Archiv für August 2008

95. Geburtstag Oberst Herrmann

Das Jubelpaar Oberst und Professorin Herrmann im Festzelt in der Parkanlage der Gedächtnisstätte Borna

Das Jubelpaar Oberst und Professorin Herrmann im Festzelt in der Parkanlage der Gedächtnisstätte Borna

Am 9. August 2008 feierte Oberst Hajo Herrmann seinen 95. Geburtstag auf dem Gelände der GEDÄCHTNISSTÄTTE zu Ehren von 12 Millionen deutschen Kriegstoten, die wehr- und waffenlos im und nach Ende des Zweiten Weltkrieges den Tod fanden. 200 Gäste kamen in die Große Kreisstadt Borna im Süden von Leipzig. Am 1. August 1913 in Kiel geboren, ist der 95jährige Gründer des Vereines Gedächtnisstätte noch heute einer seiner Rechtsanwälte. Als der Jagd- und Kampfflieger nach 10 Jahren Soldatenzeit und sich anschließenden weiteren über 10 Jahren sowjetischer Kriegsgefangenschaft sein Rechtsstudium begann, hoffte er noch, daß der Staat sich seiner umgekommenen Landsleute in würdiger Form annehmen würde. Mit den Jahrzehnten entstanden tausende Gedenkstätten für die Opfer unter deutscher Gewalt. Doch an keinem zentralen Ort erinnerte man sich seiner eigenen Toten fremder Gewalt in Würde. Ein Mißstand, welcher im Ausland seit Jahren kritisch betrachtet wird und welchen der Oberst mit den Professoren Haverbeck und Schmidt-Kaler zu beenden trachtete. 1992 gründete sich aus Leidtragenden des großen Völkerringens dann endlich der Förderverein, der die Errichtung eines Denkmales und einer dies begleitenden Ausstellung zum Ziel hatte. Nach mehr als 10 Jahren des Spendensammelns war es dann soweit. 2005 konnte ein Architektenehepaar ein ansehnliches Grundstück (10.500 qm) mit einem repräsentativen Hauptgebäude (3.500 qm auf 4 oberirdischen und 2 unterirdischen Etagen) in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer Kriegsgräberstätte erwerben. Es ist verkehrsmäßig gut erschlossen und liegt in einer Gegend mit hoher Arbeitslosigkeit. Durch die seit Anfang 2007 aufgebaute Präsenz des Vereines Gedächtnisstätte – die aus Behinderungsgründen durch die Stadt keine Ausstellung sein darf (!) – kommen zu den monatlich am jeweils 3. Samstag stattfindenden Vortrags-Veranstaltungen von Zeitzeugen (darunter Ritterkreuzträger, Generale, Professoren und Historiker) schon heute hunderte von Besucher, die Geld in die Stadt bringen. Und Arbeit: Jugendlichen wird eine sinngestaltete Beschäftigung aufgezeigt. 4 mitteldeutschen Jugendlichen wurde bereits eine berufliche Zukunft gegeben. Arbeitsprogramme helfen sozial gefährdeten jungen Menschen von der Straße, vermitteln ihnen Werte und Bildung. Eine Hoffnung, die auch dem Mittneunziger am Herzen liegt.

Russische, österreichische und jüdische Weggefährten, seine persönlichen Freunde und Gäste gratulierten dem geistig frischen und körperlich vitalen Jubilar an der Seite seiner Gemahlin, einer begabten Musik-Professorin. Offiziere und Generale von Luftwaffe, Kriegsmarine, Heer und Waffen-SS zählten zu den Gästen, zahlreiche Doktoren und Professoren aus dem In- und Ausland, Publizisten, Historiker, Politiker, Juristen, Kaufleute, Unternehmer und Redakteure gaben sich die Hand.

Die Gastgeberin war Eigentümerin Gisela Limmer, vertriebene Aristokratin aus Pommern und Witwe des Architekten der Gedächtnisstätte, welcher als Offiziersanwärter der Kriegsmarine angehörte, denen Millionen ostdeutscher Menschen und deren Nachkommen die Fluchthilfe vor dem Zugriff der Roten Armee verdanken. Der Diplomatensohn Dr. Ludwig Limmer war Auslandsdeutscher und verstarb 2006 während der massiven unfairen Angriffe auf sein krönendes Lebenswerk in der Luther- und Blücherstadt Borna. Hier hatten Linksextremisten mit alten SED-Schergen paktiert, die bei SPD und CDU satzungswidrig in den Landesvorständen, als Landrat und Polizeichef untergekommen waren, weil sie in einem paranoid erscheinenden Anflug von Nationalmasochismus ihr eigenes Volk einseitig nur als Verbrecher sehen können. Der ehemalige estnische Staatspräsident Lennart Meri sagte am 3. Oktober 1995 treffend über unsere sich in „Ritualen“ und „überflüssigen wie respektlosen Pflichtübungen“ erniedrigende „Republik der Reue“: „Man kann einem Volk nicht trauen, das rund um die Uhr eine intellektuelle Selbstverachtung ausführt.“

Empfang von Schwerterträger Oberst Hajo Herrmann zur Feier seines 95. Geburtstages in Borna

Empfang von Schwerterträger Oberst Hajo Herrmann zur Feier seines 95. Geburtstages in Borna

Zum Empfang stand ein Spalier weiß und schwarz gekleideter junger Sachsen vor dem Hauptportal. Unter dem „Alten Kameraden“ wurde der frühere Geschwaderkommodore und Divisions-Kommandeur durch den Park zum Festzelt geleitet. Als Geburtstagsgeschenk setzten die Mitarbeiter vor Ort einen alten Brunnen wieder in Gang, dessen 1-Tonnen schwere Kugel durch die Kraft des Wassers bewegt wird. Ein Symbol in Zeiten des Widerstandes gegen alles Natürliche. Ein Zeichen gegen die Brunnenvergifter, die das würdige Projekt der Gedächtnisstätte nicht aufhalten können.

Nach ersten Begrüßungsansprachen wurden zwei großartige Torten mit der „Wilden Sau“ aufgetischt – bezugnehmend auf jene Jagdflieger-Taktik, die Oberst Herrmann selbst erfunden hat. Zu Kriegsende war er Inspizient der Luftverteidigung des gesamten Großdeutschen Reiches. Seinem Einsatz ist es zu verdanken, daß nicht noch mehr als die 500-700.000 Zivilisten in den deutschen Städten dem Bombenterror der Feinde Deutschlands zum Opfer fielen. Hajo Herrmann ist durch seine hohen Tapferkeitsauszeichnungen im In- und Ausland schon seit der Kriegszeit sowohl gefürchtet als auch hoch geachtet und verehrt. Er ist u.a. Inhaber des Deutschen Kreuzes in Gold und des 43. Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub und Schwertern. Nur 29 Deutsche waren während des Zweiten Weltkrieges höher dekoriert als Oberst Herrmann. Heute ist er einer von noch 4 lebenden Schwerterträgern und etwa 345 noch lebenden Ritterkreuzträgern.

Professor Wjatscheslaw Daschitschew aus Moskau, früherer Berater des sowjetischen Staatsoberhauptes Michail Gorbatschow, fand gute Worte während des Festaktes im Veranstaltungssaal des Hauptgebäudes. Die Feier stimmte ein 8jähriges Mädel aus Pommern am Klavier an. Der Publizist Gerard Menuhin, der Sohn des begnadeten Violinisten, war aus der Schweiz angereist und hielt eine ebenso bewegende Ansprache, bezugnehmend auf die jüdischen Deutschen, die tapfer im Felde ihren Mann standen für das deutsche Volk und Vaterland. Ein Pianist aus der Steiermark glänzte mit dem 1. und 2. Satz der Pathétique Ludwig van Beethovens. Weitere Ansprachen und Laudationen folgten. Ein Historiker bemängelte, daß der Oberst seine letzte Beförderung vor 64 Jahren erhalten hätte und er in den Augen aller Versammelten wohl schon längst General sei. Der österreichische Politiker Dr. Otto Scrinzi faßte es in treffliche Worte: „Fast gleichaltrig habe ich Ihren überragenden Einsatz als höchst ausgezeichneter Flieger ebenso bewundert wie Ihr unerschrockenes und beharrliches Auftreten als Verteidiger in vielen Gesinnungsprozessen. Mit hundert Männern Ihres Schlages könnten wir das Schicksal unseres geschlagenen und sich selbst vergessenden Volkes noch einmal wenden und unsere tiefste Erniedrigung überwinden. Das heimliche Deutschland ist stolz auf Sie. Bleiben Sie uns als ermutigendes Beispiel vor allem für unsere um alle Ideale gebrachte Jugend noch lange erhalten!“Am Ende des Festaktes versammelten sich 12 Fahnenträger zu Ehren des Jubilars vor dem Hauptportal und führten den Zug zum Denkmal an (welches durch Verhinderungstricks der von einer LINKEN geführten Stadt auch noch der Vollendung harrt). Kein Doktor, kein Ritterkreuzträger war sich zu schade, eine der Nationalflaggen, Fahnen der ehemaligen ostdeutschen Länder und der auslandsdeutschen Volksgruppen um den ehemaligen Verwaltungsbau des Bergbauzentrums (DEA, MIBRAG, LMBV) zu führen. Am Erinnerungsmal angekommen, erwartete die Gäste ein „lebendes Denkmal“. Auf jedem der 12 Fundamente, auf denen bald überlebensgroße Granitwände die Inschriften tragen werden, standen schwarz-weiß gekleidete junge Menschen mit Gladiolen. Mit Johann Sebastian Bachs Schlußchor der Matthäus-Passion „Wir setzen uns mit Tränen nieder“ klangen die Töne hinüber zu den Gräbern der Bombenkriegstoten, jungen Flakhelfern, ausgelöschten Bornaer Familien. Die Weihe-Inschriften und Gedichttexte wurden verlesen. Beim Lied vom „Guten Kameraden“ und dem Lied der Deutschen von Hoffmann von Fallersleben stimmten alle Anwesenden mit ein. „Ich hatt’ einen Kameraden“ wurde von einem ehemaligen Offiziersanwärter des I.SS-Panzerkorps zur Überraschung aller auf der Mundharmonika gespielt. Im März hatte er mit zwei anderen Offizieren von Heer und Kriegsmarine über die Entweihung und Zerstörung des Ehrenmales seines Großverbandes für über 20.000 Gefallene sowie dessen kürzlich geschehener Wieder-Errichtung auf privatem Grund gesprochen.

Ehrung im Denkmalsrund der Gedächtnisstätte für 12 Millionen zivile deutsche Tote des 2. Weltkrieges

Ehrung im Denkmalsrund der Gedächtnisstätte für 12 Millionen zivile deutsche Tote des 2. Weltkrieges

Es schloß sich eine Führung durch die „Ideen und Gedanken“ (die in diesem System der nationalen Unterdrückung noch nicht verboten sind) der Gedächtnisstätte an. Die fast 200 Schautafeln, Installationen, Objekte und Vitrinen zeigen den Leidensweg von Bombenkriegstoten, in Gefangenschaft, auf Deportationen, Flucht und Vertreibung verstorbenen Deutschen, sowie das Schicksal der geschändeten deutschen Mädel und Frauen, der Verhungerten und Erfrorenen in der Heimat nach Kriegsende, der Hingerichteten und Ermordeten, der Freitodsuchenden. Manch Nationalmasochisten mag es dennoch erstaunen, daß man in der Gedächtnisstätte auch der Kommunisten (Thälmann, MdR) und Sozialdemokraten (Breitscheid, MdR), der Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus (Mierendorff, MdR) und der Juden („Cap Arcona“ und „Thielbeck“) gedenkt. Das deutschenfeindliche Geschichtsbild ist eben einfach gestrickt und kennt außer „schwarz und weiß“ keine Graustufen – so wie die Kriegsgegner Deutschlands keinen Unterschied machten, wen ihre Bomben und Granaten trafen; ihr Ziel war die Vernichtung deutschen Kulturguts und die Auslöschung deutscher Menschen. Und hiergegen stemmte sich der Jubilar zeit seines Lebens vehement. Besonders beeindruckend ist sein freiwilliger Flug in Gefangenschaft mit dem Ziel, die ihm untergebenen Soldaten zu befreien. Sie verhungerten nach gebrochenem sowjetischen Versprechen hinter Stacheldraht und ihre Gebeine bleichen in den Weiten des Ostens.

Einige Grußworte wurden auch noch am Abend im Festzelt verlesen, von Bundestagsabgeordneten, ausländischen Politikern und Offizieren, Generalen, Wissenschaftlern und Professoren. So schrieb bspw. Prof. Dr. Dr. Dr. Klaus Sojka zu diesem Anlaß

: “Ihre Verdienste um unser Vaterland sind unvergeßlich: Von den Einsätzen bei der Legion Condor, als erfolgreicher Jagdflieger im Zweiten Weltkrieg, bis ‚die Jagd zu Ende war‘ standen Sie trotz 10jähriger sowjetischer Gefangenschaft geradlinig und aufrecht zu Volk und Heimat. Sie sind ein ermunterndes Vorbild in den Wirren der Gegenwart, ein Hoffnungsträger der Jugend, die zunehmend nach althergebrachten Werten sucht.” Glückwünsche kamen auch von einem sowjetischen Oberst und von Kommodoren fliegender Verbände der Nationalen Volksarmee der DDR.

Es folgte neben anderen schönen Überraschungen wie einer gegrillten „Wilden Sau“ auch ein Scheck einer österreichischen Initiative in Höhe von 7.000 € für den Ausbau der Gedächtnisstätte – dem krönenden Lebenswerk des Obersten Herrmann.

PH


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