Dem Deutschen Volke …

Diese wohlklingenden Worte finden sich über dem Hauptportal des Reichstages, Sitz des Deutschen Bundestages in Berlin. Sie sind Ausdruck dessen, dass die Politiker Vertreter des (eigenen) Volkes sein sollten und für sein Wohl zu wirken haben – in der Theorie.

Leider scheint es gerade in der Bundesrepublik Deutschland so zu sein, dass die sog. “gewählten Volksvertreter” gegen die Interessen des eigenen, des deutschen, Volkes agieren.

Nach der Kriegsniederlage im Jahr 1945 wurden rund 20 Millionen Deutsche aus ihrer seit Jahrhunderten angestammten Heimat (u. a. in Ostpreußen und im Sudetenland) vertrieben. Bei diesen Vertreibungen starben mehrere Millionen Frauen, Kinder, Alte, Schwache. Unzählige Frauen und Kinder wurden vergewaltigt, geschändet, misshandelt, nach Sibirien verschleppt und ermordet.

Seitdem sind mehr als 60 Jahre vergangen. Bis heute gibt es keine von der Bundesregierung geförderte zentrale Gedenkstätte für diese Opfer alliierter Verbrechen respektive der Verbrechen, die durch die Kriegssieger geduldet worden sind.

Seit einiger Zeit findet nunmehr die Diskussion über die Errichtung eines sog. “Vertriebenenzentrums” in der BRD statt. Doch anstatt, getreu ihrem Eide, dem deutschen Volke zu dienen, für eine rasche Umsetzung dieser Einrichtung Sorge zu tragen, boykottieren große Teile der bundesdeutschen “Politikerelite” den Aufbau dieser Einrichtung.

Im April 2007 schrieb Frau Gigi Romeiser, Bürgerin der BRD in diesem Zusammenhang einen Brief an die Bundespolitikerin Prof. Dr. Gesine Schwan (sozialdemokratische und polophile Bundespräsidentenkandidatin, tätig an der Viadrina-Universität in Frankfurt an der Oder). Das Schreiben hatte folgenden Wortlaut:

***

Sehr geehrte Frau Professor Schwan,

schon mehrfach habe ich gelesen, sie lehnten die Errichtung eines Zentrums gegen Vertreibungen ab. „Es würde die deutschen Vertriebenen in einer Opferrolle darstellen, die nicht dem tatsächlichen Geschichtsverlauf entspricht“, werden Sie in einer AP-Meldung zitiert. Meinen Sie das wirklich?

Das spräche für die Rechtfertigung schwerster Kriegsverbrechen und für eine erschreckende Mitleidlosigkeit diesen vertriebenen Menschen gegenüber, denen man die Heimat, Hab und Gut – einfach alles genommen hat und die auf ihren Todesmärschen unsägliches Leid haben erdulden müssen. 17 Millionen Deutsche sind vertrieben worden als Hitler nicht mehr lebte. Von Deutschland ist keine Gefahr mehr ausgegangen.

Dennoch sind sehr viel mehr Deutsche nach dem Krieg ermordet worden als während des Krieges. Die Vertriebenen sind beraubt, gedemütigt, diffamiert, erniedrigt, mißhandelt, gefoltert, vergewaltigt, geschändet, erschlagen, erschossen und bestialisch ermordet worden. Umgekommen sind bei diesen Greueltaten vor allem Frauen und Kinder! 3,5 Millionen!

Sie meinen, dies seien keine Opfer gewesen?

· 1,4 Mio vergewaltigte Frauen und Kinder – keine Opfer?

· Kinder, die diesen Verbrechen an ihren Großmüttern, Müttern und Schwestern haben zuschauen müssen – keine Opfer?

· Blutjunge Mädchen, die auf besonders brutale Weise vergewaltigt worden sind und bei denen nicht selten Dutzende Rotarmisten Schlange gestanden haben – keine Opfer?

· Frauen, die aus Scham ein Leben lang darüber nicht haben sprechen können und zu keiner Bindung mehr fähig gewesen sind – keine Opfer?

.) Menschen, die während der Vertreibung von russischen Panzern niedergewalzt worden sind – keine Opfer?

·) Vertriebene Menschen, die von Tieffliegern beschossen worden sind – keine Opfer?

·) Säuglinge und Kleinkinder, die in ihren Kinderwagen erfroren oder verhungert sind – keine Opfer?

.) 9000 Menschen, die mit dem Lazarett- und Flüchtlingsschiff Gustloff bei der größten Seekatastrophe der Geschichte untergegangen sind,– keine Opfer? (eine Augenzeugin unter Tränen: „Auf dem Wasser trieben die Mützchen Hunderter ertrunkener Kinder“).

·) Kinder, die verloren gegangen sind – keine Opfer?

·) Kinder, die als Waisen zurückgeblieben sind – keine Opfer?

·) Die in Berlin aus Viehlastern und Zügen entladenen toten Kinder, Mädchen und Frauen, die beraubt, geschlagen und vergewaltigt worden waren – keine Opfer?

·)Die im Lager Lamsdorf in Oberschlesien bestialisch ermordeten deutschen Gefangenen (6.488 von 8.064, darunter 628 Kinder) – keine Opfer?

·) Menschen, die im Mai 1945 der „Hölle von Prag“ (Ludek Pachmann) nicht haben entkommen können – keine Opfer?

·) Die ermordeten Sudentendeutschen von Aussig und die Teilnehmer des Brünner Todesmarsches (eine Freundin konnte lebenslang nicht über die erlebte Pein sprechen).– keine Opfer?

·)Die 265 Karpatendeutschen, die am 18. Juni 1945 aus dem Zug geholt und ermordet worden sind, darunter 74 Kinder – keine Opfer?

·) Die 2000 im Juni 1945 in Postelberg (westliches Böhmen) mit teilweise bestialischen Methoden ermordeten Sudentendeutschen, darunter viele Kinder – keine Opfer?

·) Benesch: “Vertreibt die Deutschen aus ihren Häusern, Fabriken und Höfen und nehmt ihnen alles bis auf ein Taschentuch, in das sie hineinweinen können!”

Die Vertriebenen keine Opfer? Und die Welt hat zugesehen!!! Doch es hat eben nur Deutsche betroffen.

Die Haager Konvention hat – Gott sei’s geklagt – für Deutsche nicht gegolten!
Churchill hat erklärt: „Arbeit, Leben und Eigentum aller Deutschen stehen in der vollen Verfügungsgewalt der Sieger“.

Je länger die NS-Zeit zurückliegt, um so lauter werden die Anklagen und die Schuldzuweisungen gegen unser Volk. Und in demselben Maße sinkt die Bereitschaft unserer „Gesellschaft“ der eigenen Opfer zu gedenken. Man muß aber – so meine ich – ihrer und ihrer Not und Leiden gedenken dürfen, um ihnen ihre Würde zurückzugeben.

Victor Gollancz, jüdischer Verleger schrieb, als er die Not der Menschen in Deutschland erkannt hatte:

“Sofern das Gewissen der Menschheit jemals wieder empfindlich werden sollte, werden diese Verbrechen als die unsterbliche Schande aller derer im Gedächtnis bleiben, die sie veranlaßt oder sich damit abgefunden haben. Die Deutschen wurden vertrieben, aber nicht einfach mit einem Mangel an übertriebener Rücksichtnahme, sondern mit dem denkbar höchsten Maß an Brutalität. Die Menschen, die ich in Deutschland sah, glichen lebenden Skeletten richtiger , sie sahen wie sterbende Skelette aus.”

Sie sprechen in Ihrem oben zitierten Satz den „tatsächlichen Geschichtsverlauf“ an. Darauf möchte ich gerne eingehen:Ich erinnere mich noch, wie sehr ich mich über eine Sendung des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens empörte, in der die Vertriebenen als die „letzten Opfer Hitlers“ verhöhnt worden sind. Diese historische Verkürzung ist ein unzulässiges Konstrukt, den Deutschen die Schuld an allen Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs aufzubürden. Jedes Verbrechen hat seine eigenen Täter; schlimm genug, daß niemand zur Rechenschaft gezogen worden ist, der an diesen unvorstellbaren Greueltaten beteiligt gewesen ist, sie angeordnet oder billigend in Kauf genommen hat.

Ihr Gedanke läßt evtl. den Schluß zu: Wer anfängt, ist an allem Schuld?

Der Luftkrieg gegen zivile Ziele hat seinen Anfang im September 1939 auf die deutschen Städte Wilhelmshaven, Cuxhaven sowie Westerland, Stettin und Sylt genommen und nicht im November 1940 auf Coventry (Ziel: Die Zerstörung der Flugzeugmotorenwerke). London ist erst am 7. September 1940 nach dem 8.(!) planmäßigen Terrorangriff auf Wohnviertel Berlins von der deutschen Luftwaffe bombardiert worden!

Wir kommen also, sehr geehrte Frau Professor Schwan, mit der „Wer-hat-angefangen-Debatte“ nur zu wechselseitigen Schuldzuweisungen, daraus können keine Lehren für die Zukunft gezogen werden.

Versöhnung funktioniert nicht, wenn man dem Gegner die Verantwortung für seine Taten abnimmt. Es kann auch nicht angehen, daß man die Verbrechen der anderen als Vergeltung der Taten Hitlers billigt.

Die Vertriebenen sind die Opfer der Unmenschlichkeit der Sieger gewesen – und heute sind sie Opfer der Diffamierung durch unsere Medien, Historiker, Personen des öffentlichen Lebens und Politiker. Unerträglich ist, wenn Deutsche die Verbrechen der Sieger an Deutschen rechtfertigen, verharmlosen oder billigen.Den nachfolgenden Zitaten ist unschwer zu entnehmen, welche Ziele die Sieger gehabt haben. In der Direktive JCS 1067, Ziffer 1.4b heißt es wörtlich:

„Deutschland wird nicht besetzt werden zum Zwecke der Befreiung, sondern als eine besiegte Feindnation …..”

Churchills Ziel und Traum ist es schon im Ersten Weltkrieg gewesen, Deutschland total zu vernichten. Churchill im Zweiten Weltkrieg: „Sie müssen sich darüber klar sein, daß dieser Krieg nicht gegen Hitler oder den Nationalsozialismus geht, sondern gegen die Kraft des deutschen Volkes, die man für immer zerschlagen will, gleichgültig, ob sie in den Händen Hitlers oder eines Jesuitenpaters liegt.“ (Emrys Hughes: “Winston Churchill – His Career in War and Peace”, S. 14). Ich habe Ihre Abhandlung gelesen „Ich habe einen Traum“ (DIE ZEIT 17.08.2006). Ihre Gedanken zum Tod Ihres Gatten, den ich noch gut in Erinnerung habe als Referenten beim Hessischen Elternverein vor vielen Jahren in Bad Homburg. Ihre Gedanken zum Alleinsein und zur Partnerschaft, zur Familie und zu Kindern haben mich sehr beeindruckt. Sie, geehrte Frau Professor Schwan, sind 1943 geboren, ich 1939.

Wir haben als Kinder das Glück gehabt, diesem oben mit wenigen Beispielen beschriebenen Inferno zu entgehen. Als Familienmütter kann es uns nicht schwerfallen, dem Leid der Mütter nachzuspüren, deren Kinder erfroren, verhungert, vergewaltigt, erschlagen, gefoltert oder ermordet worden sind. Und es kann nicht anders sein, daß wir in diesen Kindern und ihren Müttern Opfer sehen, auch wenn wir beide im einzelnen über viele Dinge sicher unterschiedlicher Meinung sind.

Mit freundlichen Grüßen
Gigi R.

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Auf dieses 4seitige von Fakten und Berichtigungen zur offiziell verordneten Sichtweise der Dinge strotzende Schreiben einer engagierten Bürgerin antwortete Frau Prof. Schwan über einen Monat später wie folgt:

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Sehr geehrte Frau R.

haben Sie Dank für Ihren Brief vom 11. April 2007, in dem Sie sich zu einem Interview, das ich gegeben habe, äußern. Sie unterstellen mir nach diesem kleinen Beitrag sehr viel, und es hätte vielleicht nahe gelegen, genauer zu prüfen, was ich im Einzelnen gesagt habe. Aber ich will Ihnen noch einmal kurz erläutern, weswegen ich ge­gen das Zentrum, so wie es Frau Steinbach und der Bund der Vertriebenen vorsehen, spreche.

Niemand in Deutschland und in Polen wendet sich dagegen, an die Opfer dieser leidvollen Geschehnisse zu erinnern und sie zu betrauern. Das Problem beginnt dort, wo die Autoren des gegenwärtigen Konzepts damit eine Geschichtsrevision insofern verbinden, als sie die auch vom Bundespräsidenten Köhler immer wieder unterstri­chene kausale Abfolge zwischen Nationalsozialismus und Vertreibung verändern. Sie bestreiten nicht – verglei­chen Sie dazu bitte das Interview, das Frau Steinbach am 4. September 2006 im „Deutschlandfunk” gegeben hat -, dass die Vertreibung zeitlich nach dem Nationalsozialismus stattgefunden hat, aber sie sehen darin nur einen Anlass für Absichten, die schon vor dem Nationalsozialismus bestanden hätten und für die der Nationalsozialis­mus gleichsam, so die Formulierung von Frau Steinbach, lediglich die Türen geöffnet habe.

Diese Verschiebung der Verantwortung und auch der Schuld ist es, die Unfrieden sät und die tief ungerecht ist gegenüber den Polen, die schließlich von Deutschland angegriffen und von denen mehrere Millionen umgebracht worden sind und nicht umgekehrt.

Ich bleibe auch dabei, dass eine Gleichsetzung aller Vertriebenen als Opfer der historischen und moralischen Bedeutung der damaligen Handlungen nicht entspricht. Es macht einen Unterschied, ob ein aktives SS-Mitglied, das Hitlers Überfall auf Polen willkommen geheißen hat, vertrieben worden ist oder ein deutscher Widerstands­kämpfer.

Es wäre freundlich von Ihnen, wenn Sie den Zusammenhang, in dem meine Äußerungen stehen, genauer be­trachteten.

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Frau Prof. Schwan macht darin keinerlei Anstalten, auf die vorgetragenen Fakten (ermordete Frauen und Kinder, Beginn des Bombenkrieges gegen zivile Einrichtungen, etc …) auch nur ansatzweise einzugehen.

Die Frage, weshalb Sie dies nicht tut und weshalb sie ihr eigenes Volk, dem zu dienen und seine Interesse zu vertreten sie geschworen hatte, pauschal zu Tätern und Opfern zweiter Klasse abstempelt, sei deshalb hier öffentlich gestellt.

A. S.


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