sack kam ganz schwer in die Hufe 
? zumindest in Deutschland. Mit seiner deutschen Übersetzung des in 
New York ungehindert und erfolgreich vertriebenen Werkes hat es 
erschreckendes erlebt in einem Staate, der sich immer wieder rühmt: 
?Zensur fände nicht statt.? Mit Blick auf den Erfolg in den USA schloß 
der nicht unbekannte Münchener Piper-Verlag mit John Sack einen 
Vertrag und ? brach ihn. Als deren Bücher zu Tausenden hergestellt, 
bereits in Folien eingeschweißt waren, da gab vom Verlage am 8.2.95 
eine Sigrid Bubolz-Friesenhahn diese ?Information? heraus: ?Der 
PiperVerlag hat sich entschlossen, das Buch »Auge um Auge ? Opfer des 
Holocaust« von John Sack nicht auszuliefern.? Die Pressereferentin 
beruft sich dabei auf Wünsche des Autors. Das liegt weit daneben. Sack 
suchte nämlich erneut einen deutschen Partner und er fand in Hamburg 
den Kabel-Verlag. Zu diesem Stamme gehört die beliebte 
Volksschauspielerin Heidi Kabel und auch sie gilt allgemein als 
unerschrocken. Im endlich bei Kabel erschienenen Buche dankt John Sack 
?der Leserin und dem Leser, weil Sie sich nicht von Rezensionen haben 
abschrecken lassen, die Sie aufforderten: »Tun Sie mir einen Gefallen, 
lesen Sie dieses Buch nicht. « … Ich hoffe, daß Sie trotz allen 
Krawalls festgestellt haben, daß keiner, weder Jude noch Deutscher, 
noch Pole, der 1945 dabei war, je eine Aussage in dem Buch und in den 
Anmerkungen geleugnet hat.? Auch MRR, ob nun Jude oder Pole oder  
Deutscher, leugnete bis zur Stunde nichts davon. Piper jedenfalls  
makulierte. Früher war es Feuer, heute schafft das Zerstörungswerk der 
moderne Reißwolf. Über die Hintermänner der sogenannten Selbst-Zensur 
brauchen wir hier nicht weiter zu rätseln. ?Um zu wissen, wie der 
Ozean schmeckt, muß man ihn nicht austrinken.? Einige Schlückchen 
genügen. So greifen wir ziemlich wahllos in das ?Auge um Auge? und aus 
392 Seiten heraus, wie der unter Beteiligung von MRR organisierte 
Völkermord im Jahre 1945 im abgelegenen deutsch-polnisch-tschechischen 
Grenzland ablief ? vor der Welt verborgen. In Dresden, Nagasaki und 
Hiroshima fand Völkermord, der noch heute Thema ist, auffälliger 
statt. Hier sind die Schlückchen aus dem Ozean, einige Zitate aus 
?Auge um Auge?:

?Eines Tages tauchte ein Deutscher in pechschwarzen Hosen, der Farbe der SS,
in Lolas Gefängnis auf. Ein Pole hatte ihn in der Nähe des Marktplatzes
entdeckt und gerufen: »Faschist. Du trägst Schwarz!«, woraufhin der Deutsche
davongerannt war, doch der Pole hatte ihn anderthalb Kilometer, bis zur
Peter-und-Pauls-Kirche, verfolgt. Vor einem Goldmosaik stellte er ihn, 
schlug ihn, trat ihn und schleppte ihn in Lolas Gefängnis. Mehrere 
Wächterinnen
beschlagnahmten das belastende Beweismaterial, die schwarze Hose: so 
gewalttätig rissen sie ihm das Kleidungsstück vom Leib, daß er von der 
Prozedur einen Sehnenriß davontrug. Der Mann schrie, doch die Frauen 
befahlen ihm zu schweigen. Sie erkannten nicht, daß die Hose zu einer 
Pfadfinderuniform gehörte und der “Mann« vierzehn Jahre alt war. Sie 
beschlossen, ihn zu foltern. Mittlerweile unterhielt das Amt für 
Staatssicherheit 227 Gefängnisse für Deutsche, und jedes hatte seine 
eigenen, charakteristischen Methoden. Der Junge wurde schließlich in 
eine  Anstalt für Geisteskranke eingeliefert. Er kam nie wieder 
heraus.? ?Die Schreiber tippten Formbriefe auf der Maschine, in die 
nur noch der Name des jeweiligen Toten eingesetzt werden mußte, und 
die Aufseher stapelten die Leichen. Die ausgezehrten Körper verbargen 
sie unter Altpapier oder Kartoffelschalen und fuhren sie zum Friedhof, 
wo der Totengräber die  gierigen Katzen verscheuchte und die Leichen 
bei Nacht in eine Grube  warf.? ?Manchmal vergaßen sie den Unterschied 
zwischen körperlicher Züchtigung und Todesstrafe: dann ergriffen sie 
einen Deutschen an Armen und Beinen und stießen ihn mit dem Kopf gegen 
die Wand wie einen Rammbock. Man zerschlug die so geschätzten 
Holzstühle an den Deutschen. Jeden Morgen wurden die Toten in die 
Leichenhalle gekarrt, die zerbrochenen Stühle erhielt der Tischler, 
der Leimstäbe erhitzte und vor sich hinmurmelte: »Jesus, Maria und 
Josef! Noch mehr Stühle.«? ?Sie sperrten die Deutschen in einen 
Hundezwinger und schlugen sie, wenn sie nicht bellten. Sie zwangen 
sie, sich untereinander zu prügeln, sich gegenseitig ins Kreuz zu 
springen, die Nasen einzuschlagen, und wenn einer zu sanft boxte, 
sagten die Wachen: »Ich zeig? dir, wie?s geht«, und schlugen zu ? 
einmal so hart, daß sie einem Deutschen das Glasauge ausschlugen. Sie 
vergewaltigten die deutschen Frauen ? eine Dreizehnjährige wurde davon 
schwanger ? und richteten ihre Hunde so ab, daß sie auf das Kommando 
(sic!) den Männern  die Geschlechtsteile abbissen. Aber es waren immer 
noch dreitausend übrig.? ?Czeslaw pflegte Kehlen zu zertrampeln. 
Einmal befahl er einem Deutschen, auf einen Baum zu klettern und zu 
rufen: »Ich bin ein Affe!«,  woraufhin er seinen Revolver zog und den 
Deutschen erschoß. Der  Stellvertreter erschoß die Deutschen 
ebenfalls, manchmal fiel ihm etwas Neues ein: er fragte einen 
Deutschen: »Weißt du, wie ich heiße!« ? »Nein, Herr Vizekommandant.« 
»Ignaz!« rief der Stellvertreter und zog dem Mann den Säbel über den 
Kopf. Ein andermal legte er Feuer in einer Baracke und schrie 
»Sabotage!«, und als die deutschen Frauen Sand zusammenscharrten, mit 
ihren Röcken in die Baracke trugen und auf die wild lodernden Flammen 
warfen, stieß er die schreienden Frauen ins Feuer. Einer der Aufseher 
kam auf die Idee, einen Deutschen an seinem Bart in einen Schraubstock 
einzuspannen; nachdem er ihn gut befestigt hatte, zündete er den Mann 
an.
Jeden Tag erhielt Czeslaw eine Liste mit den Namen der Ermordeten und 
jeden Tag fragte er: »Warum so wenig?«. Nach einer Weile waren fast 
alle tot.?

?Die Aufseher zwangen Frauen, Urin und Blut zu trinken und menschliche
Scheiße zu fressen. Sie steckten einer Frau einen ölgetränkten 
Fünfmarkschein in die Vagina und zündeten ihn an.? Den Rest besorgten 
Hunger und Hungertyphus.
Große Gruben füllten sich mit skelettartigen Leichen. Am 17. Oktober 1945
ordnete der Staatspräsident Polens die Ausweisung der überlebenden 
Deutschen an. Die Kirchenglocken läuteten. Als nach einem Jahrzehnt 
aus dem Großraum Kattowitz einiges durchsickerte, lebte der polnische 
Antisemitismus wieder auf.
UB-Chef Berman fiel in Ungnade und Sack berichtet von einem Besuch in 
Warschau: ?Zwölf Jahre lang  hatte Jakob Berman den 
Staatssicherheitsdienst geleitet, hatte in Warschau Lachs und Hummer 
gespeist und Bärenbraten in Moskau. Dann wurde er gefeuert, aus der 
Partei ausgeschlossen und aus der Allgemeinen Enzyklopädie gestrichen. 
Diese Serie von Schicksalsschlägen führte Jakob auf den polnischen 
Antisemitismus zurück, als er im Jahr 1983 ? nun in  einem alten 
grauen Pullover ? mit einer polnischen Schriftstellerin  zusammensaß, 
Tee trank und anmutig eine israelische Orange zerteilte. »Die  
polnische Gesellschaft«, sagte Jakob und führte die Tasse an die 
Lippen,  »ist sehr antisemitisch.«? Vor in den 60ern ermittelnden 
polnischen Staatsanwälten flohen Täter nach Israel. Wurde auch dem MRR 
der Boden zu heiß und setzte er sich deshalb ab nach Westdeutschland, 
wo er zunächst bei der Hamburger ?Zeit?, später in Frankfurt am Main 
bei der ?FAZ? günstige Aufnahme fand?

Bei Hinweisen auf die Geheimdiensttätigkeit des MRR gab der Bänkelsänger
Wolf Biermann seinen Senf dazu und dieses zum besten: ?Die Vorwürfe gegen
Reich-Ranicki sind stinkende Eier und faule Tomaten.? Und dann verlor 
MRR seinen Freund, der  sich von ihm hintergangen fühlte, Wolf 
Biermann der ihn zunächst vehement verteidigte und seine Apologie dann 
kurz darauf widerrief: Er sei ?in eine Freundschaftsfalle getappt. 
Marcel Reich- Ranicki hat mich gefoppt. Der in Frankfurt am Main 
zuständige Staatsanwalt Galm verteilte die Strafanzeige des Berichters 
gegen MRR wegen des von Sack beschriebenen Völkermords freigebig an 
andere ? als gäbe es keinen Datenschutz. Das darf als Aufruf zu einer 
Hatz genommen werden. Hier ist die bemerkenswerte Antwort des  
Hessischen Datenschutzbeauftragten vom 16.8.96 zum Vorgang: ?Eingriffe 
in  das Datenschutzrecht sind zulässig, wenn sie im Interesse des 
Allgemeinwohls zwingend erforderlich sind. Bis normenklare Regelungen 
kommen, werde ich bei jedem Einzelfall eine Abwägung treffen, ob ich 
die Verfahrensweise als Datenschutzverstoß einstufe. Ein solcher 
Ermessensspielraum steht mir zu.? Dem Präsidenten des Hessischen 
Landtages ist bei diesem ?Spielraum? nicht so recht wohl. Er antwortet 
am 21.1.97: ?Im Ergebnis war die Mitteilung rechtlich nicht korrekt 
und ist zu bedauern.? Da hat der Bürger ? wie stets bei Juristen ? zum 
Aussuchen. Außer dem ?Bedauern? ist weder dem Staatsanwalt Galm noch 
dem Hessischen Datenschutzbeauftragten das geringste geschehen. 
Bekanntlich wäscht nach  Bert Brecht eine Krähe der anderen die Hand. 
?Eine Überarbeitung?, stellt der Präsident Möller vom Hessischen 
Landtag abwiegelnd in Aussicht, ?um zu normenklaren Regelungen zu 
kommen, steht an.? Ein vages Versprechen für  das nächste Jahrtausend: 
?normenklare Regelungen? besitzen wir im  ?Einzelfall? MRR
wohlweislich nicht. Dafür haben wir Gummi und regierungsamtlich 
erlaubte ?zulässige Eingriffe im Interesse des Allgemeinwohls.? Diesem 
?Allgemeinwohl? hilft der Staatsanwalt Galm immer  wieder auf die 
lahmen Beine mit einem ?fehlenden Anfangsverdacht?. Dies erklärt auch 
die Nichtanhörung von sieben angebotenen Zeugen mit oberschlesischen 
Namen, die 1945 entweder selbst im Raum Kattowitz einsaßen oder dort 
ihre Angehörigen verloren. Auch MRR, dieses Hätschelkind von ?Zeit?, 
?FAZ? und nicht zuletzt ?Spiegel? ist in den Jahren des in Frankfurt 
am Main sich schleppenden Völkermord-Verfahrens selbst nie gehört 
worden. Krysztof Starzynski ? ein alter Unteragent des MRR ? schreibt: 
?Welche Befehle Reich-Ranicki als »Leiter einer Operationsabteilung« 
des Geheimdienstes im Frühjahr 1945 in Katowice  ausführte, liegt bis 
heute im dunkeln. Er selbst hüllt sich in Schweigen.?  Bericht 
?Hamburger Abendblatt? vom 13. Juni 1994. Titel ?Warschauer Zeitung 
belastet den Kritiker?: ?Paczkowski hatte 1990 Zugang zu den Akten des 
Innenministeriums. Nach Meinung des Historikers Jerzy Holcer, der 
ebenfalls Akten im Archiv des Ministeriums eingesehen hatte, scheint 
das Material authentisch zu sein. Nach dem jetzt veröffentlichten 
Dokument ist Reich-Ranicki am 25. Oktober 1944 als Zensor in den 
Dienst eingetreten, hat vom 5. Februar bis 25. März 1945 als Chef 
einer »Operationsgruppe« in Kattowitz gearbeitet.? Auch Helga Hirsch 
von der ?Zeit? hat Einblick in  dieses Archiv genommen, Fotokopieren 
wurde ihr nicht gestattet. Dem Peter Fischer vom ?Ostpreußenblatt? gab 
sie Gründe für ihr späteres Schweigen an. Marcel Reich-Ranicki ist der 
Literaturpapst der heutigen Deutschen. Wer wirft auf einen Papst den 
ersten Stein? Der ?wahre Stellvertreter Gottes auf Erden? stand 
während des Zweiten Weltkrieges bei Hitlers Juden-Politik ?Schulter an 
Schulter? mit dem deutschen  Vatikan-Botschafter, einem 
SS-Brigadeführer Ernst von Weizsäcker (dem  Vater von Richard). Der 
vormalige ?Stellvertreter Gottes?, ein Paul II., dreht sich mit der 
Welt zur Siegermacht ? im Herbste 1997: ?Das Volk Israels ist das Volk 
Gottes, es ist das auserwählte Volk. Das ist ein übernatürliches 
Faktum!? ? So was an Rassismus! Da hält es der Berichter, der 
fünfundzwanzig Jahre im Vorderen Orient mit den zur Edelrasse  
Erhobenen lebte, mit dem Juden Heinrich Heine: ?Die Juden, wenn sie 
gut,  sind sie besser, wenn sie schlecht, sind sie schlimmer.?

War es  die Aufgabe des ?UB-Leiters der Operativen Abteilung?, MRR, im
Kriegsjahr  1945 in Kattowitz, tagsüber Karten zu spielen und abends 
Puschkin zu lesen? Oder war der umtriebige Mann nicht vielmehr damit 
beschäftigt,  tagsüber die Menschen-Vernichtungs-Lager einzurichten 
und sie nachts mit den
auszurottenden Deutschen aufzufüllen? Was auch immer, MRR schoß nach  
diesen Kattowitzgeschehnissen leuchtend hoch im sowjetisch-polnischen  
Himmel wie ein Sputnik.
Aus dem Londoner Nebel strahlte er mörderisch auf  die in der britischen
Hauptstadt immer noch tätige polnische  Exil-Regierung. In seinem Buche ?
Doppel-Agent zwischen Diensten,  Diplomaten und Dementis? meint der 
zum Westen übergelaufene MRR-Unteragent  Krysstof Starzynski: ?Marceli 
Reich ist nach der Erfüllung seiner Aufgaben  als Leiter der 
Operationsabteilung in Kattowitz ungewöhnlich schnell in  der 
Geheimdiensthierarchie aufgestiegen?. Nichts ist erfolgreicher als der 
  Erfolg und 80.000 ermordete Deutsche galten scheinbar als Erfolg.
Die Zeitung ?Welt? berichtete am 12.08.2002:

?Kennt die Psyche des Agenten?
Die  polnische Geheimdienst-Karriere Marcel Reich-Ranickis
im Spiegel seiner Personalakte
Von Gerhard Gnauck

Von 1944 bis 1950 hat Marcel  Reich-Ranicki für das Ministerium für
öffentliche Sicherheit gearbeitet.  Das berichtet der 
Literaturkritiker in seiner Autobiographie. Als erste  Zeitung erhielt 
die WELT Einsicht in seine Personalakte.

Warschau  ? Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki war nach dem Zweiten
Weltkrieg im kommunistischen Regime in Polen eine wichtigere Figur als
bislang bekannt. Das geht aus der Personalakte des Ministeriums für  
Öffentliche Sicherheit (MBP) hervor, dessen Mitarbeiter Reich-Ranicki 
Ende  1944 mit 24 Jahren wurde und mit kurzer Unterbrechung bis zum 
28. Januar  1950 war. Sie liegt unter der Nummer IPN 0193/896 im 
polnischen ?Institut  des Nationalen Gedenkens (IPN)? in Warschau, der 
polnischen Entsprechung  der Gauck-Behörde. Die WELT erhielt als erste 
Zeitung Einsicht in das  bisher verschlossene Dossier, das jetzt im 
?Lesesaal für offene Akten? des  Instituts an der Warschauer 
Towarowa-Straße ?zu wissenschaftlichen und  publizistischen Zwecken? 
eingesehen werden kann.

Demnach muß Reich-Ranicki die geheimpolizeiliche Arbeit  für das neue Regime
geradezu mit Leidenschaft betrieben haben und ein  hervorragender
Agentenführer gewesen sein. In mehreren ?Charakteristika?  loben 
verschiedene Vorgesetzte über mehrere Jahre hinweg Intelligenz und  
Eifer: Er sei ?gut in der operativen Arbeit, vernarrt in den  
Geheimdienst?, er ?kennt die Psyche des Agenten?, auch sei er der  
Volksrepublik ?ergeben, politisch zuverlässig, bewährt?.
Seine Karriere  gebe ?Anlaß zu großen Hoffnungen?. Bescheinigt werden 
ihm auch ?große  gesellschaftliche Kontakte in Parteikreisen?. 
Allerdings werden in
manchen  Bewertungen die Eigenschaften Arroganz und Opportunismus sowie  ?
intelligenzlerhafte Manieren? getadelt. In der Mehrheit sind die  Bewertungen
eindeutig positiv. Den gelegentlich fast euphorischen Ton  bezeichnen 
polnische
Historiker als ungewöhnlich: Gerade in der  Staatssicherheit hätten 
Vorgesetzte
stets äußerst zurückhaltend  formuliert, um sich gegen künftige Konkurrenten,
aber auch gegen mögliche ?Fehlentwicklungen? des Beurteilten 
abzusichern. Die jetzt freigegebene Akte umfaßt 109 Blatt, zum Teil 
beidseitig beschrieben,
darunter  Reich-Ranickis Aufnahmegesuch vom 25. 10. 1944, 
Verpflichtungs- und Schweigeerklärungen, handschriftlich verfaßte 
Lebensläufe, detaillierte
Personalfragebögen, Anträge der Vorgesetzten auf Beförderung, drei 
Fotos  und einige private Briefe. Im Dienst des Ministeriums brachte 
es  Reich-Ranicki schnell zum Rang eines Hauptmanns. Er erhielt drei  
Auszeichnungen, eine davon, das Silberne Verdienstkreuz, mit der 
summarischen Begründung ?für herausragende Verdienste, Tapferkeit im 
Kampf mit Diversionsbanden und musterhaften Dienst?, wie es in der 
Begründung heißt. Ein internes MBP-Personalhandbuch, das nach der 
Wende in Polen nachgedruckt wurde, nennt ihn unter den wichtigsten 
1100 Mitarbeitern.
Regensburger Bistumsblatt ?  Nachrichten Aktuell,
Seite 12 vom 25. Januar 2000 / Nr. 5
Auch  Millionen Deutsche mußten Zwangsarbeit leisten

Auch Millionen  deutsche Zivilisten haben nach dem Zweiten Weltkrieg
jahrelang Zwangsarbeit leisten müssen. Nahezu eine Million von Ihnen 
wurden mit oder nach dem Ende des Krieges 1945 zur Zwangsarbeit in die 
Sowjetunion unter unmenschlichen Bedingungen verschleppt, darunter 
auch Kinder. Rund 500.000 deutsche Zivilisten aus den Oder-Neiße- 
Gebieten (Nieder- und Oberschlesien, Hinterpommern, Ostbrandenburg, 
Posen, West- und Ostpreußen) und Polen, 30.000 Sudetendeutsche und 
160.000 deutsche Zivilisten aus Südosteuropa wurden 1945 aus ihrer 
Heimat zur Zwangsarbeit in die UdSSR deportiert, um dort für Jahre 
ausgebeutet zu werden. Allein auf den Transporten nach Rußland starben 
bereits zehn Prozent der Deportationsopfer an Mißhandlungen, Hunger 
und Kälte. Aber der Transport war erst die Vorhölle. Fast die Hälfte 
der sogenannten Reparationsverschleppten starb in den Lagern. Über die 
entmenschlichten Zustände in den Kolyma-Lagern, die zu den schlimmsten 
der Sowjetunion zählten, berichtete eine deutsche Jüdin entsetzt und 
fragend über das Schicksal junger Frauen: ?Warum brachen die 
sowjetischen Offiziere, die die Siebzehnjährigen verhörten, den 
Mädchen die Schlüsselbeine und traten ihnen die Rippen mit ihren 
schweren Militärstiefeln ein? Das Leben der Frauen in Kolyma war 
unglücklich, aber kurz.?
Nicht nur in die Sowjetunion wurden Deutsche als Zwangsarbeiter und
Zwangsarbeiterinnen deportiert. Auch in Polen, der Tschechoslowakei 
und Jugoslawien gab es Zwangsarbeits- und Vernichtungslager für 
Millionen von Deutschen. Bis zu ihrer Ausweisung  durch diese Länder 
wurden praktisch alle Deutschen dort zur Zwangsarbeit  herangezogen, 
auch außerhalb von Lagern. In Polen und den polnisch  besetzten 
Gebieten gab es in 1.255 Lagern mehr Tote als bei den 
Vertreibungstransporten. Allein im Lager Lamsdorf/ Oberschlesien 
starben von 8.000 Insassen 6.048. Auch in anderen oberschlesischen  
Zwangsarbeitslagern herrschte unbeschreibliche Grausamkeit. 
Planmäßiges  Erschießen von arbeitsunfähigen Alten und Kranken gehörte 
in verschiedenen  Lagern zum Tagesgeschäft.

Massensterben in ausländischen  Vernichtungslagern

In der Tschechoslowakei wurden nach dem  Krieg 2.061 Arbeits-, Straf- und
Internierungslager unterhalten. Die  Grausamkeiten in diesen Lagern waren
unbeschreiblich. Allein im Lager  Mährisch Ostrau wurden bereits bis 
Anfang Juli 1945 350 Insassen zu Tode  gefoltert. Die Methoden 
reichten von Totprügeln bis zur chinesischen Art,  nach der sich eine 
Ratte langsam in den Bauch des
Gefolterten frißt. Es  spricht für sich, daß Überlebende dieser 
Monsterlager über Nacht weiße  Haare bekamen und andere geisteskrank 
wurden. Die Zustände in den jugoslawischen Lagern waren eher noch 
schlimmer. Der Suchdienst des  Deutschen Roten Kreuzes hat für diesen 
Raum 1.562 Lager und Gefängnisse  ermittelt. Im Mai 1945 waren 
praktisch alle bis dahin noch lebenden  Jugoslawiendeutsche in Lagern 
interniert und mußten Zwangsarbeit  verrichten. Man unterschied 
offiziell Zentralarbeitslager, Ostlager und  Konzentrationslager für 
Arbeitsunfähige.
Die letzten wurden inoffiziell  auch End- oder Vernichtungslager genannt.
Allein im größten Lager dieser  Art, Rudolfsgnad, sind von 33.000 
Menschen nach den geretteten  Aufzeichnungen eines Lagerarztes 9.503 
Deutsche verstorben, davon 8.012  Erwachsene und 491 Kinder unter 14 
Jahren. Namen wie Gakowo, Jarek oder  Rudolfsgnad im damaligen 
Jugoslawien, Potulitz, Lamsdorf oder Schwientochlowitz in den 
deutschen Ostgebieten unter polnischer Herrschaft  oder Theresienstadt 
und Olmütz-Hodolan in der CSR stehen für viele andere 
Zwangsarbeitslager in diesen Bereichen. All das geschah in einem 
Zeitraum,  als im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozeß gegen 
Nazigrößen Todesurteile auch wegen Deportationen und Zwangsarbeit 
ausgesprochen  wurden. Schicksale durch Zwangsarbeit und Lagerqual 
lassen sich mit Geld,  in welcher Höhe auch immer, nicht aufwiegen.
Was not tut, ist die  Erkenntnis über diese Verbrechen durch die Staaten, in
denen das  Ungeheuerliche geschah. Was not tut, ist zudem die Aburteilung der
noch  lebenden Verantwortlichen. Hier herrscht tiefes Schweigen in bezug auf
die  deutschen Opfer.

Das Dossier ist eine Personalakte, die  die Tätigkeit und Eignung des
Mitarbeiters Reich-Ranicki bilanziert.  Einzelne ?operative Vorgänge? 
enthält sie daher ebenso wenig wie den  Decknamen ?Albin?, unter dem 
er nach eigenen
Angaben geführt wurde, den er  aber, wie Reich-Ranicki sagt, nie 
benutzt hat. Über die frühe Zeit, in der  er in der ?Kriegszensur? 
(Postzensur) tätig war, die dem MBP unterstand,  erfahren wir wenig, 
ebenso über seinen Einsatz im
oberschlesischen  Kattowitz. Laut MBP-Handbuch war er dort vom 5. 2. 
bis 25. 3. 1945 Leiter  einer ?Operationsgruppe?, die die Strukturen 
des Bezirksamts der
Staatssicherheit aufbauen sollte. Danach war er, wiederum bei der Zensur,  in
Warschau tätig. Nach Auskunft eines handschriftlich verfaßten  
Lebenslaufs leitete Reich-Ranicki dort zeitweise kommissarisch die  
Abteilung für die Zensur der gesamten Auslandspost. Offenbar aufgrund  
eines Zerwürfnisses mit der Chefin der Zensurbehörde, Wierblowska, bat 
er  schriftlich um Versetzung und wurde im Auftrag des Amtes, das die  
Rückführung von geraubten Industrie- und Kulturgütern aus Deutschland 
nach  Polen betrieb, an die polnische Militärmission in Berlin 
entsandt (Januar  bis April 1946). Nach seiner Rückkehr machte 
Reich-Ranicki weiter im MBP  Karriere. In der Abteilung 
Nachrichtendienst wurde er binnen weniger  Monate dreimal befördert 
und war schließlich Leiter des Großbritannien-Referats und zugleich 
kommissarisch stellvertretender Chef der II. (?operativen?) Abteilung, 
die neben Großbritannien für Deutschland, Nordamerika und die Hälfte 
der übrigen Welt zuständig war. Anfang 1948 wurde er unter dem 
polnisch klingenden Namen Ranicki in doppelter Mission nach London 
geschickt, wo er bis November 1949 blieb. Er  war ausgeliehen an das 
polnische Außenministerium und in London offiziell  Vize-Konsul, dann 
Konsul und zeitweise Leiter des Generalkonsulats, inoffiziell 
Agentenführer. London war damals aus Warschauer Sicht der brisanteste 
diplomatische Posten: Die Emigrantenszene um die nichtkommunistische 
polnische Exilregierung sollte bespitzelt und infiltriert werden, 
zugleich sollten möglichst viele Emigranten zur  Rückkehr nach Polen 
bewegt werden.

Das Generalkonsulat hat laut eigenen Berichten, die heute im Archiv des
Außenministeriums in Warschau liegen, im zweiten Quartal 1949 gerade 
einmal 75 Pässe ausgestellt. Die Zahl erteilter Visa wird für ein 
früheres Quartal (1947)
mit 90 angegeben. Doch die Emigranten, um die es ging, hatten ohnehin
polnische Pässe: Mit ihrer Rückführung war der Konsul, wie er in einem 
Bericht an Warschau schrieb, ?in Zusammenarbeit mit dem Militärattaché 
und den Behörden im Heimatland? im Detail befaßt. Auch die 
nichtkonsularischen Aufgaben haben in den Akten Spuren hinterlassen: 
In einem seiner Briefe an die Zentrale berichtet Konsul Ranicki am 12. 
August 1948 von ?Elementen? unter den Emigranten, die einer 
?verbrecherischen politischen Tätigkeit? nachgingen.  Einer der dem 
Konsul persönlich zugewiesenen Aufgabenbereiche waren nach einem 
anderen Dokument ausdrücklich die Angelegenheiten der Exilpolen. Unter 
seiner Leitung wurde eine Kartei mit Informationen über mehr als 2000 
Emigranten geführt.
Nach den Angaben auf dem Laufzettel der Akte haben auch nach Reich- 
Ranickis Ausreise nach Deutschland 1958 Mitarbeiter der 
Staatssicherheit immer wieder die Akte angefordert. Zu der 1977 
beantragten Vernichtung der Akte kam es jedoch aus unbekannten Gründen 
nicht. Die MBP-Akte schildert auch detailliert, wie Reich-Ranicki Ende 
1949 für einige Zeit in Ungnade fiel; als
Verdachtsmomente genannt (oder  vorgeschoben) werden in der Akte immer 
wieder seine ?unklare Rolle im Ghetto? ? er war bis 1943 Mitarbeiter 
der Ghetto-Verwaltung gewesen – und die Erteilung eines polnischen 
Visums an seinen angeblich ?trotzkistischen? Schwager in London. Im 
Januar 1950 wurde Reich-Ranicki  aus Partei und Ministerium 
ausgeschlossen. Daraufhin erbat und forderte  er, wie aus seiner 
inzwischen im Warschauer ?Archiv für neue Akten?  ebenfalls 
zugänglichen Parteiakte hervorgeht, mehrfach seine  Wiederaufnahme. 
Laut Akte wurde er 1957 abermals in die Partei  aufgenommen; den Brief 
habe er nie erhalten, sagt Reich-Ranicki.

Aus der Personalakte

Auf dem ?Fragebogen für  Mitarbeiter des Ressorts für Öffentliche Sicherheit?
macht Marcel  Reich-Ranicki unter anderem folgende Angaben zur Person: 
?Beruf:  Büroangestellter; Besitzstand: keiner; Volkszugehörigkeit: 
polnisch;
Konfession: mosaisch; Staatsbürgerschaft: polnisch; Ausbildung: 
Abitur,  Gymnasium in Berlin; Fremdsprachenkenntnisse: Deutsch, 
Englisch,  Französisch; Familienstand: verheiratet; Name und Vorname 
der Frau: Teofila Langnas?. Auf die Frage nach dem Wohnort der Eltern, 
antwortet er: ?leben nicht mehr?.

Vor London war Berlin. Hier hatten die Sieger des Zweiten Weltkrieges ?
darunter die Polen, mit denen alles losgegangen war ? Kontroll- und
Militärmissionen häuslich eingerichtet. Der Nie-Soldat MRR diente bei 
der Polnischen Militärmission, schnupperte zur Vorbereitung auf London 
die Berliner Luft, Diplomatenluft. Das der Auserwählte bei dieser 
Kontrolle der Deutschen einige Schreibtischmorde beging, ist so wenig 
überliefert wie seine Aufgabe von 1946 überhaupt geklärt ist. Daß MRR 
in den für die Liquidierung der polnischen Exil-Regierung 
entscheidenden ersten Nachkriegsjahren als Mitzwanziger ?Chef des 
Generalkonsulats der Republik Polen in London? war, wurde von ihm 
lange verschwiegen. Agentennamen, also falsche, halfen bei dieser 
Vertuschung. Seit den Enthüllungen vom Fernsehmann Tilman Jens, Sohn 
des Tübinger Rhetorik-Professors Walter Jens, bestreitet er nur noch 
schlapp, gibt bruchstückweise zu, was nicht länger zu leugnen ist. Das 
Zögern entschuldigt er mit einer Loyalität dem mörderischen Regime 
gegenüber, dem er diente. MRR und die Familie Jens sind durch lange 
Zeit befreundet ? gewesen. Solange, bis die finstere, kriminelle 
Vergangenheit des Top-Agenten aus Warschau trotz aller deutschen 
Verschweige-Blätter ans Licht kam ? aus dem Ausland. Tilman Jens 
schrieb: ?
Reich-Ranicki, der multimedial zum Literaturpapst gefeaterte 
Kultur-Clown, ist bekanntlich ein nachtragender Mann und sein 
»Literarisches Quartett« eine Institution von marktbeherrschendem 
Einfluß.? ? ?Der Spionage-Chef, wegen kleinerer Schwindeleien aus dem 
Dienst und der Partei verstoßen, hatte in der  polnischen Hauptstadt 
literaturwissenschaftlich verbrämte Elogen auf den  Stalinismus 
geschrieben und bettelte dann um die Wiederaufnahme in die KP.? ??Was 
Reich-Ranicki alles in London trieb und mit welchem Geheimauftrag 
womöglich er 1958 nach Deutschland reisen durfte, werden wir in 
letzter Konsequenz erst erfahren, wenn sich eines Tages die Archive in 
Polen öffnen.? ??Die Briefe der Exilpolen ließ er mit Dampf öffnen. 
Schon damals war Diskretion seine Sache nicht. Jede verdächtige Zeile 
hatte augenblicklich auf seinem Schreibtisch zu landen.

Schon damals wurde emsig konspiriert und denunziert. Er sorgte dafür, daß
schwarze Listen von London ins Hauptquartier nach Warschau gelangten.
Verzeichnet waren die Namen von 2000 mißliebigen Exilanten. Auch die 
physische Vernichtung eines Gegners war dem falschen Konsul 
offenkundig nicht fremd.? ?Dienste?, die einen Eichmann illegal durch 
die Lüfte von Argentinien nach Israel schaukeln können, die schaffen 
solches auch von abgelegenen Flughäfen in England nach Polen. Tilman 
Jens gibt weiter bekannt: ?Starzynski berichtet von einem Mordkomplott 
gegen den in London lebenden, ehemaligen Konsul Markowski, und hegt 
keinen Zweifel, »daß alles mit Marcel-Ranicki abgesprochen war. « Wer 
in Ungnade fällt, ist erledigt. Das war einst die Praxis des 
kommunistisch geschulten Kapitäns. Starzynski und seine Frau wurden in 
Polen zum Tode verurteilt…seine Frau wurde vom Geheimdienst 
vergiftet. Und das ist bis heute die Methode des Kritikers…. Daumen 
hoch und Daumen runter. So schafft man ein Klima der Angst…. Wer der 
Lächerlichkeit preisgegeben ist, den wird man nicht ernst nehmen. 
Reich-Ranicki hat in seinem Spitzel-Verein fürs Leben  gelernt.? ? 
?Wer sich im Geheimdienst hochgearbeitet hat wie Reich-Ranicki, der 
ist wohl ein Leben lang dazu verdammt, an den Erfolg des konspirativen 
Handelns zu glauben.? ? ?In den Feuilleton-Redaktionen von »Spiegel«, 
»Focus«, der “Zeit« und der »FAZ« haben bekanntermaßen Freunde und 
Schüler Reich-Ranickis das Sagen. Herausgeber des »Tagesspiegel« ist 
der Quartettfreund Karasek, auch im ZDF wird kein kritisches Wort über 
den Literaturtalkmaster fallen.? Ein wenig traurig fragt Tilman Jens: 
?Wie unabhängig oder wie verfilzt ist eigentlich Deutschlands 
Literaturbetrieb?? Die ?Unterstellungen? von Tilman Jens bekamen ein 
großes Echo in den deutschen Tageszeitungen. Die Waffe des 
Verschweigens war stumpf geworden. Das Ausland berichtete laufend und 
auch Warschau hatte gemeldet. ?Man liebt den Verrat, aber nicht den 
Verräter.? Des MRR Credo wurde bei dem ?Kesseltreiben? bekannt: ?Wer 
nicht bereit ist, für die breite Leserschaft zu schreiben, der hat in 
der Kritik nichts zu suchen.? Daß dem Tilman Jens bei seinen 
Ermittlungen ?Antisemitismus? nachgesagt wurde, paßt nur zum Bild 
eines sowjetisch gesteuerten Agenten. Vorsichtig tasten sich nach dem 
Enthüller Tilman Jens die deutschen Gazetten an das Geschehen.

Der ?Münchner Merkur? gibt sich einen Ruck, bezeichnet den MRR als 
?flegelhaften Hofnarren!? Zuvor war das ?Hamburger Abendblatt? am 17. 
Juni 94 losgezogen: ?Er war Chef von 50 Agenten … Reich-Ranicki 
bestreitet diese
Darstellung.? Drei Tage darauf, am 20.6.94, berichtet das gleiche 
Blatt, MRR gestehe inzwischen ein: ?Marcel Reich-Ranicki gibt zu, 
polnischer Agent gewesen zu sein…. Als Hauptmann des polnischen 
Geheimdienstes hieß Reich-Ranicki auch »Lessing«.? Das Geheimdienstler 
tief drin in konsularischen Vertretungen stecken, ist weltweit gang 
und gäbe. Oft weiß man nicht, wer da stärker  vertreten ist ? die 
wirklichen oder die getarnten Amtsträger. Im Londoner  polnischen 
Generalkonsulat der ersten Nachkriegsjahre war die Lage  eindeutig: 
MRR und seine fünfzig Schlapphüte waren die Meister und nicht 
irgendwelche Lehrlinge. Reich-Ranicki behauptet: ?Ich habe dabei 
niemandem geschadet.? Das behauptete einst auch Al Capone, das sollen 
andere gewesen sein. Und so waren es auch hier ?Lessing? oder auch 
gelegentlich ?Albin?, die ?Weiße Polen? rückliefern und vernichten 
ließen. Nachweislich wurden  einige aus London heimkehrende Exil-Polen 
zum Tode verurteilt! Das  ?Hamburger Abendblatt? bringt an diesem 
MRR-Berichtstag 20.6.94 eine Kolumne unter der Überschrift ?Zumutung?. 
Hier ist sie vollständig: ?Es ist schon grotesk, sich den 
Literaturpapst nun in der Rolle des Überführten vorzustellen: Doch 
Marcel Reich-Ranicki hat sich unnötig in eine Situation 
hineinmanövriert, aus der er nun ohne Gesichtsverlust nicht mehr 
herauskommen kann. Obwohl es dem eloquenten Literaturkritiker noch bis 
vor kurzem möglich gewesen wäre, begreiflich zu machen, aus welchen 
Gründen er 1944 in den Dienst des polnischen Geheimdienstes trat, 
verhielt er sich genauso wie viele andere Prominente, die sich einst 
mit der Stasi einließen: Er gab immer nur zu, was ihm nachgewiesen 
werden konnte. Dabei  war schon seit mindestens einer Woche klar, daß 
der Kritiker keineswegs  das unschuldige Opfer einer Verschwörung von 
Tilman Jens, dem Sohn seines  Intimfeindes Walter Jens, geworden ist. 
Doch Reich-Ranicki ist nicht irgendein Autor, er ist eine Institution. 
Und vielleicht wird er daher nicht so pauschal und undifferenziert als 
Spitzel abgestempelt werden, wie vor ihm mancher ostdeutsche Autor in 
vergleichbarer Lage. Das er allerdings sein Schweigen nun mit dem 
Hinweis auf eine ?Verpflichtungserklärung? entschuldigt, ist eine 
Zumutung. Denn obwohl der Hauptmannsrang beim Geheimdienst mehr gilt 
als bei der Feuerwehr, ist nur schwer vorstellbar, daß sich 
ausgerechnet ein bekennender Renegat so lange mit seiner Loyalität 
kommunistischen Schlapphüten gegenüber verpflichtet gefühlt haben 
könnte.?

An jenem 20.6.94 paukt den MRR der ?Spiegel? heraus, läßt ihn sagen: ?Das
mit dem Hauptmann hatte einen eher humoristischen Anstrich. Es war nur ein
Aktenvermerk. Denn eine Uniform trug ich natürlich nicht.? Trug 
Ex-DDRler Markus Wolf bei seinen Agentenreisen nach Schweden seine 
Generals-Uniform? Auch er bewegte sich mit Schlapphut und getönter 
Brille. MRR entschuldigt sich weiter im ?bekannten Nachrichtenmagazin? 
vom Montag, an diesem 20.6.94: ?Im Januar 1950 mußte ich eine 
Erklärung unterzeichnen, demzufolge ich mich verpflichtete, niemals 
ein Wort über Dinge zu sagen, die mit dem Geheimdienst zusammenhängen. 
Ich habe diese Erklärung sehr ernst genommen, was ich nicht bedaure: 
Ich hielt es für ein Gebot der Loyalität, für eine Anstandspflicht, 
nichts über diese Angelegenheiten zu sagen.? Am Tage zuvor, am 
19.6.94, versuchte die ?Welt am Sonntag? noch, dem MRR in seiner Not 
beizuspringen: ?Irren ist menschlich ? Vom Geheimdienstoffizier zum  
Literaturpapst: Was dieser Mann als Zensor in Polen oder 
Geheimdienstoffizier in London machte, mag »keine Bagatelle« gewesen 
sein…. Was zählt, ist Reich-Ranickis Engagement für eine Literatur, 
die durch Leidenschaftlichkeit und Wahrhaftigkeit humanisiert.? Der 
geneigte Leser staunt nicht schlecht: ?noch ein Humanist?. Die 
Schreibtischmorde von Warschau, Lublin, Kattowitz und London sollten 
nach dieser ?Welt?-Meldung gemäß Hiob 21,18 ?wie Spreu im Winde 
verweht? sein. Das ?Hamburger Abendblatt? schließt das Kapitel MRR am 
22.6.94: ?Begegnung mit einer schwierigen Vergangenheit: Zu einem 
Zeitpunkt, an dem der polnische Sicherheitsdienst bereits 200.000 
hauptamtliche Mitarbeiter zählte, war der damals 27jährige Reich 
Sektionschef und stellvertretender  Abteilungsleiter im VII. 
Departement, also der Auslandsaufklärung. Eine Position, die hoch 
genug war, um in das nun an die Öffentlichkeit gelangte Verzeichnis 
der 1100 höchsten Geheimdienstfunktionäre von 1944- 1978(!) 
aufgenommen zu werden. Eine Ironie des Schicksals, daß dieses 
zweibändige Werk wohl zur Errechnung der Rentenansprüche verfaßt 
wurde.? Diese polnische Rente für verdiente Stalinisten ist für MRR 
ein kleiner Nebenverdienst. Wie sie erworben wurde, das ist belegt. 
Die Ex-Geheimdienstler der deutschen ?zwölf Jahre? erblassen vor Neid. 
Allerdings gibt es im Zuge der Aufklärung kommunistischer Verbrechen 
an Polen Bestrebungen im Sejm, MRRs Dienst als verbrecherische 
Organisation einzustufen und den Angehörigen so lediglich die 
Mindestrente von ca. 150  Euro zu zahlen. Nach der Liquidierung der 
polnischen in London untergekommenen Exil- Regierung bekam MRR sein 
Gnadenbrot beim polnischen ?Militärverlag?, winselte als Alt-Kommunist 
um Wiederaufnahme in die ?Kommunistische Partei? und war damit 
schließlich erfolgreich. Ab 1957 war  er wieder dabei. Ein Jahr darauf 
wechselte er in die mehr bietende Nachbar-Republik Deutschland. 
Israels Staatspräsident Weizman versteht die Welt nicht mehr. In Bonn 
äußert er sich Anfang 1997 sehr öffentlich und deutlich zu den aus 
anderen Ländern in die Bundesrepublik gewechselten Juden, die Israel 
meiden. In seinem Buche ?Doppel Agent? (Brandenburgisches Verlagshaus, 
Berlin 1997) erinnert sich Krzysztof Starzynski, einer von den fünfzig 
Londoner MRR-Agenten, gut. In seinem  Vorwort fürchtet Tilman Jens die 
Waffe des ?Totschweigens?. Zu Recht hatte  er diese Angst. Das 
Enthüllungsbuch paßte nicht in die Medienlandschaft, nachdem MRR mal 
wieder auf die Füße gefallen war. Vom lesenden Volke wird das Buch 
kaum wahrgenommen. Starzynski, später zum Westen übergelaufen und in 
der Südsee untergetaucht, berichtet: ?lm Herbst 1947 dachte wohl nicht 
einmal Marceli Reich an eine solche Zukunft.

Genauso penibel wie der Literaturpapst heute Autoren lobt oder in Stücke
reißt, kümmerte sich »Kapitan« Marceli Reich um seine Aufgaben als 
Agentenchef.
Stets korrekt, immer auf Formalitäten und auf die Effektivität seiner
Untergebenen  bedacht, blieb er für etwa zwei Jahre mein direkter 
Vorgesetzter.? ? ?Die England-Sektion war unter Marcel Reich-Ranicki 
eindeutig die wichtigste innerhalb des politischen 
Auslandsgeheimdienstes.? Im ?Spiegel?-Gespräch vom Juni 1994 erklärt 
MRR: ?Jawohl, ich war in den Jahren 1948/49 Konsul der Republik Polen 
in London und gleichzeitig ständiger Mitarbeiter des  polnischen 
Geheimdienstes.? Starzynski meint in seinem Buche weiter: ?Als  
Resident des politischen Geheimdienstes war mehr als deutlich, daß es 
der  Geheimdienstler und nicht der Diplomat war, der hier das Sagen 
hatte.? ? ?Jede noch so kleine Information über den Widerstand mußte 
sofort von unserem Chef Ranicki an die Gegenspionage in Warschau 
weitergemeldet werden. Die Abteilung I war bekannt für ihre grausamen 
Verhörmethoden. Jeder auch nur winzige Hinweis auf eine Zusammenarbeit 
mit dem Widerstand führte für die Betroffenen unweigerlich zu 
Verhaftungen, Folterungen und meistens zum Tod.? ? ?Nur Reich- Ranicki 
selbst weiß, welche Informationen er an Warschau weitergegeben hat und 
welche Folgen dies für die Untergrundkämpfer und ihre Sympathisanten 
in Polen hatte?.
Noch lebte der  weiße Widerstand gegen die sowjetische Satelliten-Regierung in
Polens Wäldern und Städten. Verfasser Starzynski hält Rückblick auf seinen
früheren Vorgesetzten, der schließlich auf dem Abstellgleis endete, 
der ?Schwindeleien wegen?: ?So hatte Reich-Ranicki behauptet, schon 
1932 in  Berlin der kommunistischen Jugend und 1937 der verbotenen KPD 
beigetreten zu sein ? im Alter von 17 Jahren, als Sohn einer 
bürgerlichen Familie! Nicht nur, daß diese Geschichte sehr 
unglaubwürdig klang, es gab auch keinerlei Dokumente oder Zeugen, die 
dies bestätigen konnten. Ranickis zweite Lüge betraf seine Tätigkeit 
innerhalb des Judenrats im Warschauer Ghetto. Er hatte bisher immer 
angegeben, nur ?auf einem untergeordneten Kanzleiposten? beschäftigt 
gewesen zu sein. Tatsächlich war er jedoch Chefdolmetscher ?. Dann kam 
Gnade, die vor Recht erging: ?Am 22. Februar  1957 wurde er wieder in 
die Partei aufgenommen, eine Tatsache, die er später im Westen lieber 
verschwieg.? ? ?Daß er als ehemaliger Offizier des kommunistischen 
Geheimdienstes die Erlaubnis erhalten hatte, offiziell nach 
Westdeutschland auszureisen, konnte ich mir nicht einmal im Traum 
vorstellen. Ich kann es bis zum heutigen Tag nicht verstehen. Nur die 
Wiederaufnahme in die kommunistische Partei läßt den Wechsel verstehen.

Des MRR Londoner Untergebener Starzynski beendet seine Sicht der 
Dinge: ?Reich-Ranicki verheimlichte seine Vergangenheit bewußt und 
selbst dann noch, als seine Lebenslegende nicht mehr zu halten war.? 
Das große Verschweigen beim Tatvorgang ?Völkermord in Kattowitz 1945? 
hält an. Einen Vergleich mit den ?Geiselerschießungen von Rom 1944? 
stellt die Ehefrau des in Italiens
Hauptstadt zu ?Lebenslänglich? verurteilten verantwortlichen deutschen 
Offiziers an. Marcel Reich-Ranicki organisierte als ?Leiter der 
Operativen Abteilung? sehr wahrscheinlich den Völkermord  entgegen 
geltendem Völkerrecht mit. Herbert Kappler dagegen handelte auf  
Befehl, um weitere Abschlachtungen seiner Soldaten zu verhindern ? 
gemäß  Kriegsrecht, folgend der Haager Landkriegsordnung. Die schrieb 
nun einmal bei Geiselerschießungen vor: eins zu zehn. Weitere Morde 
waren zu verhindern ? das war der Sinn. Dazu schreibt Ralf Schuler, 
Redakteur der ?Welt? am 17.3.97 in seiner Zeitung: ?Man hatte sich an 
die Haager Landkriegsordnung zu halten, die nach Partisanenangriffen 
Geiselnahme im Verhältnis eins zu zehn für jeden Getöteten und auch 
deren Erschießung  gestattete.?
Auf Nachfrage teilt er mir am 17.4.97 in einem Drei-Seiten-Brief mit: ?Daß
dieses Verhältnis von eins zu zehn auch nach 1945 anerkannt und sogar 
von den Alliierten zur Rechtsprechung herangezogen wurde, belegt unter 
anderem der Fall des Herbert Kappler.? Marcel Reich-Ranicki blieb 
unbehelligt. ? Herbert
Kappler dagegen wurde verurteilt und kam erst frei, als seine tapfere Ehefrau
ihn mit Hilfe eines 17 Meter langen Seils nach dreißigjähriger (!)
Festungshaft befreite. Danach ist als weiteres Opfer der nun 96jährige 
Priebke dran, der bis heute in Italien inhaftiert ist. Von Marcel 
Reich-Ranickis Untaten erfährt die Welt durch ein vereinbartes 
Schweigegebot bis auf wenige
Zeitungsberichte nichts. ? Herbert Kapplers Einsatz für die am Leben  
gebliebenen Kameraden aus Südtirol wird dagegen durch die Gazetten um 
die  Welt geschleift, bis nach Südamerika, bis hin in die Südsee. Der 
Unterschied: Bei Reich Ranicki geht es um Tote auf der Verlierer-, bei 
Kappler um Tote der Siegerseite.

VERGLEICH ? der Fall Kappler

Am 23. März 1944 marschierte die 11. Kompanie der Schutzpolizei des
Polizeiregiments Bozen zur Wachablösung durch die Via Rasella in Rom. 
Als sich die Einheit auf Höhe des Hauses Nr. 155 etwa in der Mitte der 
Straße befand, zerriß ohrenbetäubender Lärm die Stunde. Ein Müllkarren 
voll Dynamit, auf der linken Straßenseite abgestellt, war explodiert. 
In einer Breite von zehn Metern wurde das Band der  Marschierenden 
aufgerissen und schleuderte sie hinauf bis zum 3. Stockwerk des 
Gebäudes. 26 Südtiroler Polizisten wurden buchstäblich auf der Stelle 
in Stücke gerissen.

Eine kleine Gruppe junger Kommunisten war eigens aus dem Anlaß nach Rom
gebracht worden, die Bevölkerung aus ihrem Schlaf zu wecken und den 
Haß gegen die deutsche Besatzungsmacht zu entfachen. Es handelte sich 
um Rosario Bentivegna, Carla Capponi und Franco Calamandrei, die ihre 
?Bewährungsprobe als Partisan? zu absolvieren hatten. Sie standen 
unter dem Befehl des erst kürzlich aus Moskau heimgekehrten Palmiro 
Togliatti.

Die Wirkung des Müllkarren-Attentats war furchtbar: 26 Polizeisoldaten
verloren ihr Leben auf der Stelle, sechs weitere erlagen im Laufe der nächsten
Stunden ihren schweren Verletzungen. Ebenso furchtbar ist das ?Spiel? mit
Zahlen, das sich anschloß. Aus dem Führerhauptquartier erging der Befehl ? von
Generaloberst Jodl unterzeichnet ? ?Repressalquote 1:10?, d.h. für jeden
dahingemeuchelten deutschen Polizeisoldaten sind zehn Italiener zu erschießen,
eine genaue Anzahl war in diesem Befehl nicht genannt; Vollzugsmeldung 
innerhalb von 24 Stunden, und lapidar hinzugefügt ?Polizei ist 
betroffen, Polizei sühnt?.

Herbert Kappler blieb keine andere Wahl als die der Befehlsausführung. Es
heißt immer wieder und bis in die jüngste Zeit hinein, Herbert Kappler 
habe ?zu
viele? Italiener erschießen lassen. Man übersieht dabei völlig, unter
welchen Umständen 1948 das Kappler-Urteil zustande kam! 
Voruntersuchung und Hauptverhandlung  wickelten sich in einem 
politischen Klima ab, das noch völlig unter dem Zeichen der 
kommunistischen Mitregierung stand (im Frühjahr 1948 war Togliatti 
noch Justizminister gewesen) und unter dem starken Druck der  durch 
das kommunistisch gesteuerte ?Befreiungskomitee? gelenkten 
öffentlichen Meinung. ?Zeugen? und ?Sachverständige? der Anklage waren 
großenteils führende Kommunisten. Die Richter waren befangen und 
vermochten sich der auf Hochtouren laufenden Nachkriegs- 
Hasspropaganda kaum zu entziehen und waren überdies bemüht, sich ein 
politisches Alibi für ihre persönliche Vergangenheit im Dienste des 
Faschismus und mit Deutschland verbündeten Staates zu schaffen. Die 
maßgeblichen Zeugen der Verteidigung waren vom Gericht unterschlagen, 
d.h. man hatte, soweit sie überhaupt zugelassen waren, ihre Vorladung 
nur fingiert, indem man die Vorladungen gar nicht abgeschickt, deren 
Kopien aber zu den Gerichtsakten geheftet hatte.

Das Urteil gegen Herbert Kappler erfolgte
? als mitschuldig an dem Tod von 335 Zivilpersonen
? wegen eigenmächtiger Erhöhung der Zahl der Opfer auf 335 Personen
? wegen willkürlicher Requisition von 50 kg Gold bei der israelischen
Kultusgemeinde Roms.

Damit hoffte Herbert Kappler die bereits anbefohlene Razzia abwenden zu
können, was einem Kollegen von Kappler in Tunis gelungen war. Die seit
Jahrzehnten vorliegenden eidesstattlichen Erklärungen der damals vom Gericht
unterschlagenen Entlastungszeugen schließen eine Schuld Herbert 
Kapplers aus und zwar sowohl hinsichtlich einer eigenmächtigen 
Erhöhung der Zahl der Opfer, als auch die einer schuldhaften 
Fahrlässigkeit. Das Gericht, das eine Rechtfertigung des Angeklagten 
durch Unterschlagung der maßgeblichsten Entlastungszeugen unterbunden 
und damit eine Schuld konstruiert hatte, verurteilte Herbert Kappler, 
dessen rastlosem Bemühen es gelungen war, die Zahl der Opfer auf ein 
Mindestmaß zu setzen, zu lebenslänglichem Gefängnis.

Gegen dieses Urteil gab es keine Berufung, sondern nur eine Art beschränkter
Revision. Inzwischen war es gelungen, das rätselhafte Nichterscheinen der
Entlastungszeugen vor Gericht auf sehr einfache Weise aufzuklären. 
Diese hatten den Mut, nicht nur die nicht erfolgte Vorladung in einer 
schriftlichen
eidesstattlichen Erklärung anzuprangern, sie machten auch nachträglich 
in aller
Form ihre Aussage, und so gerüstet sahen sowohl Herbert Kappler als 
auch dessen Rechtsanwälte dem ?Ricorso? entgegen, der ja folgerichtig 
nur mit einem Freispruch Herbert Kapplers enden konnte. Doch entgegen 
den Gepflogenheiten
wurde das Revisionsverfahren abgelehnt und Kappler so um ein Recht 
betrogen, das jedem italienischen Staatsbürger ? von italienischem 
Gericht verurteilt ?
(auch einem Raubmörder!) zusteht. Als einzige Person liefen nicht nur
sämtliche Amnestien in Italien seit 1948 fruchtlos an Herbert Kappler 
vorüber, die Entrechtung seiner Person ist folgerichtig nur auf die 
Tatsache seiner
deutschen Staatsangehörigkeit zurückzuführen.

Zusammenfassend darf festgestellt werden:

Insgesamt verloren 42 Angehörige der deutschen Ordnungspolizei ihr Leben bei
dem meuchelmörderischen Attentat am 23. März 1944, das an  Heimtücke 
nicht zu überbieten war. Das Spiel mit und um Zahlen ist umso 
erschütternder, als der
Prozeß gegen Herbert Kappler jede, aber auch jede nur annähernd mögliche
Objektivität vermissen läßt. 26 Polizeisoldaten verloren ihr Leben auf der Via
Rasella, im Laufe der nächsten Stunden erlagen weitere sechs ihren schweren
Verletzungen, ihnen folgte der 33. Es ist einfach falsch, wenn immer wieder
behauptet wird, Herbert Kappler habe eigenmächtig die Repressalquote 
erhöht. Ein ausdrücklicher Befehl aus dem Stabe des Generals Mältzer 
forderte die
Erhöhung der Quote um weitere 10 Personen beim Tode des 33. 
Polizisten. Als Herbert Kappler Stunden später ?Vollzug? meldete, 
wurde ihm der Tod des 34. und 35. Polizisten gemeldet, im Laufe des 
Abends verstarben sieben weitere
Schwerverletzte. Damit ist jene fürchterliche Quote nicht über-, sondern
unterschritten. Der gesamte ?Fall Kappler? ist eine unbegreifliche 
Reverenz an den Kommunismus und  besonders an den Alt-Stalinisten 
Palmiro Togliatti unter
Ausgrenzung der Tatsachen zur zeitgeschichtlichen Beurteilung. Mehr 
als 60 Jahre nach den tragischen Geschehnissen vom mörderischen 
Attentat und deren grausamer Vergeltung sollte endlich eine objektive 
Betrachtung möglich sein. Während Priebke als Kapplers Untergebener 
bis heute einsitzt, bezieht Marceli  Reich Rente aus Deutschland und 
Polen und wird von einer Universität nach der anderen zum 
Ehrenprofessor ernannt. ?

Das Lager Potulice
Erna Kelm,  Diakonisse aus Bromberg, berichtet über das Lager für 
Deutsche in Potulice/Polen, entnommen dem Aktenbestand des Deutschen 
Bundesarchivs  in Bayreuth, Ostdok. 2/38/99-103.

?Wie sollen wir nur die Kinder anfassen, die zerbrechen uns in den Händen!?

Ich war von November 1945 bis September 1947 dort und will aus eigener
Erfahrung schildern, wie es dort zugeht. Es gehörten 29.000 Deutsche 
zu diesem Lager. Die meisten waren auf Arbeitskommandos außerhalb, 
4000 etwa im Lager.

Beim Eintritt in das Lager beginnen die ersten Grausamkeiten, und bei der
Beerdigung hören dieselben auf. Bei der Revision wurde den Menschen 
alles, was sie noch an guten Sachen, auch Photographien, besaßen, 
fortgenommen. Die 14tägige Quarantänezeit ist, seit der jetzige 
Chefarzt dort ist, besonders im
Winter, weil die Baracken nicht geheizt werden, eine Qual; Strohsäcke 
gibt es in diesen Baracken nicht. Soweit die Menschen im Besitz von 
Betten und
Kopfkissen sind, werden diese ihnen abgenommen, über eine Decke 
verfügen die meisten nicht. So wissen sie nicht, was sie auf die 
Bretter legen und womit sie sich bedecken sollen. Die Fenster mußten 
auch bei starkem Frost geöffnet sein.
Traf der Chefarzt, Dr. Cedrowski, ein nicht ganz geöffnetes Fenster oder eine
Frau, die wegen ihres geschorenen Kopfes bei strenger Kälte eine 
Kopfbedeckung hatte, so erfolgten Strafen: Ohrfeigen, Kniebeugen, 
stundenlanges Sitzen in Hockstellung bei offenem Fenster und halb 
entblößtem Oberkörper. Eine schlimme Strafe ist, den Zementfußboden im 
Flur den ganzen Tag über immer wieder wischen, auch wenn die Knie 
schon wund sind. Geht der Chefarzt in den nächsten Tagen durch die 
Baracken und sieht die wunden Knie, da sagt er: ?Gut so, 
weitermachen!? Zuweilen wird  Frauen der Kopf trocken rasiert, was 
besonders schmerzhaft ist.

Nach der Quarantänezeit kommen die Aufgenommenen zu allerlei Arbeiten. Bei
den Arbeiten auf dem Gut, in der Gärtnerei und sonstigen Arbeiten, die
außerhalb des Lagers verrichtet werden, wurden die Menschen sehr 
geschlagen. Kommt dieses der Lagerleitung zu Ohren, und es wird der 
Fall untersucht, werden solche Zeugen herangeholt, die nichts 
Bestimmtes aussagen können. Sagt ein Zeuge die Wahrheit, so wird er am 
nächsten Tage  so geschlagen, daß er nicht imstande ist, noch einmal 
darüber zu sprechen. Ich habe oft Körper gesehen, an denen keine weiße 
Stelle zu entdecken war. Eines Tages wurde eine Frau bei der Arbeit 
erschossen, angeblich wegen Fluchtverdacht, was aber nicht auf 
Wahrheit beruhte. Daraufhin wurde der schrecklichste Milizmann mit 
einigen Deutschen hingeschickt, die Leiche zu holen. Diese wurde auf 
Forkenstiele gelegt, und acht Frauen mußten sie tragen. Die anderen 
der 150 Personen, die dort arbeiteten, wurden aufgefordert, sich quer 
über den Weg zu legen, und die Frauen mußten mit der Leiche laufend 
über diese hinweggehen. Diejenigen, die die Leiche trugen, wurden sehr 
geschlagen, denn beim Laufen kam es vor, daß die Leiche ihnen von den 
Forkenstielen herunterfiel. Einem jungen Mädchen hatten sie das 
Fleisch von den Wadenknochen abgeschlagen. Als das Fleisch später in 
Fäulnis überging, wurde sie ins Spital eingeliefert und starb an den 
Folgen. Eine andere Frau kannte die Ordnung noch nicht, da sie den 
ersten Tag bei der Arbeit war. Sie entfernte sich, um ihre Notdurft zu 
verrichten. Daraufhin wurde sie so geschlagen, daß sie ins Lager 
getragen und ins Spital eingeliefert werden mußte. Außer dem Gesicht 
war von den Knien bis zu den Händen der Körper nicht blau oder grün, 
sondern kohlschwarz. Eine Stunde nach ihrer Einlieferung war sie eine 
Leiche.

Besonders gequält wurden die Menschen im Winter 1946/47 bei der Waldarbeit.
Männer und Frauen mußten Stubben (Baumwurzeln) roden. Die Erde war hart
gefroren. Auch hier reichten die Kräfte nicht aus, um das ihnen 
auferlegte Pensum zu schaffen. Männer mußten in die Löcher der 
ausgeredeten Stubben hinein. Dann wurde über ihre Köpfe hinweg 
geschossen, um sie zu schrecken. Auch blieben hier die Schläge nicht 
aus. Hierauf legte man ihnen eine Kette um, und die anderen mußten sie 
herausziehen und auf dem Schnee herumschleifen. Ein besonders elender 
Mann machte in seiner Verzweiflung eines Nachts seinem Leben durch 
Erhängen ein Ende. Frauen mußten mit einem großen Arbeitswagen all die 
Stubben aus dem Walde ins Lager fahren. Auch diese wurden, weil sie 
die Last in dem Schnee nicht ziehen konnten, durch Fußtritte, 
Kolbenstöße und dergleichen mißhandelt. Die schwerste Strafe ist der 
Bunker. Hier kommen die Menschen ganz entkleidet hinein. Täglich wird 
ihnen ein Eimer kalten Wassers über den  Kopf gegossen, und sie müssen 
Tag und Nacht im Wasser stehen. Die Männer  bekommen 25 Hiebe auf die 
Fußsohlen, und die Frauen werden in die Leistengegend geschlagen. Es 
wurden Menschen aus dem Bunker ins Spital eingeliefert, bei denen sich 
das Fleisch von den Knochen löste und sie bald ein Opfer des Todes 
wurden. Das Schlagen im Bunker besorgte der Chefarzt mit dem 
Platzkommandanten. Als im vorigen Sommer [1947] die größten Quälereien 
verboten wurden, nahm man die zu Bestrafenden in das Büro der 
polnischen Gestapo oder in das Zimmer des Chefarztes. Dort wurden sie 
furchtbar geschlagen. Um einen guten Gesundheitszustand vorzutäuschen, 
ist der Chefarzt sehr darauf bedacht, daß die Zahl der Belegschaft im 
Spital nicht zu hoch wird. Oft werden die Leute erst dann aufgenommen, 
wenn sie schon bald halb tot auf der Bahre hereingetragen werden. 
Viele  brauchen gar nicht mehr in das Bett hineingelegt zu werden, 
sondern sterben schon auf der Bahre. Andere werden oft, unfähig allein 
gehen zu können, entlassen. Die Zahl der Toten betrug täglich 10-12  
Menschen.

Erschütternd sind die Verhältnisse in den drei Baracken für Alte und
Arbeitsunfähige. Etwa 1500 Menschen sind in diesen  Elendshütten 
zusammengepfercht. Schlimm ist, daß die Geisteskranken ohne Pflege und 
Aufsicht unter den Alten untergebracht sind. Viele Alte sterben an 
Hunger, andere sind so elend, daß sie des schlechten Eindrucks wegen, 
den sie in der Öffentlichkeit machen würden, nicht nach Deutschland 
abtransportiert werden, sondern auf ihren Tod warten müssen. Viele 
Kranke im Lager müßten operiert werden. Der Unkosten wegen geschieht 
dieses nicht. Der Chefarzt gibt auch auf große Bitten der 
Betreffenden, sie doch für den Transport freizugeben, nicht seine 
Erlaubnis. So müssen sie im Lager elend zugrunde gehen. Innerhalb 
zweier Jahre waren im Lager Potulice ca. 800 Kinder. Die Zahl der 
Säuglinge wechselte zwischen 30-50. Die Säuglingsbaracke, welche 
gleichzeitig auch Entbindungsstation war, wurde schön hergerichtet. 
Das geschah aber nur aus dem Grunde, daß alles einen guten Eindruck 
machte, wenn die Kommissionen durchkamen und diese dann in der Presse 
davon berichten konnten. Doch keiner fragt, wie viele Kinder in den 
schönen, weißgestrichenen Bettchen verhungert und erfroren sind. Wenn 
eine Kommission angesagt war, wurden die Baracken geheizt. Sobald die 
Herren aber hinter dem Tor waren, bekamen die Männer, die die Heizung  
bedienten, den Befehl, das Feuer ausgehen zu lassen. Als die 
Sterbezahl der Kinder zu hoch wurde, stellte man einen Ofen auf. 
Dieser konnte aber nur mit nassem Sägemehl geheizt werden.
Daher rauchte er so fürchterlich, daß die Fenster geöffnet werden mußten. Die
Nahrung der Säuglinge bestand monatelang aus Wassersuppen. Ging man 
des Morgens um 4 Uhr an der Baracke vorbei, dann meinte man, das 
Blöken der Lämmer, aber keine Kinderstimmen zu hören. In kurzer Zeit 
sind von 50 Säuglingen nur zwei am Leben geblieben. Von diesen zweien 
hatten die Mütter Gelegenheit, ihnen zusätzlich etwas zu geben. Eines 
Tages ging ein polnischer Herr durch die Baracke. Als er die Kinder 
sah, meinte er, die müßten Milch haben. Die Antwort des Chefarztes 
war: ?Es genügt, wenn es auf dem Papier steht.? Anderen Herren wurde 
erzählt, daß die Kinder Butter und Milch bekämen, welches gar nicht 
der Wahrheit entsprach. Die Kinder von 11/2 bis 10 Jahren befanden 
sich in einer Kinderbaracke. Diese durften bis Mai 1947 nur mittags 
etwas draußen sein.
War der Chefarzt, Dr. Cedrowski, aber im Lager, wagte es kein Kind,
herauszugehen. Den ganzen Tag hockten sie eingeschüchtert und 
verängstigt auf den Betten. Zu den grausamsten Tagen zählen auch die, 
wenn die Mütter mit ihren Kindern, soweit sich diese im Lager 
befanden, auf dem Platz antreten mußten, die Kinder ihnen fortgenommen 
wurden, und sie nicht wußten, wo sie blieben. Weinten die Mütter, dann 
bekamen sie Kolbenstöße. Viele Mütter haben nie mehr etwas von ihren 
Kindern erfahren. Im Jahre 1946 kamen viele Kinder in das Kinderheim 
nach Schwetz. Als dann später wieder ein Transport dorthin  ging, 
konnte ihn eine deutsche Frau, die als Schwester im Lager arbeitete,  
begleiten. Als diese sich dort, im Auftrage einiger Mütter, nach deren 
Kindern erkundigte, wurde ihr gesagt: ?Es sind Tausende von Kindern 
hierher gekommen, wir konnten sie listenmäßig nicht erfassen. Die 
meisten waren noch so klein, daß sie ihren Namen nicht wußten, sehr 
viele sind gleich von polnischen Leuten abgeholt worden, wir wissen 
nicht, wo sie sind.?

Als eine Anzahl von Müttern zum Transport ins Reich bestimmt war und diese
ihre Kinder durch das Rote Kreuz suchen ließen, wurden einige Kinder
zurückgeführt, welche schon einen polnischen Namen trugen. Darum 
braucht man sich nicht zu wundern, daß ? man kann wohl sagen ? 
Tausende nicht mehr ausfindig gemacht werden können. Auch hat man sie 
so stark in andere Kinderheime, wie z.B. Bromberg, Schubin, 
Hohensalza, Tuchel, Konitz, Thorn und verschiedene andere gepreßt, daß 
ein großes Massensterben einsetzte. Eine Mutter hat von fünf Kindern 
nur noch eins zurückbekommen. Dieses ist aber kein Einzelfall. Auch 
war es nicht  erlaubt, daß Geschwister miteinander sprechen. Eines 
Abends hatte ich dienstlich in einer Kinderbaracke zu tun. Ein Junge, 
13 Jahre alt, war ins Lager gekommen und hörte, daß seine Schwester, 9 
Jahre alt, in der Baracke sei. Er kam an die Baracke, sie freuten sich 
des Wiedersehens nach fast drei Jahren. Der Platzkommandant traf die 
beiden an. Der Junge bekam einen Schlag ins Genick, daß er zu Boden 
fiel. Hierauf bekam er Fußtritte, daß  einem beim Anblick fast das 
Herz brach. Von wie vielen Fällen könnte man  noch berichten!

Grausam war die Behandlung deutscher Kinder in Polen. Es ist mir
unverständlich, daß Herren, die keinen Einblick in die Grausamkeiten, 
die an Deutschen und auch an Kindern geschehen sind, es weitergeben, 
daß diese Tatsachen nicht der Wahrheit entsprechen. Augenzeugen stellt 
man als Lügner dar, deshalb, weil die Kinder jetzt gut genährt aus 
Polen kommen. Es ist aber wohl nicht bekannt, daß alle zum  Transport 
bestimmten Kinder vom Arzt untersucht werden müssen. Alle zum  
Transport bestimmten Personen, ob Erwachsene oder Kinder, die elend 
sind, und Aufsehen erregen würden, werden jeweils sofort gestrichen. 
Als der Transport im September 1947 ging, war der Chefarzt verreist, 
daher war die Auslese nicht so stark, und es kamen auch elende Kinder 
mit. In Breslau wurden die 154 Waisenkinder zurückbehalten. Ich blieb 
bei den Kindern. Masern brachen aus, und die Kinder mußten ins 
Krankenhaus geschafft werden. Polnische Schwestern sagten in meiner 
Gegenwart: ?Wie sollen wir nur die Kinder anfassen, die zerbrechen uns 
in den Händen!? Es kamen sogar diesen Schwestern die Tränen in die 
Augen. Die Kinder gehen nur in Lumpen  gehüllt. Einen Tag, bevor der 
Transport geht, müssen alle antreten, und dann bekommen sie Sachen. 
Bis dahin kümmert sich keiner um die Bekleidung. Im Gegenteil, wenn 
sie ins Lager kamen und einzelne noch über ein gutes  Stück verfügten, 
verschwand dieses. Jetzt, da die Polen sahen, daß sie  durch die 
Transporte nicht mehr alles verbergen können und auch die Kinder  
nicht alle zurückbehalten werden dürfen, bekommen sie eine gute 
Zuteilung.  Doch man kann die Schandtaten der drei Jahre damit nicht 
zudecken.